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Orange Pi 3: Einplatinenrechner-Upgrade mit Mängeln

Ein neuer Orange Pi lockt mit zeitgemäßen Hardware-Features, erlaubt sich jedoch Schnitzer beim Linux-System.

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Orange Pi 3: Ein blaues Board in Raspberry-Pi-Formfaktor.

(Bild: Xunlong Software )

Das jüngste Mitglied der Orange-Pi-Familie trägt den schlichten Namen "Orange Pi 3". Insgesamt bleibt das Design traditionell, verspricht jedoch einige moderne Features. Die wesentlichen Neuerungen sind eine schnellere CPU, USB 3.0 und eine PCI-Express-Schnittstelle, die mit Vorsicht zu genießen ist.

Als CPU bringt das System-on-a-Chip (SoC) – ein Allwinner H6 – vier Cortex-A53-Kerne mit. Die gleichen Prozessorkerne befinden sich auch im Raspberry Pi 3. Im direkten Vergleich hängt der H6 den Raspi jedoch ab: Das SoC wird in einem 28-Nanometer-Prozess gefertigt und die feineren Strukturen ermöglichen einen höheren Maximaltakt (bis zu 1,8 GHz).

Intern verfügt der H6 über drei USB-Schnittstellen: 1× USB OTG (2.0), 1× USB 2.0 und 1× USB 3.0. Der Orange Pi 3 nutzt alle drei, wobei der USB-3.0-Anschluss per Hub auf vier Buchsen verteilt wird. Die Netzwerk-Buchse sitzt zwischen den USB-Ports und unterstützt Gigabit-Ethernet. Um den Funk kümmert sich ein Modul von Ampak (AP6256), das Bluetooth 5.0 und WLAN im 2,4-GHz- und 5 GHz-Band unterstützt (802.11 a/b/g/n/ac).

Der Orange Pi 3 integriert viele Hardware-Features.

(Bild: Xunlong Software )

Der Einplatinenrechner wird in vier Variationen angeboten: jeweils mit einem oder zwei Gigabyte RAM (LPDDR3) und mit oder ohne 8 GB Flash-Speicher (eMMC). Die Preise liegen zwischen 30 und 40 US-Dollar (ohne Zubehör oder Versandkosten).

Als GPU kommt eine Mali T720 MP2 (Midgard) zum Einsatz. Allwinners Video-Engine beherrscht unter anderem das Dekodieren von 4K-Videos (H.265 bei 60 Hz oder VP9 bei 30 Hz). Die Ausgabe erfolgt per HDMI-Anschluss (HDMI 2.0a) oder über einen altertümlichen AV-Ausgang (3,5-mm-Klinke).

Auf den ersten Blick vielversprechend ist die PCI-Express-Schnittstelle: Theoretisch bietet der mSATA-Port die Möglichkeit zur schnellen SSD-Anbindung, vom Platz her reicht es für eine Half-Size-mSATA-SSD. Doch leider hat Allwinner ein wenig bei der Implementierung der PCIe-Lane (5 Gbps, PCIe 2.0) gepfuscht: Eigenwilligkeiten bei der Adressierung verhindern derzeit die Entwicklung eines freien Treibers für den Linux-Hauptentwicklungszweig (Mainline). Somit lässt sich die Schnittstelle in absehbarer Zukunft nur mit Allwinner-eigenen Linux-Kerneln nutzen.

Für Hardware-Bastler bietet der Orange Pi 3 vergleichsweise wenig. Entgegen dem Trend der vergangenen Jahre ist die GPIO-Leiste auf 26 Pins zusammengeschrumpft. Neben seriellen Schnittstellen findet man dort I²C, SPI und einmal PWM.

Auf früheren H6-Boards, dem Orange Pi Lite 2 und One Plus, gab es entweder kein USB-3.0 oder kein Gigabit-Ethernet. Dem Orange Pi 3 gelingt es hingegen, die Fähigkeiten des SoCs auch auf die Platine zu bringen. Eine Kaufempfehlung ist der Orange Pi 3 zum gegebenen Zeitpunkt dennoch nicht.

Der Hersteller Xunlong hat – ganz der eigenen Tradition folgend – zuerst die Hardware veröffentlicht. Die Download-Links für Betriebssysteme führen noch größtenteils ins Leere. Zu haben sind derzeit nur Server-Varianten (ohne grafische Oberfläche) von Ubuntu 16.04 und Debian (Jessie) sowie ein nicht ganz taufrisches Android 7. Für die jeweiligen Kernel ist Xunlong auf das angewiesen, was Allwinner für den H6 bereitstellt – und das ist leider wahlweise Linux 3.10 (Jahrgang 2013) oder ein aktuelleres Linux 4.9, das allerdings seit einem Jahr das Betastadium nicht verlassen hat.

Beliebte Community-Distributionen wie Armbian taugen derzeit noch nicht als Alternative. Zwar wird mit der H6-Plattform hinter den Kulissen experimentiert. Hier setzt man jedoch voll auf Mainline-Linux. Die zuständigen Kernel-Hacker des Sunxi-Projekts agieren unabhängig von Allwinner und haben bisher nur einige Grundfunktionen implementiert. (Peter Eisner) / (hch)