Robodonien 2018: Kölns Roboter-Kunst-Festival feiert 10-jähriges Jubiläum

Blitz und Donner

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Sobald die Sonne hinter Odonien untergegangen ist, geht das Spektakel richtig los. Die Kölner Effektschmiede hat zusammen mit dem Feuerkünstler Lemmi eine eigene Tesla-Performance für Robodonien entwickelt. Die Blitze zucken durch den Kölner Nachthimmel, die Musik wummert, und Lemmi wirbelt das Feuer über die Bühne.

Mit einer Teslaspule arbeitet auch Wolf Schiebel von der Bonbonmanufaktur Ehrenfeld. Über einen angeschlossenen Synthesizer können sich die Besucher ihre Süßigkeiten selbst komponieren: Nach 20 Sekunden im Blitz entstehen ausgefallene Naschereien aus Zucker. Wer den Bonbonhersteller, der 20 Jahre lang Spezialeffekte für Film und Fernsehen gemacht hat, in seinem Wagen besucht, bekommt Ohrenschützer verpasst.

Einen Gehörschutz wünscht sich so mancher Besucher in der Halle, in der Bastiaan Maris seine "Relaytors" präsentiert. Er hat rund 300 Relais miteinander verbunden, die sich alle gegenseitig schalten und rhythmisch klacken. Die Sound-Installation sorgt für beeindruckende Effekte und ist vor allem sehr, sehr laut. "Ich habe einen chronischen Hörverlust, ich muss daher laute Sachen bauen", meint er grinsend und schlägt vor, außen an der Halle ein Warnschild anzubringen.

Weithin hörbar ist auch die interaktive Trommelperformance von N.U. Unruh (Einstürzende Neubauten). Unter wummernder Begleitung eines rhythmischen Soundtracks dreschen Erwachsene und Kinder hingebungsvoll auf die bereitgestellten Trommeln ein – Tonkunst für Abgehärtete.

10 Jahre Robodonien ... und wie geht's weiter? Odo Rumpf überlegt laut, ob er weiterhin die Zeit hat, dieses Festival zu organisieren, denn es sei schon sehr viel Arbeit. "In den letzten zehn Jahren ist die Sache runder geworden, denn auch das Gelände hat sich verändert", sagt er im Gespräch. "Das Atelier ist größer und aufgeräumter, und die Leute passen jetzt besser hierhin."

Grundsätzlich kann Rumpf sich vorstellen, alles in jüngere Hände abzugeben. "Man könnte eine Art Symposium veranstalten, sich also zwei oder drei Wochen in Odonien treffen und zusammen basteln, also eine Art internationalen Austausch veranstalten mit Robodonien als krönenden Abschluss", überlegt er. Die nächste Generation steht nicht nur in den Startlöchern, sondern auf dem Festival-Gelände. Der Lehrstuhl für individualisierte Bauproduktion (IP) der RWTH Aachen ist bereits zum dritten Mal dabei und lädt Besucher dazu ein, zusammen mit einem Industrieroboter eine Stahlkonstruktion zu schweißen.

"Es ist gut und wichtig für die jungen Leute, über den Tellerrand zu schauen und zu sehen, dass Roboter auch anders eingesetzt werden können", so Odo Rumpf. "Es muss nicht alles aalglatt sein, sondern es darf ruhig Öl tropfen oder Koljas Sir Elton Junk einen Finger verlieren bei der Show." Dass es bei Robodonien selbst rund läuft, ist jedenfalls allen zu wünschen. Das Künstlertreffen ist ein Riesenspaß und "eine sehr nette Verschwendung von Strom", so ein Fazit eines Besuchers. Happy Birthday, Robodonien! (hch)