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Ende des 9-Dollar-Computers: C.H.I.P ist offenbar pleite

Der Hersteller des 9-Dollar-Computers C.H.I.P. ist offenbar insolvent. Der Pleite gingen Lieferschwierigkeiten und eine höchst seltsame Produktstrategie voraus.

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Ende des 9-Dollar-Computers: Pleite

Das kalifornische Start-Up Next Thing Co. ist offenbar nicht mehr zahlungsfähig. Darauf deuten Dokumente hin, die im Forum des Herstellers geteilt wurden. In den vergangenen Monaten häuften sich dort Beschwerden von Kunden, die teils seit über einem Jahr auf die Lieferung ihrer 9-Dollar-Computer warten. Nachfragen per Mail blieben oft unbeantwortet und die Webpräsenz war gelegentlich nicht erreichbar. Daher gab es mehrfach Spekulationen über das Ende der Firma. Diese wurden noch kürzlich von CEO Dave Rauchwerk dementiert.

Für Furore sorgte das kleine Team um den charismatischen Gründer Rauchwerk im Jahr 2015, als in einer Crowdfunding-Kampagne überraschend 2 Millionen US-Dollar zusammenkamen. Das Versprechen: für einen Preis von 9 US-Dollar wollte man einen vollwertigen Computer liefern.

Der CHIP und seine tragbare Variante PocketCHIP (CHIP mit Gehäuse, Bildschirm, Tastatur und Akku).


Dass der "CHIP" getaufte Raspi-Konkurrent mit allen angekündigten Features zu diesem Preis zu fertigen sei, wurde frühzeitig vom Mitbewerber Olimex öffentlich bezweifelt. Allen Unkenrufen zum trotz lieferte Next Thing ab 2016 den CHIP wie angekündigt für 9 Dollar aus. Zwei Exemplare – ein CHIP und ein PocketCHIP – strandeten so in der Make-Redaktion und wurden ausgiebig getestet.

Dennoch bleibt unklar, ob die Preiskalkulation zum Scheitern beigetragen hat. Von Next Thing gibt es derzeit noch keine offizielle Stellungnahme zur Insolvenz. Der Hersteller behauptete stets, mit dem Bastelrechner keine Verluste zu machen.

Die Gründe des Scheiterns dürften vielfältiger sein. Der Produktkatalog des Start-Ups kann Makern mit kommerziellen Ambitionen als Lehrstück dienen: Bitte nicht nachmachen! Zwar war Next Thing vor allem für den 9-Dollar-Computer bekannt. Doch aus Sicht der Macher war der CHIP eigentlich nur ein Nebenprodukt.

Das erste Projekt des Teams war eine verspielte GIF-Kamera namens OTTO, die letztlich kommerziell für 100 US-Dollar zu haben sein sollte. Mit dem verwendeten Raspberry-Pi-Compute-Modul war dieser Preis jedoch unerreichbar – so entstand die Idee für den weitaus günstigeren 9-Dollar-Computer.

Die Kamera OTTO basiert auf einem Raspberry Pi. Sie produziert kurze GIF-Animationen.

Nach dem CHIP und seiner Mobilvariante PocketCHIP, die eher auf den Hobby-Bereich zielten, bot man zusätzlich die Variante CHIP Pro an. Der Pro kam mit stark reduziertem Speicher und stellte so höhere Ansprüche an Entwickler.

Hinter den Kulissen besann man sich zurück auf die Anfänge und bastelte an einer OTTO-Variante auf CHIP-Pro-Basis. Das Paradebeispiel für die Plattform sollte jedoch ein digitaler Assistent fürs Auto werden: der "Dashbot" versprüht mit seinen roten Leuchtdioden Knight-Rider-Charme auf dem Armaturenbrett. Die zugehörige Crowdfunding-Kamapagne erzielte eine vergleichsweise geringe Summe (265.000 US-Dollar). Das wegen Namensstreitigkeiten in "Voder" umbenannte Gerät hat bis heute niemand erhalten – angekündigt war die Auslieferung ab Juli 2017.

Voder sollte ein digitaler Assistent für's Armaturenbrett werden.

Was vom CHIP in jedem Fall übrigbleibt, ist ein veränderter Markt für Bastelrechner. Die Einführung des Raspberry Pi Zero für 5 US-Dollar kann als Reaktion auf den Hype um den 9-Dollar-Computer verstanden werden. Die Billig-Konkurrenz zog mit Boards wie dem Orange-Pi-Zero (ab 25,99 €) sowie dem NanoPi Neo (ab 22,69 €) nach. (Peter Eisner) / (dab)