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EHSM: "Irgendwie haben wir eine Konferenz hinbekommen"

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Das EHSM-Team - soweit es sich auf der Veranstaltung zusammensammeln ließ. Streibelt und Bourdeauducq befinden sich in der obersten Reihe mittig.

(Bild: Anika Kehrer)

Kaspar Emanuel Bumke ist Chef-Ingenieur hinter dem ungewöhnlichen MIDI-Controller-Interface Alphasphere.

(Bild: Anika Kehrer)

(Bild: Anika Kehrer)

Um acht Uhr am Sonntagabend ging das erste Exceptionally Soft and Hard Meeting (EHSM) in Berlin zu Ende. "Vor zwei Monaten habe ich noch nicht geglaubt, dass wir das schaffen", bekannte Florian Streibelt im Abschlussvortrag, "aber irgendwie haben wir eine Konferenz hinbekommen." Er zählt auf: 10 Helfer hat das Team insgesamt; 93 eingelöste Eintrittstickets liegen vor; 2 Tage dauerte es, das Streaming-Setup aufzusetzen, welches 937 Unique Viewers anzog, die 2104 mal die Seite aufriefen, im Durchschnitt rund 24 Minuten lang zusehen und 603 Torrent-Downloads auslösten.

Ideengeber Sébastien Bourdeauducq bekräftigte, dass es ein weiteres EHSM geben werde und dieses auch nicht vom technischen Niveau abweiche, weil genau dieses auf dem CCC-Kongress bisweilen vermisst würde. So lautete auch eine Forderung aus dem Feedback zu Veranstaltung, das die Veranstalter zum Abschluss referierten (Streibelt: "Ich verstehe nicht, dass wenig Negatives dabei war – die Queue der unerledigten Dinge im Ticketsystem ist so lang"). Eine andere Rückmeldung habe eine längere Mittagspausen gefordert als die angesetzte 1 Stunde. Das allerdings ist dezent formuliert. Denn auch das Programm, das jeden Tag über 10 Stunden reichte und kaum Pausen vorsah, hätte eine Auflockerung gut vertragen können.

Auf den verhältnismäßig hohen Ticketpreis angesprochen, schätzte einer der Organisatoren am Rand der Veranstaltung, dass man dank des Sponsorings in letzter Minute auf eine schwarze Null hinausgekommen sei – im Vorfeld habe vor allem Bourdeauducq viel ausgelegt. Das meiste sei für die Reisekosten der Sprecher draufgegangen. Nach den USA und Frankreich am ersten und zweiten Tag standen am dritten zum Beispiel Sprecher aus Polen und Großbritannien auf der Bühne. Aber auch die Berliner Haustür wurde nicht vernachlässigt, hier war unter anderem Harald Welte zu sehen. Die – in Streibelts Worten – "Speaker-Prominenz" hat dazu geführt, dass am dritten Tag ein launiges "Bitte die Sprecher nicht anfassen"-Schild seinen Weg unter das Rednerpult fand.

Von den Vorträgen des letzten Tages hat zum Beispiel das leuchtende Musikobjekt Alphasphere Eindruck gemacht. Der Referent, Elektrotechniker Kaspar Bumke, ist ihr Erbauer. Das teilweise per Crowdfunding realisierte Kugel-Interface ist erst im August 2012 in Produktion gegangen und Ergebnis einer Idee, die vor fünf Jahren im Kopf des Musikwunderkindes Adam Place entstand. Place gründete vor zwei Jahren die korrespondierende Firma Nu-desine im englischen Bristol und holte unter anderem den Audio-Enthusiasten und Linux-Fan Bumke an Bord, weil er, wie Bumke schmunzelnd rekapituliert, mit der technischen Umsetzung seiner Idee nicht zurande kam. Der für sein Design gelobte, luftballongroße, nur 2,5 Kilogramm schwere und mittels GUI programmierbare Knautschteppichkreis erlaubt, mit Fingerberührung und -druck via USB an einen Rechner oder Synthesizer MIDI-Dateien zu übertragen. So wird praktisch Musik bei hübscher Illumination in Form gestuppst und geknetet, was sich nach Webseitenangaben auch schon bei verschiedenen DJs im Einsatz bewährt hat.

Das Projekt Osmocom, das eine freie Implementation des Mobilfunk-Protokollstacks zum Ziel hat, war dieses Jahr durch einen Parallelauftritt sowohl in Hamburg als auch in Berlin vertreten. Während Sylvain Munout auf dem 29c3 ein umfunktioniertes Mobiltelefon als GSM-Basisstation demonstrierte, gab Harald Welte auf dem EHSM einen Überblick auf das drei Jahre alte und mittlerweile auf eine stattliche Anzahl an Neben- und Unterprojekten angewachsene Gesamtprojekt. Im Frühjahr ist beispielsweise aus dem Teilprojekt OsmocomSDR das Unterprojekt rtl-sdr abgefallen, das einen DVB-T-Stick mit dem Realtek-Chip RTL2832U zu einem SDR-Empfänger umwandelt. Das hatte solche Aufmerksamkeit erregt, dass sich Welte in seinem Blog von der Flut privater E-Mails an seine Adresse distanzierte. An Neuem hat er nun zum Beispiel verraten, dass Dieter Spaar – ebenfalls ein Projektkollege – derzeit einige 3G-NodeB-Module auf dem Seziertisch habe (Welte: "Es ist immer wieder erstaunlich, was man alles auf Ebay findet"). Zweck ist, sich einen eigenen Radio Network Controller (RNC) zu bauen.

Für das nächste EHSM ist nach derzeitigem Stand ein vages "Sommer 2014" angegeben. Auf ihrer Webseite haben die Organisatoren einstweilen neben den Links zu ihren Sprechern und deren Projekten eigene Dokumentation hinterlegt, wie Zahlen und Bilder. Alle Vorträge stehen als Torrent-Dateien zum Download bereit. (Anika Kehrer) / (dab)