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Dampfphasen-Medium in Kleinmengen

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Eines der schonendsten SMD-Lötverfahren ist das Dampfphasenlöten, ausgeführt in speziellen Maschinen
der industriellen Baugruppenfertigung. Das Sonderheft c't Hardware Hacks 3/2012 zeigte, dass man die geniale Methode mit erstaunlich geringem Aufwand auch daheim reproduzieren kann.

Mini-Wetter in der Fritteuse: Die Galden-Dampfphase ist sechsmal schwerer als Luft und entweicht daher nicht aus dem Behälter.

Unbedingt erforderlich ist aber das Wärme-Übertragungsmedium Galden, eine glasklare Flüssigkeit mit definiertem Siedepunkt (hier: 200° oder 230° C), das zur Dampferzeugung erhitzt wird. Galden gab es bislang nur für den industriellen Bedarf in 5-kg-Gebinden – mit einem Preis von wenigstens 450 Euro für den Gelegenheitsanwender ein teurer Spaß.

Ein aufmerksamer Leser hat nun einen Distributor aufgetan, der Galden auch in Kleinmengen anbietet. Bei der Schweizer Firma klingler.net erhält man 50 ml (etwa 100 g) für rund 25 Euro. Da sich das Medium bei sachgerechter Anwendung kaum verflüchtigt, kommt man lange Zeit damit aus.

Im Artikel fehlt allerdings ein deutlicher Warnhinweis: Bei der verwendeten Fritteuse muss man auf jeden Fall kontrollieren, wie heiß der Behälter maximal wird, da sich Galden ab ca. 290° C zersetzt und dabei Flusssäure (HF) und Fluorphosgen entstehen – beide sind der Gesundheit nicht sonderlich zuträglich, die Gase führen zu schweren Atemwegsreizungen. Bei der Anwesenheit von Titan oder Titanlegierungen setzt die Zersetzung schon bei 260°C ein. Es ist also auf jeden Fall ein Temperaturwächter vorzusehen, der bei spätestens 250° C sicher abschaltet. Der Fluorgehalt ist übrigens auch ein Grund, warum man (vor allem) bei der Arbeit mit Galden nicht rauchen sollte – da sich die ansonsten unbedenklichen Galden-Dämpfe in der Glut zersetzen würden. (cm)