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CES 2016: Günstige 3D-Drucker für Plastik, Harz, in Farbe und – für Papier

Auch in diesem Jahr nutzen viele 3D-Drucker-Hersteller die CES in Las Vegas, um ihre neuen günstigen und mittelpreisigen Maschinen erstmals öffentlich zu zeigen. Eine Auswahl in Kurzvorstellungen.

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Den Papierdrucker Mcor ARKe gibt es in verschiedenen Gehäuse-Dekors – schließlich ist das Gerät als Desktop-Maschine gedacht.

(Bild: Mcor)

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Die CES in Las Vegas ist seit einiger Zeit auch eine Messe, auf der Hersteller von 3D-Druckern ihre neuen Maschinen vorstellen - und meist bekommt der Interessierte recht günstige oder zumindest nicht allzu teure 3D-Drucker zum ersten Mal öffentlich zu sehen. Hier eine Auswahl von der CES 2016:

Die irische Firma Mcor setzt seit Jahren als so gut wie einziger Hersteller auf 3D-Drucke aus Papier: Ihre Maschinen schichten Modelle aus ganzen Packungen gewöhnlichen Schreibpapiers auf, das zuvor mit einem konventionellen Tintenstrahlkopf farbig bedruckt wurde. Dann trägt der Drucker flüssigen Leim in Form des Objekts auf ein Papier auf, drückt das nächste drauf und schneidet mit einem Messer den unverklebten Teil des Blatts entlang der Modellkontur ab. Ist das Objekt komplett aufgebaut, wird das überschüssige Papier entfernt und das Werkstück noch mal in Kunstharz getränkt. Das verleiht dem Druck eine haptisch angenehme, seidenglänzende Oberfläche, die nicht mehr im Entferntesten an Papier erinnert. [Update 08.01.2016: Diese Nachbehandlung ist optional – ohne sie bestehen die fertigen Objekte ausschließlich aus bedrucktem Papier und Leim.] Das Verfahren haben wir uns schonmal erklären lassen:

Schickes Gehäuse, Papier von der Rolle: 3D-Drucker Mcor ARKe.

(Bild: Mcor)

Bisher gab es von Mcor für den Farbdruck nur das große und teure Modell Iris, das auch im Video zu sehen ist. Auf der CES hat Mcor jetzt sein Desktop-Modell Mcor ARKe vorgestellt. Anders als die Iris verwendet der kompakte 3D-Papierdrucker als Rohmaterial nicht ganze Stapel einzelner A4-Blätter, sondern zieht das Papier von einer Rolle, die im Inneren sitzt. Die Druckdaten gelangen über USB, WLAN oder Ethernet auf das Gerät. Die maximale Objektgröße liegt bei 24 cm × 20,5 cm × 12,5 cm.

Farbige Papier-3D-Drucke einer Mcor-Maschine.

Während die Iris-Drucker stets einen Papierblock in der maximalen Größe zusammenleimen, soll der ARKe Papier sparen, indem er das umhüllende Volumen an die tatsächliche Objektgröße anpasst. [Update 08.01.2016: Die Maschine soll rund 5000 britische Pfund oder 8000 Euro kosten.] Als Kunden hat der Hersteller insbesondere auch Schulen im Visier – nicht zuletzt wegen der unproblematischen Materialien, die die Papierdrucker verarbeiten.

Die 3D-Drucker des chinesischen Herstellers PP3DP (auch unter dem Namen Tiertime bekannt) gehören schon zu den Klassikern des Marktes – den günstigen Up Mini dieser Firma gab es vor Weihnachten mal wieder als Aktions-Schnäppchen bei Tchibo. Der Mini ist seit 2013 auf dem Markt und hat jetzt auf der CES mit dem Up Mini 2 einen deutlich schickeren Nachfolger bekommen – allerdings gibt es das Gerät noch nicht zu kaufen, gezeigt wurde ein Prototyp.

Mit Hochglanzgehäuse und Materialrolle als Ableger: Up Mini 2.

(Bild: PP3DP/Tiertime)

Der Mini 2 bekommt neben einem Sichtfenster in den Bauraum auch ein Display am Gehäuse – beim Vorgänger spielte sich der gesamte 3D-Druck ungesehen und unkontrolliert im Inneren ab. Dennoch bleibt das Gehäuse wie bisher weitgehend geschlossen und soll sogar durch einen Luftfilter dagegen gesichert werden, dass schädliche Partikel, die beim Druck entstehen, in die Umgebung gelangen. Druckaufträge soll der Mini 2 auch über WLAN entgegennehmen. Die Materialrolle sitzt in einem separaten Gehäuse. Die übrigen Spezifikationen unterscheiden sich kaum vom Vorgänger, die maximale Modellgröße bleibt auf 12 cm × 12 cm × 12 cm begrenzt. Ein Preis ist noch nicht zu erfahren, er soll aber in der selben Größenordnung liegen wie beim ersten Mini – zwischen 500 und 600 Euro.

Der neue kleine: da Vinci Mini von xyzPrinting.

