Menü
Make

Arduino gegen Arduino: Gründer streiten um die Firma

Italienische Medien berichten über einen "Krieg" zwischen den Arduino-Gründern: Gianluca Martino, der Hersteller der Arduino-Boards, will die Firma in eine andere Richtung weiterentwickeln als das Community-Team um Massimo Banzi.

Von
vorlesen Drucken Kommentare lesen 69 Beiträge
Arduino gegen Arduino: Gründer streiten um die Firma

Laut mehreren italienischen Zeitungen streiten sich die Arduino LLC und die Arduino S.R.L. derzeit vor dem Massachusetts District Court. Die Auseinandersetzung dreht sich um die zukünftige Ausrichtung des Projekts. Auf der einen Seite im Konflikt steht Arduino LLC, die Firma der fünf Arduino-Gründer Massimo Banzi, David Cuartielles, David Mellis, Tom Igoe und Gianluca Martino. Sie wurde 2009 in den USA gegründet und ist Inhaberin der Marke Arduino.

Den Berichten zufolge gab es schon länger Spannungen zwischen den vier erstgenannten Gründern und Gianluca Martino, dessen Firma Smart Projects S.R.L. seit zehn Jahren im italienischen Strambino den Großteil der weltweit verkauften Arduino-Platinen (erkennbar am Aufdruck "Made in Italy") herstellt. Im November 2014 kam es zur Eskalation, als Martino seine Firma in Arduino S.R.L. umbenannt und Federico Musto als neuen Geschäftsführer eingesetzt hatte, ohne dies den anderen Gründern vorher mitzuteilen.

Da waren sie noch ein Team: Die Arduino-Gründer 2008 bei einem Treffen in Malmö.

Zentraler Punkt des Streits ist, wo in Zukunft offizielle Arduino-Boards gefertigt werden und ob sich die Firma eher als Anbieter einer offenen Entwicklungsplattform oder als Verkäufer von Hardware sieht. Das Team um Massimo Banzi hält die Software und die Idee hinter dem Projekt für ihr wichtigstes Vermögen und will daher nicht nur Kooperationen wie mit Intel ausbauen, sondern auch offizielle Arduinos in anderen Ländern fertigen lassen, vor allem im China. Von dort kommen die meisten Arduino-Klone, sowohl legale Nachbauten der Open-Hardware-Boards als auch illegale Kopien mit Arduino-Logo.

Sich hier zu öffnen, könnte bedeuten, dass Gianluca Martino seine in Italien vergleichsweise teuer gefertigten Arduino-Boards nicht mehr so gut verkaufen kann. Ihm und seinem neuen CEO Musto geht es eher darum, Arduino an die Börse zu bringen und Kooperationen im industriellen Bereich zu formen; die Zeitung Corriere della Sera nennt Panasonic, Bosch und Telecom Italia. Dafür soll angeblich auch der Open-Source-Aspekt in den Hintergrund treten, schreibt die italienische Wired.

Vor Gericht geht es jedoch nicht um die inhaltliche Auseinandersetzung: Arduino LLC wirft Arduino S.R.L. und verbundenen Firmen und Personen eine Markenrechtsverletzung vor. Vor allem deren zweite, neue Arduino-Webseite unter arduino.org ist der LLC, die seit jeher unter arduino.cc zu finden ist, ein Dorn im Auge. Egal wie der Konflikt weitergeht, Gewinner wird es wohl auf keiner Seite geben. Zwischen den Stühlen sitzen damit nun auch viele Händler, die sich dem Arduino-Projekt verbunden fühlen und die Boards weiterhin aus Martinos Fertigung beziehen. (phs)