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Junior Lab: Ferienprogramm für den Techniknachwuchs

Was tun, wenn die Tochter Erfinderin werden will, ihr das aber niemand beibringt? Das Team vom Junior Lab in Berlin hat in den Osterferien Kindern vier Tage lang Technik spielerisch näher gebracht.

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Bastel dir ein Arduino-Tier: Auf dem Junior Lab konnten Kinder von 8 bis 14 Jahren vier Tage lang Technik spielerisch erleben.

Berlin, vierter Stock, Blick auf den Potsdamer Platz: Normalerweise beraten sich Ärtze und Experten für Prothesen in diesen Konferenzräumen im Science Center des Medizintechnikkonzerns Ottobock. Momentan liegen die Tische allerdings voll mit Zeichnungen, Bastelbögen, Leuchtdioden und aus buntem Plastik 3D-gedruckten Puppenköpfen. Es ist der letzte Tag beim Junior Lab, einem Ferienprogramm für 80 Kinder. Sie konnten eine Woche lang Schaltungen nähen, Arduinos programmieren und eigene Designs für 3D-Drucker entwerfen.

Die Idee zum Junior Lab kam dem Initiator Sven Ehmann, als er seine Tochter zur Schule brachte: "Sie sagte mir: Wenn ich Erfinderin wäre, würde ich eine Ampel bauen, die immer grün ist, wenn wir kommen." Ehmann suchte und fand keine Angebote, bei denen seine Tochter altersgerecht lernen konnte, wie man so etwas konstruiert. Beim FabLab Berlin stieß er mit seiner Idee auf offene Ohren.

Junior Lab (10 Bilder)

Stoffliche Schaltungen

Mit Nadel und leitendem Faden entstanden bunte Aufnäher, inklusive Batterie und Leuchtdioden.

Stefan Hermann packt sein Workshopmaterial ein, sortiert Kabel und elektronische Bauteile. Er hat vier Tage lang Kindern gezeigt, wie sie mit einem Arduino, Sensoren und Bastelbögen aus Papier eigene interaktive Objekte bauen können: Ein Haustier, das beim Streicheln schnurrt, eine Keksdose mit Diebstahlsalarm und ein von Schatten und Licht gesteuertes Musikinstrument. Hermann ist zufrieden, seine Ideen kamen gut an. Nicht nur die Kinder haben in diesen Tagen etwas gelernt, sagt er: "Es war ein toller Abgleich: Funktionieren die Workshopmaterialien, die wir uns ausgedacht haben? Wo müssen wir noch etwas verbessern?"

Einen Tisch weiter liegen bunt bestickte Stoffstücke. Ihre Motive sind von silbergrauen Fäden umrahmt, die eine blinkende Leuchtdiode mit einer Batterie verbinden. Kati Hyyppä hat den teilnehmenden Kindern bei diesem Handarbeitsprojekt gezeigt, wie ein elektrischer Schaltkreis funktioniert und dass man ihn nicht nur mit Kabeln, sondern auch mit leitfähigem Garn aufbauen kann. Hyyppä freut sich besonders, dass der vermeintlich weiblichere Einstieg in die Elektronik von Jungen und Mädchen gleichermaßen gut angenommen wurde: "Am Ende hängt es wohl doch eher von der Persönlichkeit ab und wie gut man sich konzentrieren kann und will.", sagt sie.

Auch wenn um sie herum schon eingepackt wird, sitzen am anderen Ende des Workshopraums immer noch Kinder an Computern und konstruieren eigene Objekte in der 3D-Software Tinkercad. Laut den Zetteln an der Wand, auf denen sie ihr Feedback zum Junior Lab hinterlassen haben, haben es ihnen in diesen Tagen vor allem die 3D-Drucker angetan, von denen das FabLab Berlin gleich mehrere aufgestellt hat. Auf den Maschinen entstehen vor allem neue Köpfe für Action-Figuren: Viele Kinder haben eine der handelsüblichen beweglichen Figuren enthauptet und den Kopf durch ihr eigenes, per 3D-Scan entstandenes Ebenbild ersetzt.

Sven Ehmann hofft natürlich, dass das Junior Lab im einen oder anderen Kind den Wunsch weckt, sich auch später für einen technischen Beruf zu entscheiden. Noch wichtiger sei aber, dass die Veranstaltung die Erkenntnis vermitteln sollte, dass man wirklich jede eigene Idee selber ausprobieren und umsetzen könne. In den Herbstferien soll es weiter gehen, außerdem gäbe es großes Interesse, das Junior Lab auch an andere Orte zu bringen, sagt er: "Das müssen nicht unbedingt wir machen: Aus der Idee könnte auch eine Art Koffer werden, der diese Kultur transportiert." (phs)