(Bild: CES/Twitter)

Wo der Massenmarkt zuhause ist, ist der taiwanesische 3D-Drucker-Hersteller xyzPrinting nicht weit – das galt für die vergangene IFA in Berlin, das gilt für sechs ausgewählte Kaufhof-Filialen, die seit dem Vorweihnachtsgeschäft 3D-Drucker der Firma vertreiben (Berlin Alexanderplatz, Erlangen, Hannover Ernst-August-Platz, München Marienplatz, München Rotkreuzplatz, München Stachus). Und es gilt ebenso für die CES, zu der der Ableger des Konzerns New Kinpo Group diverse neue 3D-Drucker mitgebracht hat. Dabei soll der da Vinci Mini den Preis für den günstigsten 3D-Drucker der Firma auf 270 US-Dollar drücken – erfahrungsgemäß werden die Geräte in Europa allerdings deutlich teurer. Das Gerät ist kleiner als das bisherige Einsteigermodell da Vinci Junior, soll aber Modelle in derselben Größe produzieren können wie dieser (15 cm in alle drei Dimensionen). Die Junior-Variante "3-in-1" mit integrierten 3D-Drehteller-Laserscanner sowie Lasergravier-Kopf gab es bereits auf der IFA zu sehen; neu ist aber der da Vinci Junior 2.0 Mix, der Filament in zwei unterschiedlichen Farben fein dosiert in eine Düse pressen soll, um so Material in beliebiger Abtönung zwischen den beiden Grundfarben zu erzeugen. Die Maschine soll 500 US-Dollar kosten.

3D-Druck

Der Sammelbegriff 3D-Druck steht heute für ein ganzes Bündel von Fertigungstechniken, die nach unterschiedlichen Prinzipien funktionieren und sich jeweils nur für ganz bestimmte Materialien eignen. Ihr gemeinsamer Nenner: Alle Verfahren bauen dreidimensionale Objekte, indem sie Material in dünnen Schichten auftragen und verfestigen.

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Mit dem Stereolithographie-3D-Drucker Nobel 1.0 wagte sich der Hersteller im vergangenen Jahr preislich in die 3D-Drucker-Mittelklasse vor. Jetzt zeigte xyzPrinting nicht nur dessen verbesserte Version Nobel 1.0 Advanced, das für den selben Preis wie der Vorgänger feinere Objekte liefern soll, sondern auch das alternative Model Nobel DLP. DLP steht für Direct Light Processing; damit werden üblicherweise Stereolithographie-Maschinen charakterisiert, die die Schichten lichtempfindlichen Materials nicht durch einen UV-Laserstrahl, sondern durch flächige Belichtung mit einem Beamer in einem Rutsch erzeugen. Der Nobel DLP soll 2000 US-Dollar kosten und das Objekt mit einer horizontalen Genauigkeit von 0,005 Millimetern aus bis zu 0,0025 Millimeter feinen Schichten aufbauen.

Technologisch dürfte allerdings der xyzPrinting 3D Jet den größeren Sprung für die Firma darstellen: Dieses Gerät trägt das flüssige Photopolymer tröpfchenweise aus einem Druckkopf auf, der jenem eines Tintenstrahlers ähnelt. Anschließend härtet eine UV-Lampe das Material aus. Das Verfahren ähnelt jenem der PolyJet-Maschinen von Objet (jetzt Stratasys). So sollen Objekte mit einer Schichtdicke von minimal 0,0013 Millimetern erzeugt werden, die bis zu 30 cm × 15 cm Grundfläche haben dürfen. Gedacht ist die Maschine aber vor allem für Objekte mit beweglichen Teilen, die in einem Rutsch gedruckt werden. Das Gerät soll 2017 auf den Markt kommen, ein Preis ist noch nicht bekannt.

Die Kiste haben wir doch schon mal gesehen – tatsächlich: Der 3D Jet von xyzPrinting stand schon auf der IFA am Stand des taiwanesischen Herstellers zur Ansicht.

Noch eine Überraschung: Mit dem Prototypen namens 3PP0A dringt xyzPrinting in das angestammte Revier der Firma Z Corporation vor, die inzwischen zu 3D Systems gehört. Denn mit Ausnahme des eingangs beschriebenen Papierverfahrens von Mcor kommt man faktisch bis heute nicht an 3D Systems und Z Corporation vorbei, wenn man vielfarbige Objekte drucken will, etwa für fotorealistische 3D-Porträts. In deren Maschinen spritzt ein modifizierter Tintenstrahl-Druckkopf ein Gemisch aus Farbe und Bindemittel in die jeweils oben liegende Schicht aus Gipspulver, verklebt einzelne Körnchen und färbt die jeweilige Stelle gleich ein. Nach genau dieser Technik soll jetzt auch das neue Gerät von xyzPrinting arbeiten und dabei Objekte in einer Größe von bis zu 22 cm × 22 cm × 20 cm hervorbringen. Die horizontale Auflösung wird mit 1600 dpi und die Schichtdicke mit 0,01 Millimetern angegeben. (pek)