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Berliner Hackspace „Heart of Code“ bringt Frauen nach oben

Der neulich eröffnete Makerspace im Baumschiff am Görlitzer Bahnhof bringt gleichgesinnte Hackerinnen zusammen, um gemeinsame Projekte zu machen und sich neue Techniken beizubringen.

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Berliner Hackerspace „Heart of Code“ bringt Frauen nach oben

Über eine Leiter im Hinterhof der Skalitzer Straße 100 in Berlin-Kreuzberg erreicht man einen Raum, den man als Remise oder Baumhaus beschreiben könnte. Am 19. Mai wurde er zum „Baumschiff Heart of Code“. Inspiriert ist der neue Hackspace durch den Namen des Raumschiffs „Heart of Gold“ in Douglas Adams’ „Per Anhalter durch die Galaxis“.

„Wie viele Leute passen da eigentlich rein?“, frage ich, als ich die Remise mit der neu befestigten Leiter ansehe. „Das finden wir heute Nacht raus,“ antwortet Leli, eines der Mitglieder.

Obwohl das Baumschiff erst jetzt fliegt, gibt es Heart of Code als Gemeinschaft schon länger. Seit anderthalb Jahren versammeln sich die Mitglieder, die Frauensternchen, wöchentlich an verschiedenen Orten, um an eigenen Projekte zu arbeiten sowie gemeinsame Ideen voranzubringen. Vor kurzem haben sie Tattoos mit elektronischer Tinte gemalt, auf der Berliner re:publica eine Cryptoparty organisiert und sie haben schon Ideen für den Chaos Computer Congress im Dezember.

In den Wochen vor der Eröffnung wurde das "Baumschiff" fleißig renoviert.

(Bild: Heart of Code)

„Einige von uns waren 2015 auf dem Chaos Communication Camp und auf anderen Hacking-Konferenzen. Dort merkten wir einerseits, dass die Crowd ganz schön homogen ist. Aber wir merkten auch, dass es super viele coole Frauen gab, die wir nur immer wieder aus den Augen verlieren,“ erklärt Mitgründerin Krake. Die Legende besagt, dass die Idee für Heart of Code während eines Gewitters auf dem Chaos Communication Camp aufblitzte.

Die Gründerinnen Krake und Cat, wie die meisten Mitglieder, tragen T-Shirts mit dem auffallenden Akronym: Frauen Und Computer Kram. Heart of Code soll zu einem Ausgleich der Genderdisparität im Tech-Bereich beitragen. „Wir wollen mehr Sichtbarkeit für die vielen coolen Frauen schaffen, die den Stereotypen über Frauen oder Technologie so gar nicht entsprechen“, sagt Krake. „Insbesondere jüngeren Frauen aber auch andere unterrepräsentierte Gruppen wollen wir damit ein Bild anbieten, das ihnen Mut macht oder sie dazu inspiriert, sich mit Technik, Computer, Programmieren und Basteln auseinanderzusetzen.“

Das alles wird leichter in einem Safe Space, in dem sich nur Menschen treffen, die sich als Frauen identifizieren. Damit sollen Dynamiken um Gender ausgehebelt werden und unerwünschtes Belehren, sogenanntes Mansplaining, gar nicht erst stattfinden. Krake: „Langfristig hoffen wir, dass die Hackspace-Szene insgesamt diverser wird, indem mehr Frauen zu Konferenzen oder anderen Hackspaces gehen, oder indem neue Hackspaces entstehen, die mehr unterrepräsentierten Gruppen ein Hack-Zuhause geben.“

Zur großen Eröffnung dürfen Männer auch mitfeiern. Fast 1000 Leute kommen im Laufe des Abends vorbei im Hinterhof, wo neben Heart of Code das Kollektiv werkstatttraum wiedereröffnet. Oben im Baumhaus gibt es Tschunk gegen Spende, aber noch kein Netz. Ein früherer Twitter-Aufruf nach LAN-Kabeln und einem Switch für die Remise war teilweise effektiv: Obwohl kein Switch aufgetaucht ist, gibt es am Samstag so viele LAN-Kabel, dass mehrere Leute sie als Halsketten tragen. Um 23:42 Uhr zerschneiden die Mitglieder dann zur feierlichen Eröffnung ein LAN-Kabel. Wieso 23:42? Weil 42 die Antwort auf alle Fragen ist. „Ein bisschen rumnerden muss man“, sagt Leli.

Heart of LEDs

Im Baumschiff gibt es jetzt jeden Donnerstag den Damensalon, und bald erscheinen ein Podcast, Lerngruppen und Hackdays. „Mitmachen können alle technikinteressierten Frauen, indem sie vorbeischauen“, sagt Krake. „Um Mitglied im Verein zu werden, sollten Interessierte auf jeden Fall eine Weile dabei gewesen sein. Wir wollen Menschen gerne gut kennenlernen, und wünschen uns, dass sich Interessierte einbringen und dazu beitragen, dass die Heart of Code ein cooler, spannender Ort wird.“ (Grace Dobush) / (hch)