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Mobiltelefon-Hack: Knochen mit Arduino inside

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Hierzulande hießen sie "Knochen", in Amerika bekamen sie den Spitznamen "Brick" (Ziegelstein): Die Motorola-Mobiltelefone der späten 1980er waren unhandlich und schwer. Damals konnten sich nur wenige Leute solche Geräte leisten, bekannt sind sie trotzdem, vor allem aus Filmen wie "Wall Street". Die für den Betrieb notwendigen analogen Funknetze sind schon lange abgeschaltet, daher hat ein "Ultra Sleek 9660" heutzutage einen nur unwesentlich höheren Nutzwert als ein echter Ziegelstein.

Ein Motorola UltraSleek 9660 mit neuem Innenleben.

(Bild: handya.co.nz )

Mit mindestens einem Exemplar kann man aber wieder telefonieren: Der neuseeländische Hacker Andrew D. Farquharson hat dazu das komplette Innenleben eines Geräts von 1992 ausgetauscht: Zwei Atmel-Microcontroller kümmern sich um die Telefonfunktionen, ein GSM-Breakout-Board enthält die SIM-Karte. Die siebenstellige Sieben-Segment-Anzeige musste einem kleinen OLED-Bildschirm mit ähnlichen Maßen weichen. Anstelle des schweren NiCd-Originalakkus liefert jetzt ein moderner LiPo-Akku die Energie.

Die neue Platine funktioniert mit der Original-Tastaturmatte.

(Bild: handya.co.nz )

Bemerkenswert ist die Sorgfalt dieses Hacks: Anstelle fertige Komponenten in das Gehäuse zu fummeln, hat Farquharson in Eagle eine eigene Platine entwickelt, die dieselbe Form wie die Motorola-Hauptplatine hat. Darauf sind auch Kontaktflächen für die Gummitastatur des Telefons enthalten. Ein ATmega 328 erledigt alle Ein- und Ausgabefunktionen, der zweite ist für Tasten- und Klingeltöne zuständig. Der Arduino-Code ist auf GitHub einsehbar.

Das wiederbelebte Motorola-Handy eignet sich zum Telefonieren und zum Lesen und Schreiben von SMS: Es funktioniere besser als sein Diensthandy, schreibt Farquharson, nur leider passe es in keine Tasche. (phs)