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Schnaps und Robotik: Mechanisches Cocktailmixen in Wien

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Roboter an sich sind ja schon einigermaßen skurril - ihre mechanischen Bewegungen begeistern uns und ihr ulkiges Aussehen amüsiert uns. Es ist eine Faszination, dass eine Maschine dem Menschen nicht nur das Leben erleichtert, sondern auch noch versüßt. Die Roboexotica präsentierte im Wiener Ragnarhof etwa zwanzig solcher Exemplare, die eines gemeinsam haben: Sie sind wirklich exotisch. Cocktails mixen ist ihre Mission und das möglichst kreativ und unterhaltsam.

Seit fünfzehn Jahren existiert dieses spezielle Festival nun schon in der österreichischen Hauptstadt und über die Zeit haben die Veranstalter Johannes Grenzfurthner (monochrom) und Magnus Wurzer (shifz) so einiges erlebt. Vor der Jahrtausendwende fragten sie noch: Wo sind denn all die Roboter, die man uns versprochen hat? Und beantworteten das in Form der Roboexotica einfach selbst: Hier sind sie und sie machen Spaß. Die “Robots of Alkohol” werden sie liebevoll genannt und sind gleichzeitig Medienkunst und Karikatur der Industrie.

Roboexotica 2013 (10 Bilder)

Time Machine

Bei der "Time Machine", einem Studentenprojekt, muss man ordentlich strampeln um per Fahrradpedale einen Gin Tonic von links nach rechts zu pumpen. (Bild: Franziska Bechtold)

In Wien wurde am vergangenen Wochenende nun allerhand Robotik begrüßt. Da gab es zum Beispiel “Barwin”, der zwar immer denselben Cocktail produziert, diesen jedoch in der Menge und Auswahl seiner Bestandteile variiert. Je nachdem, ob die Mixtur dem Genießer schmeckt oder nicht, versucht die Maschine sich der perfekten Mischung anzunähern - natürliche Auslese eben. Daneben wird es marktfähig - der “Bartendro” ist extrem schnell, blinkt hübsch und wird bereits international vertrieben.

Nicht zum Verkauf stehen zwei äußerst kreative Studenten-Projekte: Beim Steampunk-Duell “Shoot ‘n’ Shot” taggen sich zwei Teilnehmer per Laserpistole und der schnellste Schütze erhält einen Shot Vodka per Schlauch direkt in den Mund. Der Verlierer muss mit Zitronensaft vorlieb nehmen. Die "Time Machine" hingegen lässt den Zeitreisenden für einen Gin-Tonic ordentlich strampeln. Um aus Mittelalter oder Wildem Westen zu entfliehen, muss kräftig in die Pedale getreten werden. Dadurch wird der Drink sozusagen aus der Vergangenheit in die Gegenwart gepumpt.

Ganz modern: Auch das eigene Smartphone kommt zum Einsatz. Zum Beispiel, wenn ein Drink direkt online bestellt werden kann und die eigene Cocktail-Kreation in Sozialen Netzwerken geteilt wird. Speziell für Twitteraner konzipiert ist der “twitt_shitter” – der Name ist Programm. Bei einer Erwähnung des Roboters per Tweet verrichtet ein Vögelchen seine Notdurft in Form eines – nicht wirklich schmackhaften – dickflüssigen Gemischs aus Wodka, Zucker und Blue Curaçao. Ebenfalls gewöhnungsbedürftig, aber lustig ist der “Pistonbot”, konzipiert von einem ehemaligen NASA-Mitarbeiter. Unter Pfeifen und Fiepen erhält man ein merkwürdiges Etwas aus Wodka, Orangensaft und Bailey's. Wer mutig ist, trinkt es danach auch.

So richtig lecker war es dagegen bei den Veteranen, die nun schon über Jahre hinweg ihre Maschinen stetig verbessern und vorführen. “Melmacc”, im edlen Nußholz-Bar-Design, mixt am laufenden Band und ein Greifarm befördert schlussendlich sogar galant den Strohalm ins Glas. Etwas gemächlicher aber mit viel Aufwand produziert der “Robomoji” in etwa fünf Minuten einen Mojito wie aus dem Bilderbuch, Limettenpresse, Minze-Häcksler, Stößel und Eis-Crusher inklusive. Das übergroße Cocktail-Monster sieht dabei beeindruckend aus und zieht ein staunendes Publikum an, erfreut daran, wie clever und nahtlos die Zutaten zum perfekten Drink ins Glas befördert werden.

Im Gegensatz dazu wirkt der "Layerbot" fast winzig, zeigt seine Stärke jedoch an ganz anderer Stelle: Drei Schichten Flüssigkeit werden zu jeweils exakt einem Drittel in ein Schapsglas gegeben, so dass sich perfekt voneinander getrennte Schichten ergeben. Ganz nebenbei schmeckt dieser, an den B52 erinnernde, “Kurze” wirklich hervorragend. Wem das alles noch nicht nerdig genug war, der konnte sich seinen Cocktail auch einfach selbst craften, genau wie im Spiel Minecraft. Dort können verschiedenfarbige Blöcke am PC-Bildschirm ganz nach Belieben kombiniert werden und aus dem Diskettenlaufwerk des PCs fließt dann der selbst gebaute Cocktail direkt in den bereitstehenden Becher.

Nun gehören zu einer gelungenen Party auch kleine Naschereien. Neben flüssiger Nahrung kann man beispielsweise den "Bunnybot" bemühen, ein paar Erdnüsse herauszurücken. Per Knopfdruck wird das niedliche Tierchen zum Klogang veranlasst und lässt eine Portion ins Schälchen fallen - es sei denn, es leidet gerade unter Verstopfung. Für den größeren Hunger zaubert der “Amalettomat” hauchdünne Nuss-Nougat-Crêpes. Der Clou: Der fertige Crêpe wird automatisch mundgerecht gerollt und landet auf einer Serviette.

Die Roboexotica legt sich nicht fest, sondern ist gleichzeitig Festival, Medienkunst, Ausstellung und vor allem eine große Party. Über die Jahre hinweg haben die Veranstalter beinahe Angehörige der amerikanischen Botschaft mit 60 Liter Wodka-Orange aus einer Betonmischmaschine unter Strom gesetzt, eine Schwesterveranstaltung in San Francisco ins Leben gerufen und natürlich selbst weiter gefeiert. Als inzwischen feste Institution in Wien ist in jedem Jahr die Bude voll, auch wenn die Werbetrommel nur wenig gerührt wird.

Den Abschluss der Veranstaltung bildete die Awardshow, bei der in acht Kategorien unter anderem Kreativität, Effizienz und Innovation bewertet wurden. Dass nicht immer alles rund läuft, wenn Bastler und Tüftler zusammenkommen, ist auch den Veranstaltern klar und daher ist Scheitern ebenso Teil des Festivals und dessen Philosophie wie der Erfolg. Nicht selten sieht man schwitzende Menschen über Kabelbergen oder an Rechnern sitzen, verschüttete Drinks aufwischen oder missmutig “Out of Order”-Schilder schreiben. Der Spaß geht dabei trotzdem nicht verloren, sonder gibt dem Ganzen einen eigenen, familiären Charme – und das ist das Wichtigste bei dieser Roboexotica. (Franziska Bechtold) / (phs)