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Ausprobiert: 3D-Drucker Ultimaker 2 Extended und Ultimaker 2 Go

Die Geräte des niederländischen Herstellers Ultimaker genießen (zu Recht) einen guten Ruf. Ob aber die beiden neuen Varianten des 3D-Druckers Ultimaker 2 auch so beliebt werden wie das Standardmodell, bleibt abzuwarten.

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Ausprobiert: 3D-Drucker Ultimaker 2 Extended und Ultimaker 2 Go

Wie die Orgelpfeifen: Anlässlich unseres Tests hatten wir alle Mitglieder der 3D-Drucker-Familie von Ultimaker zusammen in unserem Labor – links der hochgewachsene Extended, in der Mitte das Standardmodell, rechts der kleine Ultimaker 2 Go.

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Ultimaker 2 Go ab € 1429,–

Seit rund einem Jahr läuft bei uns im Make-Labor ein 3D-Drucker vom Typ Ultimaker 2 als Arbeitspferd für die alltäglichen Druckaufgaben – und hat sich dabei bewährt. Auf der CES in Las Vegas im Januar 2015 präsentierte der Hersteller dann den großen und den kleinen Bruder unseres 3D-Druckers. Klar, dass wir die beiden Geräte – Ultimaker 2 Extended und Ultimaker 2 Go – auch mal ausprobieren wollten. Groß umstellen mussten wir uns da nicht: Alle drei aktuellen Ultimaker arbeiten mit derselben Software (Cura) zusammen, man muss sich lediglich die beiden Maschinenprofile dort hineinladen, um im Bauraum zu bleiben.

Der Ultimaker 2 Extended entspricht dabei exakt dem normalen Ultimaker 2, nur die senkrechte Achse ist verlängert, sodass die gedruckten Objekte bis zu 30,5 cm hoch sein können statt "nur" 20,5 cm wie beim Standardmodell. Diese um 50 Prozent ausgedehnte mögliche Höhe schlägt sich in einem Aufpreis von immerhin 700 Euro nieder. Das ist etwas verwunderlich: Schließlich sind für den höheren Bauraum keine zusätzlichen Komponenten nötig – lediglich die Spindel für die vertikale Bewegung des Drucktisches und die Seitenteile des Gehäuses müssen etwas länger ausfallen. Ansonsten druckt der hohe Ultimaker praktisch genauso wie das Standardmodell (und auch der kleine 2 Go). Hätten wir für den Test nicht Filament in unterschiedlichen Farben benutzt, hätten wir viele der Probestücke hinterher nicht mehr zuordnen können.

3D-Drucker Ultimaker 2 Extended und Ultimaker 2 Go im Test (12 Bilder)

Der 3D-Drucker im 3D-Drucker

Ja, dieses Bild musste sein: Der kleine Ultimaker 2 Go passt wirklich in den Druckraum des großen Ultimaker 2 Extended hinein. Wir konnten sogar das Netzteil in den kleinen hineinstecken und die LED-Innenbeleuchtung anschalten. Sinn ergibt das zwar nicht, aber es sieht gut aus (und macht die Größenverhältnisse klar).

Wer den Standard-Ultimaker gewohnt ist, auf den wirkt der Ultimaker 2 Go erstmal putzig – wie eine Kindchenschema-Interpretation des normal großen Geräts. Da der Kleine bei Antrieben und Extruder ebenfalls dieselben Komponenten wie seine großen Brüder benutzt, fällt das Verhältnis zwischen äußeren Abmessungen und Bauraum (= maximaler Größe eines Drucks) hier allerdings etwas ungünstiger aus: Aus geringfügig weniger Gerät kommt viel weniger Objekt heraus.

Obwohl er ebenfalls beinahe dieselbe Technik enthält wie das Standardmodell, ist der Ultimaker 2 Go aber fast 900 Euro billiger. Klar, er produziert auch deutlich kleinere Objekte – sein Bauraum erinnert mit gut einem Liter Volumen an den allerersten MakerBot, den seligen CupCake CNC. Dafür muss man erst mal über 1400 Euro ausgeben wollen. Im Unterschied zu den beiden größeren Maschinen ist das Druckbett beim 2 Go nicht heizbar. Das stört in der Praxis nicht sehr, man muss bei der Justierung des Abstands zwischen Düse und Platte etwas sorgfältiger sein, sich auf wenig verzugsfreudige Materialien wie PLA beschränken und darf mit der Beschichtung per Klebestift vor dem Druck nicht geizen. Unter Umständen hilft auch der Wechsel zu Kreppklebeband als Drucktischbeschichtung: Das funktionierte auf dem ungeheizten Acrylglastisch des originalen Ultimaker auch prima.

Gerät Ultimaker 2 Extended Ultimaker 2 Go
Hersteller/Vertrieb Ultimaker / iGo3D, igo3d.com Ultimaker / iGo3D, igo3d.com
Bauraum 23 cm × 22,5 cm × 30,5 cm 12 cm × 12 cm × 11,5 cm
Drucktisch Glasplatte, beheizt Glasplatte, nicht beheizt
Software Cura (Windows, Mac OS X, Linux) Cura (Windows, Mac OS X, Linux)
Material 2,85 mm 2,85 mm
Druck über... SD-Karte SD-Karte
Druckqualität gut gut
Preis 3000 € 1430 €

Die Bedienung und die Druckqualität des kleinen und des großen Bruders entsprechen jener des Standard-Ultimaker 2, abgesehen von den gelegentlichen Haftungsproblemen beim 2 Go, die man in der Bilderstrecke sieht.

Der kleine 3D-Drucker ist niedlich und war gleich ein Liebling in der Make-Redaktion; wer aber die Technik produktiv und im Alltag praktisch einsetzen will, hat mit einem 3D-Drucker in Standardgröße deutlich mehr Möglichkeiten. Seine Nische wird der Ultimaker 2 Go dort finden, wo ein kompakter Drucker von Vorführung zu Vorführung reist, um mal eben schnell ein überschaubares Objekt in 3D hervorzuzaubern – auf Messen, in Schulen, in Repair-Cafés. Für einen längeren Druck, der den Bauraum ausreizt, ist da in der Regel ohnehin nicht genügend Zeit. Dass bei diesem Gerät kein Drucktisch aufgeheizt werden muss, verkürzt zudem die Vorlaufzeit ein wenig.

Bleibt die Frage, wer sich für den Extended interessieren könnte. Uns fällt da eigentlich nur jemand ein, der zum Beispiel öfters mal gescannte Ganzfiguren im repräsentativen Maßstab 1:6 drucken will. Die passen in die 30 Zentimeter Bauhöhe gut hinein. Alle anderen müssen sich fragen, ob ihnen die Option auf etwas mehr Bauhöhe den Aufpreis wert ist. Braucht man nur ab und zu ein größeres Teil, kann man das oft auch in zwei Stücke aufteilen, nacheinander drucken und am Ende montieren.

Wem die Druckhöhe des Extended nicht reicht, der kann übrigens auch seinen Standard-Ultimaker umbauen: Dank der Erweiterung Z-Unlimited lässt sich mit der Maschine sogar hoch wie ein Elefant in 3D drucken.

Die Ergebnisse der systematischen Druckqualitätsprüfung finden Sie in unserer Online-Vergleichstabelle zu FDM-3D-Druckern. (Peter König) / (pek)