Olo: 3D-Druck mit dem Licht aus dem Smartphone-Display

Für 99 US-Dollar Crowdfunding-Investment verspricht eine Firma aus Italien einen 3D-Drucker, den man einfach auf sein Smartphone setzt. Probestücke und Video sehen faszinierend aus – vielleicht ein bisschen zu sehr.

Lesezeit: 4 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 34 Beiträge
Olo: 3D-Druck aus dem Licht des Smartphone-Displays – für 99 Dollar

(Bild: Screenshot aus dem verlinkten Video)

Update
Von
  • Peter König
Kickstarter & Co.

Mehr interessante Crowdfunding-Projekte:

Die italienische Firma Olo 3D sucht auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter nach Unterstützern für ein Produkt, bei dem sich jeder die Augen reibt, der sich für additive Fertigung interessiert: Im Angebot ist ein batteriebetriebener, portabler 3D-Drucker, der lichtempfindliches, flüssiges Rohmaterial in der gewünschten Form aushärtet – und zwar mit Hilfe des Lichts eines Smartphone-Displays. Für diesen Zweck sollen nahezu alle Smartphones bis zu einer Display-Diagonale von 5,8 Zoll geeignet sein. Die notwendige App für den Betrieb des 3D-Druckers soll es für Android, iOS und Windows Phone geben.

(Quelle: OLO 3D)

Die Smartphone-App übernimmt nicht nur die direkte Steuerung des Druckvorgangs und die Belichtung der einzelnen Schichten des Objekts, sondern vor den Druck auch die Vorbereitung der 3D-Modelle. Durch eine integrierte Community soll es sogar möglich sein, sich fertige 3D-Druckvorlagen zu schicken, sozusagen als plastische Instant Messages. [Update, 23.03.2016, 23:10: Die Abmessungen des Geräts betragen 17,2 cm × 11,5 cm × 14,8 cm. Die maximale Modellgröße wird mit 7,6 cm × 12,8 cm × 5,2 cm angegeben; bei einem kleineren Mobiltelefon reduziert sich mit dem Display auch die mögliche Grundfläche des Objekts.]

3D-Druck

Der Sammelbegriff 3D-Druck steht heute für ein ganzes Bündel von Fertigungstechniken, die nach unterschiedlichen Prinzipien funktionieren und sich jeweils nur für ganz bestimmte Materialien eignen. Ihr gemeinsamer Nenner: Alle Verfahren bauen dreidimensionale Objekte, indem sie Material in dünnen Schichten auftragen und verfestigen.

Erstaunlich ist der Preis des Geräts: Zwar sind die Early-Bird-Angebote bereits alle weg, aber einen Olo-3D-Drucker (samt einem Fläschchen Material) ist bereits als Belohnung für ein Investment von 99 US-Dollar zugesagt. Beim Versand aus Deutschland kommen noch 29 Dollar fürs Verschicken hinzu, sodass in der Summe knapp 115 Euro zusammenkommen.

Für den Smartphone-3D-Drucker gibt es gleich acht verschiedene Materialien zur Wahl – neben ABS-ähnlichem elastischen Kunsstoff in vier Farben auch ein gummiartiges Material, aus dem sich zum Beispiel Stempel herstellen lassen sollen, sowie ein ausschmelzbares für Metallabgüsse in verlorene Negativformen. Das erinnert ein wenig an die Materialpalette für den Stereolithographie-3D-Drucker Form 2, was die Auswahl nicht weniger beeindruckend macht. Das Material hat allerdings seinen Preis: Ein Sechserpack mit 100-Gramm-Fläschchen kostet im Rahmen der Kickstarter-Kampagne gut 100 US-Dollar. Doch solche Preise sind bei lichtempfindlichen Flüssigkunststoffen für den 3D-Druck nicht ungewöhnlich.

Das Material hat offenbar noch ein paar sehr verblüffende Vorzüge: Während klassische Stereolithographien mit Isopropanol abgewaschen und nachbehandelt werden müssen, was definitiv nichts für Büro und Kinderzimmer ist, soll es bei Objekten aus Olo ausreichen, sie einfach unter fließend Wasser abzuspülen. Und dem Kickstarter-Video nach zu urteilen scheint es auch kein Problem zu sein, das Material bei normalem Umgebungslicht in das 3D-Druckerchen einzufüllen. Sogar die Vorratsfläschchen bestehen aus milchig-transparentem Material.

Das macht allerdings ein wenig stutzig, denn auch das Smartphone-Display kann ja nur sichtbares Licht abgeben, um das flüssige Material auszuhärten. Herkömmliche 3D-Lichtdrucker hingegen arbeiten meistens mit UV-Licht oder Lasern einer genau definierten Wellenlänge, auf die der Kunststoff abgestimmt ist. Wenn der 3D-Druck mit Olo so einfach klappt, wie der Hersteller das suggeriert, dann hat dieser offenbar ein Rohmaterial für sich entdeckt, das eine Größenordnung raffinierter ist als alles, was bisher in Stereolithographiemaschinen verarbeitet wird.

So faszinierend die Vorstellung ist, sein alltäglich benutztes Smartphone gleichzeitig als Steuercomputer und Belichter für den batteriebetriebenen Taschen-3D-Drucker zu benutzen, so schnell kommen die Zweifel, ob das im Alltag tatsächlich praktikabel ist. Denn die Objekte materialisieren sich im Inneren von Olo sehr langsam – mit ein paar Stunden muss man selbst für ein wenige Zentimeter großes Stück schon rechnen. In dieser Zeit muss das Display vermutlich dauerhaft mit maximaler Helligkeit leuchten, was kein Smartphone-Akku sehr lange durchhält.

Eine Steckdose braucht man also doch, den Batterien im Olo zum Trotz. Darüber hinaus kann man das Smartphone in dieser Zeit für nichts anderes benutzen – was ein mit Vibrationsalarm eingehender Anruf bei einem noch halb flüssigen 3D-Druck anrichtet, kann man sich leicht bildlich vorstellen. (pek)