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Neuaufstellung bei Arduino: Wie geht es weiter?

Gerade war der Streit um den Mikrocontroller Arduino vorbei, da gibt es neuen Ärger: die angekündigte Arduino Foundation lässt auf sich warten und der neue Arduino-Chef hat vermutlich seinen Lebenslauf aufgehübscht.

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Im vergangenen Oktober hatten Arduino und Arduino ihren jahrelangen Streit beigelegt und auf der World Maker Faire angekündigt, zum Ende des Jahres eine gemeinsame Firma sowie eine gemeinnützige Arduino Foundation zu gründen. Diese sollte die Weiterentwicklung der Entwicklungsumgebung voranbringen, lässt aber auf sich warten. Stattdessen gab es im Mai zur Maker Faire Bay Area eine Pressemitteilung, die von ersten Schritten sprach bei denen weitere Details noch zu klären seien. Dazu sollten sich Software-Entwickler registrieren und Mitglied werden. Auf arduino.org werden explizit Maker, Unterstützer und Investoren genannt, die sich über die Foundation austauschen sollten. Ein Foundation Manifest listet als Ziele Hard- und Software-Entwicklung und deren finanzielle Unterstützung sowie Öffentlichkeitsarbeit an Bildungseinrichtungen auf, um das Wachstum der Maker-Bewegung zu unterstützen.

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Nun hat Dale Dougherty, Gründer des Make Magazins in den USA und der Maker Faires, sich für eine "Freie Arduino Foundation" ausgesprochen, die unabhängig und offen von der Arduino Holding agieren sollte. Sie solle die Interessen der Arduino-Community vertreten, offen und transparent agieren und die Aktivitäten der Arduino-Firma überwachen.

Was Dougherty weiter kritisiert: der neue Arduino-Geschäftsführer Federico Musto, der auch in der Mitteilung zur Foundation zitiert wird, hat gegenüber der Wired zugegeben, seine Uni-Abschlüsse teilweise falsch dargestellt zu haben. So stand in seinem LinkedIn-Profil, er hätte an der Elite-Uni Massachusetts Institute of Technology (MIT) promoviert. Dies sei falsch, ebenso wie andere Lebensläufe, in denen er einen Abschluss an der New York University angab. Er sei immerhin als Austauschstudent an den Unis gewesen, so Musto. Beide Universitäten haben laut Wired aber keine entsprechenden Aufzeichnungen. Inzwischen listet Musto im Karriere-Netzwerk LinkedIn nur noch seine Kindergartenzeit.

Über Mustos Aufschneiderei, so Wired, stolperten zuerst Adafruit-Gründerin Limor Fried und ihr Partner Phillip Torrone. Ihre Hardwarefirma hatte während des Streits begonnen, Boards mit Arduino.cc zu entwickeln und in den USA zu produzieren. Dass neben Arduino selbst auch andere Firmen die Boards produzieren dürfen, war einer der Konflikte des früheren Streits. Während der ursprüngliche Hersteller Smart Projects S.R.L. (arduino.org) weiter exklusiv fertigen wollte, setzte die Entwicklerfirma Arduino LLC (arduino.cc) auf die Vergabe von Lizenzen.

Mit der Einigung sind beide Firmen im vergangenen Jahr in der Arduino AG aufgegangen, an der Musto laut eigenen Angaben 50 Prozent der Anteile hält, während die ehemaligen Arduino-Gründer um Massimo Banzi (arduino.cc) nur 49 Prozent besitzen und das letzte Prozent bei Gianluca Martino liegt. Martino hatte mit Federico Musto zuvor arduino.org geführt. Dass Musto nun die Arduino AG führe sei schlimm genug, so Dougherty, er dürfe nicht auch noch die Foundation kontrollieren. Von Adafruit gibt es derweil #freeArduino-Sticker.

Von der Arduino AG gibt es bisher keine Reaktion. Eine Pressemitteilung vom 12. Juni kündigt nur die Zusammenarbeit mit der Semtech Corporation an. Zusammen will man verstärkt an Produkten für das Internet der Dinge arbeiten, die auf dem Low-Power-Wireless-Netzwerkprotokoll LoRa basieren. Außerdem ist Arduino der LoRa Alliance beigetreten, die die offenen LoRa-Spezifkationen entwickelt. Sie basieren allerdings auf der proprietären Modulationstechnik von Semtech. (hch)