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Ring als tragbares Lesegerät für Sehbehinderte

Den "Fingerreader" trägt man wie einen sehr großen Plastikring. Mit einer integrierten Kamera erfasst die Maschine Texte, über die man mit dem Finger streicht. Sie könnte den Alltag von Sehbehinderten stark erleichtern.

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Das Lesegerät "Fingerreader" ist eine Erfindung der Fluid Interfaces Group des MIT Media Lab. Diese Gruppe konzentriert sich darauf, Benutzeroberflächen zu entwickeln, die möglichst natürliche Erweiterungen des menschlichen Körpers sind. Mit dem Fingerreader haben sie ein Gerät geschaffen, dass diesem Anspruch recht nahe kommt.

Der aktuelle Prototyp des Lesegeräts: Das Gehäuse stammt unübersehbar aus einem 3D-Drucker.

(Bild: Fluid Interfaces Group)

In den Ring sind eine Kamera, ein Mikrocontroller und zwei Vibrationsmotoren integriert. Die Kamera erfasst den Text - durch die Programmierung des Lesegeräts werden die Wörter des Texts in gesprochene Sprache umgesetzt. Zusätzlich gibt der Fingerreader Nutzern über die Vibrationsmotoren Feedback, wenn sie beim Scan verrutschen oder beim Zeilenende beziehungsweise Zeilenanfang angekommen sind.

Die Software des Fingerreaders ist Open Source und steht auf Github zur Verfügung. Sie besteht aus einem Text-Extraktions-Algorithmus, der zusammenhängende Wörter erfasst. Ergänzt wird dieser Algorithmus durch ein Text-to-Speech-Programm, dass den Text in gesprochene Sprache umsetzt.

Der Prototyp in der Praxis - die Lesestimme kann mit Sicherheit noch Verbesserung vertragen.

Laut den Erfindern ermöglicht der Fingerreader eine Leseerfahrung, die es bisher für Sehbehinderte so nicht gibt. Die Maschine ermöglicht das sofortige Lesen von ganzen Texten und gibt gleichzeitig eine Orientierung im Text, die ein Verrutschen verhindert. Bisherige technische Lösungen decken, laut der Entwicklergruppe immer nur Teilaspekte dieser Leistung ab.

Die Vibrationsmotoren sind oben und unten im Ring angebracht. Sie geben unterschiedliche Impulse aus.

(Bild: Fluid Interfaces Group )

Ein Ersatz für die Schrift "Braille" soll und kann der Fingerreader nicht sein, vielmehr soll er als Hilfsmittel in Alltagssituationen dienen. So ermöglicht das Lesegerät beispielsweise das Lesen von Speisekarten und allen anderen Texten, die nicht in Braille geschrieben sind. Zusätzlich könnte der Fingerreader zukünftig zur Übersetzung von Texten genutzt werden. Außerdem glauben die Entwickler, dass das Lesegerät dabei helfen kann, eine Schriftsprache zu erwerben. (esk)