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Probleme über Probleme: Der 3D-Drucker Leapfrog Creatr HS ausprobiert

So groß druckt kaum ein 3D-Drucker für unter 2500 Euro: Gut 14 Liter passen in den Bauraum des Creatr HS von Leapfrog. Doch unser Labortest des vielversprechenden Geräts endete überraschend.

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Das Farbdisplay des Creatr HS von Leapfrog.

(Bild: Leapfrog)

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WICHTIG! Update:

Der folgende Testbericht ist mittlerweile überholt – wir haben den Creatr HS im Juni 2016 noch einmal getestet und sind zu einem deutlich besseren Ergebnis gekommen. Den aktuellen Testbericht gibt es hier online auf make-magazin zu lesen. Den alten Testbericht aus dem Jahr 2015, im Folgenden zu lesen, lassen wir lediglich aus historischen Gründen online, um einen Vergleich mit den aktuellen Ergebnissen zu ermöglichen.

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Auf der 3D-Druck-Fachmesse Euromold im vergangenen November war der Creatr HS zwar ein kleines Exemplar unter den 3D-Druckern für alle, die großes vorhaben – dennoch blieb uns das Gerät im Gedächtnis haften: Standardmäßig mit zwei Druckköpfen ausgestattet, mit einem großzügigen Bauraum von fast 30 Zentimetern Grundfläche im Quadrat, mit Display, USB-Port für den Druck vom Stick, mit bis zu 300 mm/s Druckgeschwindigkeit wieselflink und das alles zu einem Preis von unter 2500 Euro inklusive Steuern – das Gerät mussten wir unbedingt testen!

Natürlich dauerte es nach der Messe noch einige Zeit, bis das Testgerät tatsächlich bei uns im Labor stand, aber das schmälerte die Vorfreude nicht. Der Creatr HS kam mit zwei Spulen Material (PLA in leuchtorange und kreischgrün), einer Lizenz für die Software Simplify3D nebst fertigen Parametersätzen zum Laden und Loslegen sowie einem USB-Stick mit einer fix und fertigen Testdatei. Und während die gedruckt wurde, malten wir uns schon aus, welche kapitalen Stücke wir auf dem Creatr erschaffen würden, wenn die Maschine mal eben schnell unseren Testparcour an Standardobjekten absolviert hätte.

3D-Drucker Leapfrog Creatr HS (19 Bilder)

Im Labor: Creatr HS

So frisch im Labor angekommen, machte der Creatr HS von Leapfrog erst mal ziemlich Eindruck: Alleine bekommt man ihn jedenfalls nicht aus dem Karton heraus und auf den Tisch gehievt.

Doch dazu kam es nicht, denn offenbar lag auf unserem Test des Creatr HS kein Segen. Insbesondere schien es sehr von der Tagesform des Geräts abzuhängen, ob ein Druck nahezu perfekt oder wie hingerotzt aus der Düse kam, ob der Vorgang mittendrin abbrach oder überhaupt startete. Natürlich hielten wir Rücksprache mit dem Hersteller, tauschten mit ihm Fotos von gedruckten Probeobjekten aus (in der Firma wurden parallel unsere Standardstücke zum Vergleich gedruckt), skypten miteinander und versuchten uns unter Anleitung am Fein-Tuning mit einzelnen G-Code-Zeilen.

Als das aber alles nichts fruchtete und bei einem letzten Test jede Schicht rund drei Millimeter verschoben auf der darunterliegenden landete, einigten wir uns mit der Firma Leapfrog darauf: Das Gerät musste kaputt sein. Ein Tauschgerät brachte Linderung – aber am Ende nicht so viel, dass wir den Test erfolgreich beenden konnten.

Bei unseren Versuchen mit dem Creatr HS hatten wir vor allem mit folgenden Schwierigkeiten zu kämpfen:

