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Pellet-3D-Drucker mischt Wunschmaterial aus vier Rohstoffen

Das französische Start-up Pollen AM überrascht mit den technischen Details seines 3D-Druckers – und verblüfft durch dessen eigenwillige Retro-Gestaltung mit Echtholzfurnier, Lederriemen und Messingschrauben.

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3D-Drucker: Pam verabeitet Pellets und mischt Wunschmaterial

(Bild: Pollen AM)

Echtholzfurnier und Innovation: der 3D-Drucker Pam

Bei 3D-Druckern ist es normal, dass man regelmäßig über Modelle und Firmen stolpert, von denen man noch nie etwas gehört hat. In der Regel sind diese Geräte allerdings nicht sehr innovativ, sondern nur im Detail modifizierte Varianten bekannter Konzepte. Ganz anders beim französischen Hersteller Pollen AM und seinem 3D-Drucker namens Pam: Der unterscheidet sich gleich in dreieinhalb Punkten ganz wesentlich von allen anderen plastikschmelzenden Geräten, die sonst auf dem Markt zu finden sind – sieht man mal von echten Industriemaschinen wie dem Freeformer von Arburg ab.

Zum einen verwendet Pam nicht den üblichen Plastikdraht als Rohmaterial, den ansonsten eigentlich alle FDM-3D-Drucker in ihre Düsen spulen, sondern nimmt Material in Form von Granulat entgegen. Zwar gibt es Prototypen für solche Granulatdrucker bereits hie und da, aber als fertiges Produkt ist uns eine solche Konstruktion noch nicht begegnet – nur auf dem Umweg über Geräte, die aus Plastik-Pellets oder geschredderten Fehldrucken im Rahmen von Kunststoff-Recycling frischen Plastikdraht ziehen.

Zum zweiten verarbeitet Pam vier verschiedene Rohmaterialien parallel, die aber durch eine gemeinsame Düse gedrückt werden. Auf diese Weise sollen Bauteile in individuellen Wunschmaterialien gefertigt werden können, die aus den vier eingefüllten Rohstoffen direkt im Druckkopf gemischt werden. Sowas gibt es zwar schon im Bereich des PolyJet-Verfahrens, etwa beim Stratasys J750, und mit zwei Materialien auch schon im FDM-Druck, etwa bei Zmorph. Vier auf einen Streich mit direkter Mischung in der Düse ist unseres Wissens aber neu.

So könnte das Druckmaterial in Granulatform später aussehen – die gläsernen Kartuschen werden einfach in die Maschine gesteckt.

(Bild: Pollen AM)

Zu den verfügbaren Materialien sind noch keine Details zu erfahren, allerdings gibt es ein spezielles Stützmaterial für Überhänge und es soll auch möglich sein, mit flexiblem, lebensmittelechtem Material oder gar solchem mit Carbon- oder Metall-Anteilen zu drucken.

3D-Druck

Der Sammelbegriff 3D-Druck steht heute für ein ganzes Bündel von Fertigungstechniken, die nach unterschiedlichen Prinzipien funktionieren und sich jeweils nur für ganz bestimmte Materialien eignen. Ihr gemeinsamer Nenner: Alle Verfahren bauen dreidimensionale Objekte, indem sie Material in dünnen Schichten auftragen und verfestigen.

Zum dritten ist der umfangreiche und komplexe Druckkopf in der Maschine an einer festen Position angebracht, die nötige relative Bewegung zwischen Drucktisch und Düse in alle drei Dimensionen wird allein durch die Bewegung des Tisches erzeugt. Das ist an sich schon ungewöhnlich, hinzu kommt aber, dass der Hersteller Pollen AM dabei nicht das Konzept des kartesischen 3D-Druckers mit senkrecht aufeinander stehenden Achsen umsetzt, sondern das Delta-Prinzip. Dabei hängt normalerweise der Druckkopf an drei Armen, deren Ende an jeweils einem senkrechten Holm hoch- und heruntergefahren wird, wodurch sich in Koordination der drei Arme die gewünschte Bewegung in der horizontalen Ebene ergibt. Beim Pam wird allerdings nicht der Druckkopf von den drei Armen gewiegt, sondern der Drucktisch.

Jetzt zur letzten (halben) Neuerung – die liegt in der optischen Gestaltung. Das Gerät sieht aus, als sollte es nicht nur in 3D drucken, sondern auch als Blickfang dienen: Die Material-Vorratsbehälter haben Griffe aus Lederriemchen, mit Messingschrauben befestigt, das Gehäuse des Druckers ist offenbar mit Echtholz furniert – das ist alles schon sehr stylish. Allerdings schlagen sich die gesammelten Distinktionsmerkmale des Druckers auch in seinem Preis nieder: Derzeit möchte Pollen AM 8000 Euro für das Gerät haben und kündigt an, dass es im nächsten Jahr das Doppelte kosten wird. In den Bauraum sollen Objekte mit bis zu 30 Zentimetern Höhe und Durchmesser passen, die Auflösung wird mit 0,04 Millimetern angegeben. (pek)