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Love to Code: Mikrocontroller zum Kleben und Klammern

Elektronikprojekte auf Papier? Chibitronics machen es seit einigen Jahren vor. Mit dem neuen Mikrocontroller "Love to Code" können künftig noch mehr interaktive Ideen einfach umgesetzt werden.

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Ein hellblaues Board mit orangener Kontaktleiste und rotem Kabel

Papier und Kupferband zum Aufkleben statt Breadboard mit eingestecktem Kabel – seit 2013 gibt es mit Chibitronics ein Elektroniksystem in Stickerform. Ab sofort erweitert ein Mikrocontroller die Chibitronics-Möglichkeiten und ist dabei besonders einsteigerfreundlich gehalten. Das Board "Love to Code" (LTC) wird über den Audioanschluss von Rechnern oder Smartphones programmiert. Extra Software wird nicht benötigt: die Programmierumgebung läuft nur online, dafür auf Chrome, Firefox und dem Internet Explorer.

Das LTC-Board kann auf Papier oder Pappe einfach festgeklippt werden.

(Bild: Chibitronics)

So sollen Hürden und Probleme existierender Mikrocontroller umgangen werden, wie etwa die je nach Betriebssystem unterschiedlichen Bezeichnungen der COM-Ports. Außerdem soll das System auch an Schulen mit alter Hardware zu nutzen sein oder von Familien, die nur über Smartphones verfügen. Die Programmierung erfolgt in der bekannten Arduino-Variante von C/C++ oder basierend auf Microsofts MakeCode Editor.

Erinnert an Scratch: der Microsoft MakeCode Editor

(Bild: Chibitronics)

Weiter ist der neue Mikrocontroller auf das Chibitronics-System ausgerichtet, das Schaltkreise auf Papier möglich macht. Das LTC-Board kann wie bei einem Klemmbrett angeklemmt werden. Seine Pinleiste ist an Kupfer-Tape angepasst, wie auch die verschiedenen Chibitronics-LEDs und -Sensoren. Insbesondere an Schulen und unter Grußkartenbastlerinnen ist das System aktuell beliebt. Erfahrene User sind jetzt aufgerufen, die Beta-Version des Boards für 30 US-Dollar (27 Euro) zu erwerben und zu testen. Dabei will Chibitronics insbesondere herausfinden, wie das Board noch einfacher und barrierefreier zu nutzen ist.

Hinter dem Projekt stecken Jie Qi und Andrew "bunnie" Huang, der den Controller bereits im Dezember auf dem Chaos Communication Congress (33C3) vorstellte. Dort erläuterte er die Herausforderungen bei der Entwicklung eines möglichst einfachen und günstigen Controllers, der in ungeduldigen Kinderhänden schnell, robust und zuverlässig funktionieren muss. So sollte der verbaute Chip möglichst abwärtskompatibel mit existierenden Arduino-Sketches sein, einen integrierten Analog-Digital-Wandler besitzen, offene Dokumentation aufweisen und unter einem US-Dollar kosten.

Das Board in der Übersicht

(Bild: Chibitronics)

Aus einer Liste mit 13 verschiedenen Chips wählten sie am Ende den MKL02Z32VFK4, einen ARM Cortex M0+ 48 Mhz aus, der gut erhältlich ist und dessen Pins sehr schnell ansprechbar sind. Auch in die Auswahl der Anschlüsse floss viel Arbeit, um sie möglichst flach, günstig und intuitiv zu gestalten. Das Y-Kabel mit microUSB-Anschluss und zwei Klinkensteckern ist neben dem Board daher auch eine Eigenentwicklung. Als Betriebssystem läuft eine angepasste Version des offenen RTOS ChibiOS auf dem Board, das allerdings nur zufällig genau so heißt. Chibi ist Japanisch für klein oder niedlich. Insgesamt stecken weit über drei Jahre Arbeit in dem Controller. (hch)