Menü

Für Smartphones: Mobile Braille-Tastatur mit ESP32

Um auch unterwegs mit mechanischen Tasten arbeiten zu können, hat ein Informatiker eine Braille-basierte Tastatur für Smartphones entworfen.

Lesezeit: 1 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 18 Beiträge

(Bild: Johannes Střelka-Petz)

Von

Als Informatiker ist Johannes Střelka-Petz das schnelle zweihändige Schreiben mit einer mechanischen Tastatur gewöhnt. Auf dem Bildschirm eines Smartphones ist dagegen höchstens Platz für zwei Daumen und wenn diese etwas größer sind, häufen sich die Tippfehler. Das müsse doch auch anders zu lösen sein, beschloss der Wiener und entwickelte mit Oskar ein mobiles Keyboard mit acht Tasten, das bequem hinter's Smartphone geklemmt werden kann. Jetzt gibt es auch eine Nachbauanleitung, denn Oskar ist ein Open-Source-Projekt.

Um das Rad bei seinem reduzierten Tastenlayout nicht neu zu erfinden, nutzt Střelka-Petz Computer-Braille, eine Weiterentwicklung der ursprünglichen Braille-Schrift. Sie verfügt über acht statt sechs Punkte, damit auch neue Sonderzeichen abgebildet werden können. Acht mechanische Tasten verbaut Střelka-Petz dafür in ein Kästchen aus dem 3D-Drucker. Der Mikrocontroller ESP32 übernimmt die Kommunikation mit dem Smartphone und dank einer Batterie läuft Oskar dauerhaft kabellos. Somit ist das Projekt auch hilfreich für Blinde und Sehbehinderte, die mit ihrer virtuellen Smartphone-Tastatur unzufrieden sind. Diese sind meist langsam und bieten wenig haptische Rückmeldung. Andere Braille-Tastaturen sind dagegen nicht mobil.

Während der Entwicklung im Rahmen seiner Bachelorarbeit an der TU Wien hat Střelka-Petz zwei Oskar-Prototypen auch gleich in der Praxis testen lassen. Sieben Personen rekrutierte er über das österreichische Bundes-Blindenerziehungsinstitut. Sie testeten zwei Versionen, die sich entweder mit einer oder zwei Händen bedienen lassen. Selbst ungeübt, mit gerade einmal fünf Minuten Einarbeitungszeit, konnten die Probanden die Zweihandvariante bereits schneller und genauer nutzen, als virtuelle Tastaturen. Die Ergebnisse mit dem Einhandgerät waren etwas ungenauer, erreichten aber immerhin ähnlich schnelle Zeiten wie virtuelle Tastaturen.

Braille-Tastatur Oskar (5 Bilder)

Ein einhändiger Oskar-Prototyp, mit dem Smartphones bedient werden können – noch auf dem Arduino Micro und einem Bluetooth-Modul basierend.
(Bild: Johannes Střelka-Petz)

Für den Bau der Prototypen nutzte der Student noch den Mikrocontroller mit Arduino Micro mit einem Blueetooth-Low-Energy-Modul, wobei letzteres den Preis deutlich nach oben trieb. Außerdem war die Elektronik in einem externen Kästchen untergebracht. Die neue Version Oskar Concertina ist günstiger und beherbergt alle Komponenten direkt im Gehäuse. Dieses ist mit einem 3D-Drucker selbst zu drucken, was ungefähr vier Stunden dauern soll. Für die Kommunikation mit dem Smartphone gibt es nun einen arduino-kompatiblen ESP32, der WLAN und Bluetooth von Haus aus mitbringt. Die Tasten werden auf einer eigens entworfenen Platine befestigt. Die Lithium-Ionen-Batterie kann über USB wieder aufgeladen werden. Wer nicht extra Braille lernen möchte, kann sich auch ein eigenes Tastaturlayout überlegen und einprogrammieren. (hch)