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Euromold 2014: 3D-Scanner für Technik und fürs Ego

Plastische Ganzfigurenporträts realer Menschen bevölkerten dieses Jahr auch die Euromold – Interessenten konnten sich an mehreren Ständen und in verschiedenen Verfahren selbst scannen lassen.

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Bei den Dienstleistern für 3D-gedruckte Ganzfigurenporträts und unter den Lieferanten der Technik dafür liegt Goldgräberstimmung in der Luft. So hatte die Firma Botspot aus Berlin ihren Fotogrammetrie-3D-Scanner prominent im Foyer der Messehalle 11 der Euromold 2014 aufgebaut. Die Spiegelreflexkameras im Inneren der Kabine werden auf Knopfdruck alle gleichzeitig ausgelöst, weshalb man sich auch in expressiven Posen dreidimensional einfangen und anschließend im 3D-Druck verewigen lassen kann.

Wer seinen Wuffi in 3D drucken lassen will, braucht einen Fotogrammetrie-Scan: Bei allen anderen 3D-Scan-Verfahren muss das Modell stillhalten können; Tiere schaffen das in der Regel nur, wenn sie schlafen.

Die Handscanner des luxemburgischen Herstellers Artec arbeiten nach anderem Prinzip: Bis zu 16 Mal pro Sekunde beleuchtet eine Reihe von Blitzbirnen das Objekt und projiziert dabei ein spezielles Linienmuster, das durch die Form verzerrt wird, was wiederum eine Kamera im Scanner aufnimmt. Aus den Einzelaufnahmen berechnet eine Software dann simultan die dreidimensionale Form des Objekts sowie die Bewegung des Scanners durch den Raum.

Das schon länger erhältliche Modell Eva liefert für Ganzkörperscans von Personen eigentlich eine viel zu hohe Genauigkeit und 3D-Punktmenge und gleichzeitig etwas zu geringe Texturauflösung, dennoch wird der Scanner von vielen 3D-Scan-Dienstleistern und -Studios eingesetzt. Ein Drehteller, auf dem das Modell automatisch langsam rotiert wird, erleichtert die Arbeit für den Scanner ein wenig. Artec hat aber auf den wachsenden Bedarf an 3D-Personenscannern reagiert und mit dem Shapify Booth eine Scan-Kabine entwickelt, in der man nur noch etwas 10 Sekunden stillhalten muss. Im Inneren arbeiten parallel vier neu entwickelte Artec-Scanner vom Typ L2, die der Hersteller auch einzeln verkauft. Jedes dieser Geräte schießt 15 3D-Aufmnahmen pro Sekunde, die die Oberfläche mit einer Auflösung von 1,5 Millimetern und die Textur mit jeweils 2,8 Megapixeln erfassen. Die Software ist eine Eigenentwicklung der Firma auf Basis des hauseigenen SDK. Sie soll die 3D-Dateien vollautomatisch aufbereiten, sodass sich die Scan-Kabine auch von Verkaufspersonal ohne tiefere technische Kenntnisse bedienen lassen soll. Das Gerät kostet 180.000 US-Dollar, soll aber auch direkt beim Hersteller zu leasen sein.

Die Braunschweiger Firma Gom (Gesellschaft für optische Messtechnik) haben wir uns beispielhaft für die Anbieter industrieller 3D-Scanner herausgepickt – jenseits der populären 3D-Figurenscans spielen Techniken zur präzisen Erfassung von Formen natürlich auch in der Industrie eine große Rolle, etwa bei Reverse Engineering, in der Qualitätskontrolle durch Vergleich von Soll- und Ist-Geometrie, aber auch in der Medizintechnik, bei der Prothesenanpassung vom Zahn-Inlay bis zum künstlichen Unterkiefer. So waren außer den im Video gezeigten 3D-Scannern auf der Euromold weitere Geräte von anderen Anbietern zu sehen, etwa der David Laserscanner und das Handgerät Sense von 3D Systems, die wir bereits im vergangenen Jahr selbst ausprobiert und auf Video vorgestellt haben. (Peter König) / (pek)