Crowdfunding-Kampagne für DIY-Laptop "MNT Reform" gestartet

Via Crowdfunding kann man den modularen und komplett aus Open-Hardware-Komponenten bestehenden Laptop MNT Reform unterstützen.

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(Bild: MNT Reform)

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Die Kampagne für den Open-Source Laptop "MNT Reform" läuft seit vergangener Woche und hat schon fast das Finanzierungsziel erreicht. Das Besondere: Beim Entwurf des Laptops haben die Entwickler der in Berlin ansässigen MNT Research GmbH besonderen Wert auf Transparenz, Offenheit und die Privatsphäre gelegt. So besitzt der Laptop standardmäßig weder eine eingebaute Kamera noch ein Mikrofon. Dank der modularen Bauweise lässt sich das Gerät komplett in seine Einzelteile zerlegen. Besitzer können so Komponenten schnell austauschen oder selbst reparieren. Im Innern arbeitet ein NXP i.MX8M System-on-a-Chip (SoC) mit einem 64-bit ARM-Vierkernprozessor vom Typ Cortex-A53. Mit dieser Wahl wollen die Entwickler die proprietäre Intel-Hardware umgehen. Im Gegenzug läuft auf dem System kein handelsübliches Windows 10.

Wer den Machern über die CrowdSupply-Kampagne mindestens 1.300 US-Dollar überweist, soll laut Kampagnenziel im Dezember einen einsatzbereiten MNT Reform erhalten. Maker, die das Gerät selbst zusammenschrauben möchten, zahlen für alle Einzelteile im MNT Reform DIY Kit nur 999 US-Dollar. Beim Aufbau sind keine Lötarbeiten erforderlich. Die Hauptplatine lässt sich auch einzeln für 550 US-Dollar erwerben. Wer das Projekt lediglich unterstützen möchte, überweist 40 US-Dollar – als Dank soll es dann ein T-Shirt geben. Abschließend offeriert die MNT Research GmbH noch den MNT Reform Max. Er enthält eine 1 TByte große SSD anstelle des 256 GByte Exemplars im MNT Reform, kostet dafür aber auch 1.500 US-Dollar.

In jedem Fall sitzt der SoC zusammen mit 4 GByte Hauptspeicher auf einem System-on-Module (SoM), das wiederum in einem Steckplatz auf der eigentlichen Hauptplatine residiert. Beim SoM handelt es sich um das "Nitrogen8M SOM" der amerikanischen Firma Boundary Devices. Die Entscheidung für dieses Modul fiel aufgrund der frei verfügbaren Design-Dokumente.

Des Weiteren steckt im Gerät ein Vivante GC7000Lite Grafikchip, der ein 12,5 Zoll großes Full-HD-Display ansteuert. Verbaut ist dabei ein IPS eDP (embedded DisplayPort) Panel der Firma Innolux. Ein HDMI-Ausgang ist zwar vorhanden, er funktioniert jedoch nur mit einer proprietären Firmware. Das schwarze Aluminium-Gehäuse stammt von der Designerin Ana Dantas und misst 29 x 20.5 x 4 cm. Die Stromversorgung erfolgt nicht über einen proprietären Akku, sondern acht wechselbare 18650 LiFePO4-Zellen.

Nach außen geführt sind drei USB 3.0-Ports mit Typ-A-Buchse. Tastatur und andere eingebaute Eingabegeräte docken an den zwei internen USB 2.0-Anschlüssen an. Apropos Tastatur: Die besitzt mechanische Schalter vom Typ Kailh Choc Brown und eine dimmbare Hintergrundbeleuchtung. Wer das Laptop-Projekt über CrowdSupply unterstützt, hat die Wahl zwischen sechs verschiedenen Tastaturbelegungen. Neben einem englischen existiert auch ein deutsches Layout (QWERTZ), Vieltipper oder Bastler wählen komplett unbeschriftete Tasten. Die Leertaste ist allerdings geteilt, die Alt-Tasten rücken in die Mitte. Käufer haben zudem die Wahl zwischen einem Trackpad und einem Trackball. Wer beide Eingabegeräte haben möchte, muss 50 US-Dollar Aufpreis zahlen.

Mit an Bord ist ein SD-Kartenleser, über den der Laptop auch booten kann. Eine Kamera lässt sich nachträglich über eine MIPI-CSI-Schnittstelle anstöpseln. Töne verbreiten zwei Stereo-Lautsprecher, ein Mikrofon findet über eine entsprechende Buchse Anschluss. Ins Internet gelangt der Laptop über eine Gigabit-Ethernet-Schnittstelle. WLAN rüstet eine miniPCIe-Karte nach. Die gibt es allerdings nur zusammen mit der 256 GByte großen SSD gegen Aufpreis für Käufer des MNT Reform DIY Kits oder aber ab Werk im MNT Reform Max.

Die Laptops kommen mit der vorinstallierten Linux-Distribution Debian 11, die einen Kernel der Versionsreihe 5 nutzt. Sämtliche verbauten Hardwarekomponenten unterstützt das System von Haus aus mit quelloffenen Treibern. Dazu zählt insbesondere auch der Grafikchip. Debian 11 befindet sich allerdings derzeit noch in der Entwicklung, wenngleich das System schon recht stabil läuft.

Die Berliner Entwickler haben die Konstruktionsdateien für ihre Hauptplatine, die Tastatur, den Trackball und das Trackpad im KiCAD-Format offengelegt. Das Gehäuse lässt sich Dank entsprechender STEP/STL/FreeCAD-Dateien nachbauen. Die Firmware gibt es in Form des C-Quellcodes.

Bei dem auf CrowdSupply angebotenen MNT Reform handelt es sich um eine überarbeitete Fassung des bereits im Herbst 2017 vorgestellten Prototypen. Gegenüber dem ersten Entwurf bietet der aktuelle MNT Reform einen leistungsfähigeren Prozessor, ein größeres Display und eine verbesserte Tastatur.

Um die Produktion des Laptops starten zu können, müssen insgesamt mindestens 115.000 US-Dollar zusammenkommen. Die Auslieferung der Geräte ist für den Dezember 2020 anvisiert. Wer sich über CrowdSupply beteiligt, sollte jedoch im Hinterkopf behalten, dass es sich um eine Crowdfunding-Aktion handelt, bei der eine Lieferung nicht vollends garantiert ist – Unterstützer müssen folglich dem Hersteller vertrauen. (rehu)