Coronavirus: Maker helfen mit Teilen aus dem 3D-Drucker

Manchmal fehlt es nur an Kleinigkeiten, wenn etwa Respirationsgeräte nicht betrieben werden können oder Teile für Atemmasken fehlen. Maker können helfen.

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(Bild: Christian Fracassi)

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Seit Donnerstag befand sich das Krankenhaus in Chiari (Brescia) in der Notlage: Die Ärzte hatten nämlich festgestellt, dass der Vorrat an Ventilen, die für den Betrieb eines Beatmungsgeräts benötigt wurden, zu Ende ging und der Hersteller sie nicht kurzfristig liefern konnte. Massimo Temporelli aus dem Fablab Mailand und einer der 3D-Druck-Protagonisten in Italien, erkannte den Bedarf und versuchte mit Hilfe der lokalen Presse, ein paar Maker zusammentrommeln, um nach einer Lösung zu suchen. Nach Dutzenden von Telefonaten nahm Cristian Fracassi, ein junger Werkstoffingenieur aus Brescia, der in der Welt des 3D-Drucks tätig ist, die Herausforderung an.

3D-gedruckte Beatmungsventile warten auf ihre Bewährungsprobe.

(Bild: Christian Fracassi)

Der Originalhersteller zeigte sich wenig kooperativ: Er rückte die Konstruktionsdaten nicht heraus und drohte sogar mit einer Klage wegen Patentverletzung, sollte das lebenswichtige Teil nachgebaut werden.

Temporelli und Fracassi ließen sich davon nicht beeindrucken: So wurde das Plastikteil neu vermessen, als 3D-Modell gezeichnet und schließlich gedruckt – in weniger als einem Tag und mit weniger als 1 Euro Materialkosten pro Stück. Natürlich ist das nachgebaute Teil nicht zertifiziert, aber die derzeitig laufenden Tests stimmen Temporelli positiv. Fracassi meint, dass "ihm der Hersteller den Kopf abgerissen hätte", wenn die derzeitige Notlage nicht gegeben wäre – und fürchtet Konsequenzen, sobald die Pandemie im Griff ist. Derzeit sind Fracassis Ventile bei 10 Patienten im Einsatz.

3D-Druck

Der Sammelbegriff 3D-Druck steht heute für ein ganzes Bündel von Fertigungstechniken, die nach unterschiedlichen Prinzipien funktionieren und sich jeweils nur für ganz bestimmte Materialien eignen. Ihr gemeinsamer Nenner: Alle Verfahren bauen dreidimensionale Objekte, indem sie Material in dünnen Schichten auftragen und verfestigen.

Auf Twitter bot inzwischen die chinesische YouTuberin Naomi "RealSexyCyborg" Wu an, die CAD-Dateien zum Nachdruck zu veröffentlichen. Der Hersteller könne sie gern in China verklagen und sie die Verhandlungen dann live streamen.

(Bild: Gina Häußge, via Twitter)

Makerin Gina Häußge, die die beliebte 3D-Druckersoftware Octoprint entwickelt, sah sich mit einem anderen Problem konfrontiert: Ventilierte Atemmasken filtern die Luft zwar perfekt beim Einatmen, aber nicht in die andere Richtung – wer selbst infiziert ist, streut dann weiterhin Viren um sich. Im Handumdrehen konstruierte sie eine Kappe mit Filtereinsatz für eine handelsübliche Staubschutzmaske. (cm)