  • Für Haftung des Druckobjekts auf dem Drucktisch aus Glas soll eine Auflage aus einer selbstklebenden Folie sorgen. Das tut sie unserer Erfahrung nach allerdings nur, wenn der Abstand zwischen Düse und Drucktisch ganz exakt stimmt. Ist er auch nur einen Hauch zu groß, lösen sich die ersten gedruckten Schichten zuverlässig vom Tisch, der Druck schlägt fehl. Verschärft wird das Problem dadurch, dass ein großer Drucktisch wie der des Creatr HS nur schwer so exakt zu justieren ist, dass der Abstand zwischen Düse und Tisch an jeder Stelle des Tisches stimmt. Noch ungünstiger: Man muss den Abstand justieren, bevor man die Folie aufklebt. Anders gesagt: Nach jeder Neujustierung wird eine neue Folie fällig, und die blasenfrei aufs Glas zu bringen, ist eine Plackerei.
  • Wir hatten den Eindruck, dass das mitgelieferte PLA-Material durch die Druckparameter-Profile des Herstellers viel zu heiß gedruckt wurde. Es kam nicht mehr zäh, sondern dünnflüssig aus den Düsen. Und alle unsere Versuche, Modelle mit zwei Materialien parallel zu drucken, scheiterten, weil früher oder später der gerade nicht benutzte Kopf sich mit zu heißem und angebranntem Material zusetzte.
  • Die Profile des Herstellers scheinen vor allem für größere Objekte gedacht zu sein, für die man hohe Geschwindigkeiten braucht, um überhaupt mal fertig zu werden. Zugegeben, für unsere kleinen Testobjekte braucht man sicher keinen Drucker von der Größe eines Creatr HS, aber wer würde sich trauen, was großes zu drucken, wenn schon die kleinen Objekte scheitern?
Gerät Creatr HS
Hersteller / Vertrieb Leapfrog / 3dmensionals.de
Bauraum 29 cm × 27 cm (Dual Extruder 24 cm) × 18 cm
Drucktisch Glasplatte, beheizt und beklebt
Software Simplify3D (Windows, Mac OS X, Linux)
Material 1,75 mm
Druck über.... USB-Kabel, USB-Stick
Druckqualität durchwachsen
Preis 2220 €

Den entscheidenden Impuls zum Abbruch des Tests gab aber, dass die Maschine weder bei USB-Anschluss an den Rechner noch vom USB-Stick zuverlässig arbeitete. So startete aus unerfindlichen Gründen mancher Druckvorgang vom USB-Stick einfach nicht – die Düsen und der Tisch heizten sich auf (was in unserem gut durchlüfteten Testlabor durchaus 20 Minuten dauern konnte), dann passierte so lange nichts, bis wir den Vorgang abbrachen, um zu verhindern, dass in der geheizten Düse wieder mal das Material festbrennt. Mancher Druck vom angeschlossenen Rechner blieb einfach mittendrin stehen (und nein, der Rechner war nicht in den Energiesparmodus gefallen). Währenddessen lief uns die Zeit weg, der Redaktionsschluss für das Heft, in dem eigentlich ein Testbericht erscheinen sollte, verstrich – und irgendwann war es genug.

Wenn man am Test eines Geräts scheitert, hinterlässt das kein gutes Gefühl, ist klar. Vielleicht hatten wir einfach nur Pech und es sind uns nacheinander zwei Exemplare des Creatr HS ins Haus gekommen, die schon vorgeschädigt waren oder beim Transport eine Macke abbekommen hatten, wer weiß. Eine schlichte Fehlbedienung können wir aber nach bestem Wissen und Gewissen ausschließen, dafür haben wir uns dem Creatr HS dann doch zu intensiv gewidmet (und solche Schwierigkeiten hatten wir in den vergangenen fünf Jahren mit keinem einzigen 3D-Drucker). Möglicherweise ist unser Testlabor mit seiner nicht regelbaren und robusten Lüftung Gift für den Leapfrog-3D-Drucker. Aber macht es nicht auch gerade die Praxistauglichkeit eines Gerätes aus, dass es unter widrigen Bedingungen wie in der Make-Redaktion funktioniert?

Wir gestehen: Am Leapfrog Creatr HS sind wir gescheitert. Deshalb können wir das Gerät auch nicht in unsere Online-Vergleichstabelle zu FDM-3D-Druckern aufnehmen. Einen Tipp können wir aus unseren Erfahrungen aber ableiten: Wer einen 3D-Drucker sucht, der vom Fleck weg einfach nur gut druckt und nicht viel Hingabe erfordert, der sollte sich in ein anderes Modell vergucken.

Die Ergebnisse der systematischen Druckqualitätsprüfung anderer 3D-Drucker finden Sie in unserer Online-Vergleichstabelle zu FDM-3D-Druckern. Haben Sie selbst Erfahrungen mit dem Creatr HS oder anderen Drucker von Leapfrog gemacht? Beschreiben Sie uns Ihre Eindrücke gerne in unserem Themenforum 3D-Druck.
(Peter König) / (pek)