Fix und Fertig: Reparatur für die Zukunft

Der Weg zum Recht auf Reparatur

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Was gilt es nun zu beachten auf dem Weg zum Recht auf Reparatur? Nathan Proctor, der die US-amerikanische Right-to-Repair-Kampagne leitet, erklärte, es sei leichter mächtige Unterstützer im US-Kongress zu gewinnen, wenn man starke Geschichten erzählen kann.So seien die Republikaner, die in Deutschland FDP wählen würden, schwierig zu überzeugen. Daher hätten die Aktivisten in den USA Militärtechniker gefunden, die Panzer um die halbe Welt schicken müssen, statt sie selbst zu reparieren. Ein weiteres Beispiel seien Bauern, die gar nicht mehr an ihren eigenen Traktoren arbeiten dürfen.

Heike Weber, Professorin für Technikgeschichte an der TU Berlin, warf einen Blick in die Geschichte des Reparierens. Im 20. Jahrhundert sei das Reparieren nicht verschwunden, hätte sich aber verändert. Reparieren und Pflegen seien vorher wichtige Aspekte des Eigentums gewesen, besonders wenn man nicht so viel hatte. Als sie in den Hintergrund rückten, seien sie auch geschlechtsspezifischer geworden: Die Männer machen alles fürs Haus und die Frauen kümmern sich mit dem Nähkästchen um das Innenleben.

Mitverantwortlich für den Rückgang der Reparatur sei dazu die sogenannte "Vergehäusung" vieler Geräten. Die Vergehäusung passierte im Namen der Sicherheit, hätte aber auch dazu geführt, dass Leute weniger selber reparieren können. So wurde es schließlich leichter, etwas Neues zu kaufen und manchmal sogar billiger, als Dinge reparieren zu lassen.

Makerszene

Traditionelle Ökonomen vom Wert des Wiederverwendens und der Reparatur zu überzeugen, sei schwierig, meinte Niko Paech der Universität Siegen in seinem Vortrag. „Meine Kollegen sagen, ‚Ja, es ist schön, dass Kinder und Verrückte so etwas machen, aber wo sind die Zahlen?‘“ Dazu zeigte er eine Powerpoint-Folie mit einer kaum zu erfassenden Formel. Was hängen bleiben sollte: wir brauchen ein neues Wirtschaftssystem, das weniger wachstumsabhängig ist.

Mit dabei waren auch Janet Gunter und Ugo Vallauri, Mitgründer des Restart Projects, das die Idee des Fixfests entwickelt und erste Veranstaltungen in London und Manchester organisiert hat. "Das System ist manipuliert“, meint Gunter. „Aber wir haben etwas, das kein Unternehmen hat oder jemals kaufen kann: Authentizität.“

Daher war die Veranstaltung selbst sehr DIY-organisiert und setzte auf kooperative Atmosphäre: die Festivalbesucher wurden gebeten, für das Mittagessen mit Gemüse vorzubereiten. Ein Zimmer war offen für eine Unconference ohne fest geplante Themen, sondern frei für spontane Gespräche und Vorstellungen. Kaputte Elektronikgeräte konnten im Reparatur-Café wieder zum Leben erweckt werden und ein eigene T-Shirt oder Jutebeutel per Siebdruck verschönert werden.

Veranstalter des Berliner Reparatur-Festivals war der Runde Tisch Reparatur, der sich mit weiteren Initiativen für das EU-weite Recht auf Reparatur einsetzt. Das nächste Fixfest soll erst 2021 stattfinden, wobei der Veranstaltungsort noch offen ist. Bis dahin sind regionale Veranstaltungen in Belgien und Skandinavien geplant.

Wie die Recht-auf-Reparatur-Kampagne läuft, wird man sehen, aber die Aktivisten glauben, dass die neue EU-Kommission von Ursula von der Leyen viel offener für ihre Forderungen. "Die Zeit ist jetzt“, meint Vallauri. "Wir können nicht noch zehn Jahre warten.“ (hch)