Menü

Neue Version des Umweltmesssystems Smart Citizen erschienen

Das Open-Source-System Smart Citizen soll die Überwachung von Umweltfaktoren wie Feinstaub, giftigen Gasen und Lärm günstig möglich machen.

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 20 Beiträge

Das Smart Citizen Kit – hier noch in der Version ohne Feinstaubsensor.

(Bild: Smart Citizen)

Von

Wie gut die Luft- und Umweltqualität der Umgebung ist, soll das Umweltmesssystem Smart Citizen ermitteln und dabei den Einstieg in die sogenannten Bürgerwissenschaften erleichtern. Dazu gibt es Sensorkits zum Selbstbauen, die ermittelten Daten werden über ein Online-System ausgewertet und aufbereitet. Eine Übersicht über die neue Version 2.1 des Systems ist gerade in Hardware X erschienen, einer wissenschaftlichen Zeitschrift rund um Open Source und offene Hardware.

Wer einen Sensor zu Hause aufbaut, kann seine Messungen über das Internet an Smart Citizen senden. Auf einer Weltkarte werden sie dann neben den Daten aller anderen Messstationen angezeigt. So können Interessierte aus der ganzen Welt mithelfen, bessere Umweltdaten zu erheben – ganz unabhängig von Universitäten. Ähnliche Projekte sind etwa der DIY-Feinstaubsensor des Stuttgarter Open Knowledge Labs und die Münsteraner senseBox sowie die openSenseMap.

Smart Citizen ist ein Projekt des Fablabs Barcelona. Grundlage ist das sogenannte Data Board: Darauf arbeitet der ARM-Chip M0+, der die Sensordaten erfasst und 32kB RAM und 256kB Flashspeicher mitbringt. Der gleiche Chip ist auch auf den Arduino MKR Boards zu finden, sodass es neben Dokumentation bereits eine große Community gibt. Zusätzlich verfügt das Board über den Wifi-Mikrocontroller ESP8266, um die Daten gleich ins Netz zu laden. Einen Mikro-SD-Slot und weitere 4MB Flashspeicher gibt es für den Fall, dass das Gerät offline geht.

Dazu gibt es das Urban Sensor Board, auf dem einige Umweltsensoren direkt verbaut sind. So verfügt die Aufsteckplatine über Sensoren zum Überwachen von Temperatur, Feuchtigkeit, Innenraumluftqualität, Helligkeit und dem Luftdruck. Wenn das noch nicht reicht, kommt das PM Board ins Spiel. Diese Erweiterungsplatine stellt zahlreiche Anschlüsse für weitere Sensoren bereit. Schließlich gibt es das beinahe dreieckige Gas Pro Sensor Board. Wie der Name sagt, befinden sich darauf Sensoren für die Gase Kohlenstoffmonoxid, Stickstoffdioxid und Ozon.

Smart Citizen System (6 Bilder)

Das komplette Smart Citizen System
(Bild: Smart Citizen)

Für den Einsatz zu Haus und in Citizen-Science-Projekten ist das Smart Citizen Kit (SCK) gedacht, das bereits vorbestellbar ist. Darin sind das Data Board und das Urban Sensor Board enthalten, sowie ab Version 2.1 ein direkt angeschlossener Feinstaubsensor. Alle Komponenten können in Gehäuse eingebaut werden, um sie so auch draußen einsetzen zu können. Für Version 2.1 ist das Gehäuse allerdings noch in der Entwicklung. Das Verhalten bei unterschiedlichen Temperaturen sei noch verbesserungswürdig, wie auch der Schutz gegen Wasser.

Mit der Smart Citizen Station gibt es auch eine Lösung, die eher für Städte oder Forschungseinrichtungen gedacht ist. Darin sind alle Boards des Systems sowie zwei Feinstaubsensoren untergebracht. Die Stationen sind derzeit weder als Kit noch komplett erhältlich, sondern können nur selbst hergestellt werden – etwa in einem Fablab. Neben den Hardware-Dateien ist auch die Firmware komplett offen. Das PM Board und das Gas Pro Sensor Board sollen demnächst aber über den chinesischen Hardware-Hersteller Seeed erhältlich sein.

Das Smart Citizen Kit der Version 2.1 gibt es in zwei Ausführungen. Laut der Webseite von Smart Citizen können die Kits aktuell nur vorbestellt werden – im Shop des chinesischen Hardware-Herstellers Seeed ist zumindest das Smart Citizen Kit bereits erhältlich. Es kostet 99 US-Dollar (ca. 89 Euro) wobei Versand und Steuern dazu kommen. Für das Smart Citizen Starter Kit ist die Auslieferung ab August 2019 angekündigt. Es enthält neben den Teilen des normalen Kits auch nötige Kleinteile wie Kabel und SD-Karte und kostet 119 US-Dollar (ca. 107 Euro). Ein Gehäuse gibt es aufgrund der Generalüberholung nicht mit dazu. Wer mag, kann allerdings den Prototypen der nächsten Gehäuseversion selbst 3D-drucken. Außerdem gibt es eine Anleitung für den Einbau in eine Plastikflasche.

(hch)