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MusicMakers Hack Lab: Fünf Tage Experimente

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Das MusicMaker Hacklab im Rahmen des CTM-Festivals in Berlin ist vorbei. In der vergangenen Woche trafen sich Musikinteressierte im Künstlerhaus Bethanien unter fachkundiger Anleitung, um in kollaborativen Projekten neue Möglichkeiten von Kreation und Performance zu erarbeiten. Derek Holzer, einer der Initiatoren, berichtet, dass aus den zahlreichen Bewerbungen leider stark selektiert werden musste, um sich gegenseitig befruchtende Teams zusammenzustellen: "Viele Interessenten waren lediglich auf der Suche nach einer Plattform, um bereits fertige Projekte zu präsentieren. Das wollten wir weitestgehend vermeiden, auch wenn die Projekte sehr spannend waren."

Am Freitag präsentierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Labs die Ergebnisse ihrer Arbeit der letzten fünf Tage. Diese reichten vom Hacking eines neuen Controllers zur Verbesserung der Live-Improvisation mit Ableton Live bis hin zu „Wearable Tech“: einem tragbaren Pulli, der als MIDI-Controller dient, um Sounds und Effekte einer Musiksoftware zu steuern.

Den Anfang machte das Team, das mit Imogen Heap und ihren "Magical Gloves" gearbeitet hatten. Es wurden mehrere Ansätze präsentiert, Sounds und Visuals mit den Handschuhen gleichermaßen zu steuern. In einem anderen Projekt wurde eine Tänzerin verkabelt und ihr Atem und ihr Herzschlag in Form von Wellen visualisiert. Die Idee dahinter war eine Interaktion der Herzfrequenz mit dem Beat.

Amüsant war auch die Demonstration von Hannah Perner Wilson, der Entwicklerin der "Gloves": "Ich hatte bislang noch nie die Gelegenheit, mal selbst was mit den Handschuhen zu machen", sagte die Industriedesignerin und Medienkünstlerin. Fröhlich demonstrierte sie daraufhin, wie sie mit den Handschuhen gleichzeitig ein einfaches Zeichenprogramm und einen Mechanismus steuern kann, der durch Rotation und Klopfbewegung einen Beat auf mit Wasser gefüllten Glasflaschen hämmert.

Das UFO eines finnischen Teilnehmers spielt sich wie ein Theremin. Darin steckt eine Arduino-Eigenkonstruktion, die MIDI-Daten für einen Synthesizer erzeugt.

(Bild: Manuela Krause)

Insgesamt ging es beim zweiten Teil der Präsentationen weniger wissenschaftlich, dafür aber umso experimenteller und unterhaltsamer zu: Es gab praktische Kurzanleitungen, beispielsweise dafür, wie man aus einem Plastikeimer, einem alten Socken oder Handschuh und einem einfachen Autolautsprecher für rund 10 Euro eine mobile Lautsprecherbox bauen kann.

"Eine kleine Nachtmusik" von Mozart sowie ein Portrait des Komponisten in Form eines schwarz-weiß-Drucks wurden mit einem Midi-Controller zerhäckselt und neu komponiert. Die erzeugten Visuals, die das Haupt von Wolfgang Amadeus in ein psychedelisches Kaleidoskop verwandelten, hatten eine hypnotische Wirkung und auch der musikalische Output kam beim sichtlich begeisterten Publikum gut an. Das "Orakel", eine auf einem Arduino basierende Konstruktion aus wild rotierenden Papptellern und Bechern, gab mit Hilfe von Oszillatoren schön brummende Töne von sich und war durch die exakt darauf gemappten Visuals auch noch hübsch anzuschauen.

Der Musiker Sebastian Arnold verwandelte mit Hilfe von Max/MSP und Synthesizer (Nord Lead) sein Schlagzeug kurzerhand in einen riesigen Controller. Beim Spielen erzeugte er neben den Beats noch melodieartige Sequenzen, Akkorde, Basslinien und klang damit wie ein komplettes Drum-and-Bass-Orchester. (Manuela Krause) / (phs)