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Spielzeug-Hersteller Mattel steigt in den 3D-Druck ein – mit Hilfe von Autodesk

Wer 3D-Drucker rundheraus für Spielzeug hält, kann sich jetzt bestätigt fühlen: Der US-Konzern Mattel bringt im Herbst ein eigenes Gerät heraus. Die passende App für individualisierte Vorlagen kommt von Autodesk.

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(Bild: Mattel)

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Als der Software-Konzern Autodesk vor einiger Zeit im Rahmen seiner kostenlosen 123D-Anwendungen die App Tinkerplay herausbrachte, konnten wir damit wenig anfangen, wenn wir ehrlich sind – deshalb war bisher bei uns noch nichts darüber zu lesen. Tinkerplay läuft als Gratis-Anwendungen auf Mobilgeräten mit iOS, Android, Windows Phone sowie auf Windows-10-PCs und bietet einen Baukasten für bewegliche Actionfiguren vom geflügelten humanoiden Roboter bis zum bedrohlichen Skorpion. Zahlreiche ineinander gesteckte Gelenke verbinden einzelne Teile zu komplexen Gliedmaßen. Die Einzelteile exportiert die App fein säuberlich auf ein virtuelles Tablett sortiert, fertig zur Produktion auf einem 3D-Drucker.

3D-Druck

Der Sammelbegriff 3D-Druck steht heute für ein ganzes Bündel von Fertigungstechniken, die nach unterschiedlichen Prinzipien funktionieren und sich jeweils nur für ganz bestimmte Materialien eignen. Ihr gemeinsamer Nenner: Alle Verfahren bauen dreidimensionale Objekte, indem sie Material in dünnen Schichten auftragen und verfestigen.

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Wer jetzt "Spielkram" sagt, der hat recht. Denn Tinkerplay spielt offenbar eine Schlüsselrolle in einer Kooperation zwischen Autodesk und dem Spielzeughersteller Mattel. Der will mit einem Gerät namens ThingMaker in den 3D-Drucker-Markt einsteigen – das Gerät soll ab Herbst für 300 US-Dollar zu kaufen sein und dank eines weitgehend gekapselten Druckkopfes und einer automatisch verriegelten Tür während des Druckvorgangs kindersicher zu bedienen sein. Die 3D-Druckvorlagen liefert eine kostenlose App für Android und iOS namens ThingMaker Design, und in der steckt ganz eindeutig wiederum Tinkerplay von Autodesk mit drin. Das Repertoire geht bei ThingMaker Design allerdings über die beweglichen Figürchen hinaus, so sind auch Schmuckstücke wie Halsketten zum 3D-Drucken in Angebot; weitere Objekte sollen folgen.

Die von Mattel lizenzierte Autodesk-App beliefert nicht nur den kommenden ThingMaker-3D-Drucker, sondern arbeitet auch direkt mit Geräten von MakerBot, Ultimaker und Dremel zusammen. Für andere Geräte steht zumindest ein STL-Export zur Verfügung, der Datenaustausch erfolgt zum Beispiel übers Netz per Dropbox oder Google Drive. Die App legt dabei getrennte Ordner für alle verwendeten Farbe an und sortiert die 3D-Teile entsprechend ein.

Über den 3D-Drucker vom Mattel erfährt man derzeit noch so gut wie keine technischen Details. Den veröffentlichten Werbebildern nach zu urteilen dürfte der Druckraum allerdings nicht größer als 15 Zentimeter in jeder Richtung ausfallen. Für den propagierten Anwendungszweck sollte das auf jeden Fall ausreichen, da die in der App konstruierten Figuren in der Regel aus vielen kleinen Teilen zusammengesetzt werden sollen. Die Materialpalette hat es auf jeden Fall in sich: Neben dem normalen harten Kunststoff in verschiedenen Farben soll es auch flexibles Material geben und solches, was im Dunkeln leuchtet oder im Sonnenlicht die Farbe verändert.

Ein Produkt namens ThingMaker gab es von Mattel übrigens schon mal in den 60er Jahren: Damals machten sich die Kinder ihre Figürchen selber, indem sie flüssiges Plastik mit Hilfe von Gussformen aus Metall in die Gestalt von Drachen, Blumen, Soldaten oder Krabbelgetier brachten. Der neue ThingMaker ist allerdings nicht die erste klassische Produktidee, die Mattel mit Technik des 21. Jahrhunderts wiedererfindet: So zeigte die Firma auf der Spielwarenmesse in Nürnberg im Januar den als VR-Brille wiedergeborenen 3D-Bildscheibengucker View-Master. (pek)