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Fliegen üben wie die Profis – im Eigenbau-Simulator

Nach Feierabend runter in den Hobbykeller, rein ins Cockpit, Gas geben und dann jedes Luftloch direkt im Magen spüren – Gago Meisler hat sich diesen Traum vieler PC-Piloten mit Hilfe von viel Holz erfüllt.

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Flugsimulator

(Bild: Screenshot aus dem verlinkten Video)

Grob gesprochen gibt es bei Flugsimulatoren zwei Kategorien: Auf der einen Seite kann man sich auf einem simplen Schreibtischstuhl vor einem einigermaßen leistungsfähigen Rechner ins virtuelle Cockpit schwingen, das kommerzielle Spiele-Software auf den Monitor zeichnet. Auf der anderen Seite gibt es viele Millionen Euro teure professionelle Simulatoren, die für die Pilotenausbildung verwendet werden, den Fluglinien und Militärs aber auch viele teure Flugstunden sparen. Solche Anlagen zeichnen sich dadurch aus, dass sie dem Piloten ein reales Cockpit mit allen Schaltern, Hebeln und Displays liefern, ihm mit einer Rundumprojektion vor dem Cockpitfenster komplett immersiv in die virtuelle Realität holen und zusätzlich noch mit viel mechanischem Aufwand die Bewegungen des Flugzeugs und die Gravitationskräfte simulieren, die etwa bei der Beschleunigung entstehen.

So sieht ein Flugsimulator-Cockpit der Holzklasse aus.

(Bild: 6dof.my.primusnetz.de)

Zwischen diesen beiden Welten bewegen sich die Anlagen, die sich Flugsimulations-Enthusiasten selber bauen, um das Fluggefühl zuhause realistischer zu gestalten. Einer von ihnen ist Gago Meisler, der seinen Eigenbau-Simulator im Keller seines Hauses auf seiner Webseite ausführlich dokumentiert. Anders als bei den professionellen Simulatoren verzichtet er in seinem Aufbau auf die physische Nachbildung des Cockpit-Interieurs und eine Rundumprojektion der Landschaft. Stattdessen setzt er sich im Flug einfach eine Virtual-Reality-Brille von Oculus auf, die im die komplette Umgebung direkt vor die Augen bringt und auch auf jede Kopfbewegung reagiert.

Die Mechanik hat er mit Hilfe der 3D-Software SketchUp entwickelt und seine Funktion mit Hilfe des Plug-ins Sketchyphysics simuliert. Das Chassis besteht überwiegend aus Holz; die sechs selbstgebauten Linear-Aktuatoren werden von je einem 350-Watt-Motor angetrieben. Die Treiberstufen sowie die Software, die diese mit dem Flugsimulationsprogramm von der Stange verbindet, sind kommerziell erhältliche Produkte. Alles zusammen soll der selbst entworfenen Plattform eine Hubkraft von 200 bis 300 Kilogramm verleihen, die Aktuatoren sollen Geschwindigkeiten von bis zu 60 Zentimetern pro Sekunde erreichen.

Wie das ganze dann bei einem ruhigen Rundflug über Hawaii mit der Oculus Rift DK2 aussieht, zeigt ein rund elfminütiges Split-Screen-Video. Hier ist der mechanische Teil des Simulators vor allem beim Aufsetzen gefordert (ab 9:30):

Doch die Anlage kann auch böse Turbulenzen simulieren, wie ein Video eines Schlechtwetterflugs zeigt, bei dem als Software der Flugsimulator von Microsoft (FSX) zum Einsatz kam:

(Peter König) / (pek)