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Klein, kleiner, NanoPi – Computerchen ab 8 Dollar

Konkurrenz für den auf dem Markt notorisch knappen Raspberry Pi Zero: Ein Hersteller im Süden Chinas liefert Mehrkern-Einplatinenrechner für Preise um die 10 US-Dollar.

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Klein, kleiner, NanoPi ? Computerchen ab 8 Dollar

(Bild: FriendlyARM)

Der Hersteller FriendlyARM hat kürzlich neue Einplatinenrechner aus der NanoPi-Reihe vorgestellt. Die Raspberry-Pi-ähnlichen Computer zeichnen sich durch besonders kleine Abmessungen und relativ hohe Performance bei sehr niedrigen Preisen aus.

Insbesondere bei den kleinen Varianten drängt sich der Vergleich zum Raspberry Pi Zero auf. Die NanoPi-Rechner haben in der Fläche sehr kompakte Abmessungen, die 5-mm-Bauhöhe des Zero wird jedoch nicht unterboten. Die verwendete Prozessorarchitektur ist moderner als die des Zero, der noch auf einem einzelnen ARMv6-Kern der ersten Raspberries basiert. Die derzeit erhältlichen NanoPies fangen erst bei vier Kernen an.

Mit nur vier Zentimetern Kantenlänge ist der NanoPi NEO die kleinste Platine aus der Baureihe. Das kompakte Format geht jedoch auf Kosten der Anschlussmöglichkeiten. Eingespart wurde so ziemlich alles bis auf eine Micro-USB-Buchse (zugleich Spannungsversorgung und OTG-fähig), eine USB-A-Buchse und einen Ethernet-Anschluss (angegeben mit 100 Mbit/s). Als System on a Chip (SoC) ist ein Allwinner H3 verbaut, der wahlweise mit 256 MB oder 512 MB RAM gepaart wird. Die kleine Variante bietet FriendlyARM im eigenen Shop für 8 Dollar an, die größere für drei Dollar mehr.

Der Allwinner H3 hat vier Cortex-A7-Kerne (32-Bit) und taktet mit bis zu 1,2 GHz. Einige Anschlüsse des SoCs sind lötkolbenfreundlich auf die Platine herausgeführt. Neben 24 GPIO-Anschlüssen und UART bekommt man so auch Zugang zu zwei weiteren USB-Ports, Line-Out (stereo) und einem Mikrofoneingang. Von der Mali-400-Grafik hat man aufgrund des fehlenden HDMI-Anschlusses allerdings nichts – die Bedienung erfolgt ausschließlich „headless“ über ssh. Als Betriebssystem wird derzeit nur Ubuntu Core angeboten.

Sehr ähnlich aufgebaut ist die nächstgrößere Variante, der NanoPi M1. Für 13 (oder 16) Dollar (512 MB oder 1 GB RAM) bietet der M1 HDMI, eine AV-Klinkenbuchse, einen Anschluss für ein Kameramodul, eine 40-polige GPIO-Leiste und einiges mehr. Die Betriebssystemauswahl ist hier etwas größer: zum Download stehen außer Ubuntu Core noch Ubuntu Mate, Debian und Android bereit.

NanoPI-Serie (4 Bilder)

NanoPi NEO

Der NanoPi NEO: Vierkern-SoC auf kleiner Platine.
(Bild: FriendlyARM)

Der Große unter den Kleinen ist der NanoPi M3 (60 mm × 64 mm). Er ist mit 35 Dollar gelistet, wofür FriendlyARM einen Cortex-A53-Achtkerner von Samsung verspricht, der mit 1,4 GHz taktet und über einen Speicher von 1 GB RAM verfügt. Ob die 64 Bit der CPU einen praktischen Nutzen haben, ist hier – ebenso wie beim Raspberry Pi 3 – fraglich. Die Gigabit-Ethernet-Schnittstelle ist über einen eigenen Realtek-Chip realisiert, zusätzlich gibt es WLAN (802.11b/g/n) und Bluetooth.

Die NanoPi-Rechner werden – wie schon der Name sagt – als Alternative zum Raspberry Pi präsentiert. Von äußeren Ähnlichkeiten sollte man sich aber nicht täuschen lassen: eine 40-polige GPIO-Leiste heißt nicht, dass Raspberry Pi Hats damit umstandslos kompatibel sind. Die Pinbelegung variiert sogar innerhalb der NanoPi-Reihe.

Die Webseite, der Webshop und die Dokumentation im zugehörigen Wiki ist recht ausführlich und in gut lesbarem Englisch gehalten. Damit ist klar, dass der in Guangzhou im Süden Chinas ansässige Hersteller auch auf Maker aus anderen Teilen der Welt als Kunden hofft.

Neben Schaltplänen, Datenblättern und Konfigurations-Tipps für Linux befinden sich im Wiki auch die Download-Links zu verschiedenen Betriebssystem-Images.

Die 512-MB-Variante des NEO war schon nach wenigen Tagen ausverkauft, schneller Nachschub ist aber angekündigt. Wie bereits der Raspberry Pi Zero mit seinen dauerhaften Lieferengpässen gezeigt hat, ist die Nachfrage nach billigen Kleinstrechnern ausgesprochen hoch. Aktuell ist auch der „erste 15-Dollar Computer der Welt“, der Pine A64 in seiner kleinen Variante nicht zu bekommen. Der „erste 9-Dollar-Computer“, der „C.h.i.p.“, soll ab Juli 2016 zu haben sein; die Auslieferung an die Unterstützer der Kickstarter-Kampagne ist derzeit im Gange.

Ob sich die alternativen Plattformen neben dem Raspberry Pi etablieren, bleibt abzuwarten: eine funktionierende Community entsteht nur um ein tatsächlich verfügbares Produkt, und das auch nur bei ausreichender Softwareunterstützung. Zumindest die Verfügbarkeit der eigenen Server betreffend scheint FriendlyARM mit dem Ansturm der letzten Tage ein wenig überfordert zu sein. (Peter Eisner) / (peis)