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Babyschlaf visualisiert – als selbstgestrickte Schlafdecke

Mit dem "Sleep Blanket" hat ein Bastler seine Interessen Handarbeit und Programmieren verbunden und seinem Kind ein einzigartiges Geschenk gemacht.

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(Bild: Seung Lee)

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Von der Baby-App erst in Excel und dann auf die Stricknadel: Der Programmierer und Hobbyhandarbeiter Seung Lee hat den Schlafrhythmus seines Babies im ersten Lebensjahr aufgezeichnet und als Strickdecke visualisiert. Um das Strickmuster jederzeit dabei zu haben, hat er sogar einen Webserver aufgesetzt. Kurz vor dem zweiten Geburtstag des Kinds ist das Projekt endlich abgeschlossen.

Die fertige Decke ist 107 × 114cm groß, hat einen gehäkelten Rand und besteht aus circa 185.000 Maschen. Ursprünglich wollte Lee die Decke häkeln, entschied sich nach einer Reihe verworfener Prototypen allerdings fürs Stricken. Jede Reihe entspricht einem Tag und jede Masche sechs Minuten. Auf der Vorderseite steht blau für Schlaf und grau für wache Zeiten – auf der Rückseite ist es genau anders herum.

Neben anderen Daten hatten die Eltern im ersten Lebensjahr des Neugeborenen die Schlafzeiten in die App BabyConnect eingetragen. Aus der App lassen sich die Daten im Tabellenformat CSV exportieren. Mit einem eigens geschriebenen Skript rechnete Lee die Zeiten in die Sechs-Minuten-Intervalle um. Ebenfalls selbstgeschrieben ist sein browserbasiertes Patterntracker-Tool, um die Farbwechsel und seinen Fortschritt im Auge zu behalten. Die noch nötige Konvertierung der Tabelle in JSON erledigte Lee mit Google Apps Script und Python.

Datenvisualisierung mit Strickdecke (5 Bilder)

Die fertige Decke ist 107 × 114 cm groß.
(Bild: Seung Lee)

In den ersten Reihen sind allerdings nur graue Maschen zu sehen: Die ersten Tage seien sehr anstrengend gewesen und hätten es nie in die App geschafft, so Lee, auch wenn die fehlenden Daten ihm das Herz brächen. Der Versatz kurz vor dem ersten Geburtstag sei dagegen einer Reise in eine andere Zeitzone geschuldet. Kurz nach dem Geburtstag habe er mit der Planung begonnen. Insgesamt seien es über 300 Stunden Strickzeit gewesen, über 104 Tage verteilt. Am Schluss zu sehen, wie alle Teile zusammenpassen, sei ein unglaubliches Gefühl und das Kleinkind liebe die fertige Decke.

Wie Daten mit Strickwaren visualisiert werden können, zeigte zuletzt auch die Klimaschutzberaterin Anja Kollmus. Sie nutzte eine Grafik zur Erderwärmung seit 1850 und rechnete das Streifenmuster in Maschen um. Ergebnis ist ein Strickpulli, der Climate Sweater, der vom dunkelblauen Ansatz bis zum roten Kragen eine tiefere Bedeutung mitbringt. (hch)