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Drohne mit Bordkanone – selbstgebaut

Eine halbautomatische Pistole an Bord eines Quadkopters? Das muss eine Fälschung sein oder aus den USA kommen. Falls das Video davon echt ist, ist es beängstigend – und Werk eines 18-jährigen.

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(Bild: Screenshot aus dem verlinkten Video)

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Ein YouTube-Nutzer mit dem Pseudonym Hogwit hat auf der Videoplattform einen gerade mal 14 Sekunden langen Film veröffentlicht, der einen fliegenden Quadkopter mit daran montierter Pistole zeigt, die in einem Waldstück aus niedriger Höhe mehrere Schüsse abgibt. Das Fluggerät fängt den Rückstoß der Schüsse dabei erstaunlich gut ab und scheint zu keinem Zeitpunkt in einen unkontrollierten Flugzustand zu geraten.

Waffen aus dem Hobbykeller

Die boomende internationale Maker-Bewegung besteht nicht nur aus Bastlern, Künstlern und Weltverbesserern – auch krypto-anarchistische Gruppen zählen sich dazu. Diese wollen staatliche Machtmonopole abschaffen, unter anderem auf dem Weg über technische Mittel wie billige 3D-Drucker und CNC-Fräsen. So verbreitet etwa die US-Gruppe "Defense Distributed" in Namen dieser Ideologie Werkzeuge, Open-Source-Druckvorlagen und Bauanleitungen für Eigenbau-Schusswaffen ohne staatliche Kontrolle. In Deutschland ist die Herstellung jedes einzelnen wesentlichen Teils einer Waffe verboten, sofern man nicht über eine "Waffenherstellungserlaubnis" verfügt. Die besitzen beispielweise professionelle Büchsenmacher. Bei Make und heise online berichten wir bereits seit längerem über die Waffenherstellung, weil wir davon überzeugt sind, dass sich Politik und Gesellschaft mit solchen neuen Gefahren auseinandersetzen muss. Wir rufen in keiner Weise zum Eigenbau von Schusswaffen auf und liefern auch keine Bauanleitungen dazu.

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Laut der kurzen Beschreibung zum Video auf YouTube handelt es sich um einen selbstgebauten Kopter mit einer Länge von rund 66 Zentimetern (26 Zoll) "von der Mündung bis zum Schwanz". Bei der Waffe soll es sich um eine halbautomatische Pistole handeln. Mehr Details sind nicht zu erfahren.

Der YouTube-Kanal von Hogwit enthält neben dem Streifen des offenbar scharf schießenden Kopters auf den ersten Blick nichts aufregendes: Vor allem gibt es dort Mitschnitte aus der Bordkamera von Koptern bei Flügen über Gebäude und Gewässer zu sehen, dazwischen mal ein Film einer Armaturenbrettkamera, die festhält, wie jemand über eine rote Ampel fährt. Doch vor etwa einem Jahr wurde Hogwit offenbar von einer Passantin körperlich attackiert, die ihn beschuldigte, mit seinem Kopter heimlich Menschen am Strand gefilmt zu haben. Von diesem Angriff gibt es ebenfalls ein Video in seinem YouTube-Kanal. Der Zwischenfall und das folgende Gerichtsverfahren, bei dem die Angreiferin verurteilt wurde, war dem Nachrichtendienst Forbes seinerzeit mehrere ausführliche Meldungen wert. Damit dürfte klar sein, wer hinter dem Pseudonym Hogwit steckt: Der heute 18-jährige US-Amerikaner Austin Haughwout, offenbar eine verfolgte Unschuld: ein Teenager, der gerne mit seinem Kamerakopter spielt und harmlose Filme dreht.

Umso mehr fällt jetzt der Videoschnipsel mit dem Schießkopter aus dem Rahmen. Es ist schwer zu sagen, ob der Film echt ist oder eine Fälschung. Die schlechte Videoqualität ist dabei kein Indiz für die Echtheit: Als vor gut einem Jahr Videos eines verblüffend gut spielenden Tischtennisroboters die Runde machten, die sich hinterher als Fake entpuppten, waren die ebenfalls in authentisch wirkender Amateurqualität gedreht. Seltsam ist auch, dass unter dem Schieß-Video der Hinweis steht, man solle sich in "Lizenzfragen" an break.com wenden – eine Webseite, die sich auf die virale Verbreitung von Videos im Netz spezialisiert hat. Der Film ist offenbar auf massenhafte Verbreitung angelegt. Das spricht weder für noch gegen seine Echtheit. Falls er allerdings wirklich echt sein sollte, ist zu befürchten, dass Austin Haughwout seine Unschuld verloren hat und mit Hilfe seiner offensichtlich ausgeprägten technischen Fähigkeiten seinen Flugmodellpark aufrüstet. Das wäre eine beängstigende Entwicklung.

Quadrokopter und andere Fluggeräte zu betreiben, erfordert ein hohes Verantwortungsbewusstsein, auch wenn keine Waffe an Bord ist: Erst am vergangenen Wochenende haben private Drohnen in den USA die Löscharbeiten bei einem Waldbrand massiv behindert. (Peter König) / (pek)