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Stratasys Mojo: Profi-3D-Drucker zum Profipreis auf dem Prüfstand

Wir wollten mal wissen, wo der Hammer hängt und haben einen wirklich teuren Schmelzschicht-3D-Drucker unserem Standard-Testverfahren unterzogen. Der Mojo zeigt, was möglich ist – aber auch: um welchen Preis.

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Stratasys Mojo

3D-Drucker mit eigener Waschstation für das Stützmaterial: Der Mojo von Stratasys.

(Bild: Stratasys)

Bis der 3D-Druck-Konzern Stratasys sich das Start-up MakerBot kaufte, war er das preiswerteste Angebot der Firma: Der Mojo. Mit diesem Gerät versuchte Stratasys erstmals, ins Segment der preiswerten Geräte einzusteigen. Wo dieses aus der Sicht eines Profidruckerherstellers beginnt, zeigt der Preis von etwa 7000 Euro für den Mojo, zuzüglich der Waschstation, in der die Support-Strukturen aufgelöst werden.

Wir sprechen hier von einem echten Profidrucker, das ist kein Gerät, das sich der 3D-Druck-Enthusiast in den Keller stellt, um Comicfiguren zu produzieren. Solch ein Maschine schafft sich eine Firma an, um professionell 3D-Druckteile herzustellen. In diesem Einsatzszenario kommt es darauf an, dass die Maschine einfach in Betrieb zu nehmen und prozesssicher ist. Kosten spielen insoweit meist eher eine Nebenrolle, als es viel teurer ist, wenn ein hochqualifizierter und hoffentlich hochbezahlter Mitarbeiter stundenlang am Drucker herumbastelt, als wenn die Druckkosten sehr hoch, aber eben auch die Drucke zuverlässig und problemlos zu fertigen sind.

Der Mojo ist das kleinste Modell der FDM-Druckerfamilie von Stratasys, die darüber hinaus aus den etwas größeren uPrint-Modellen, der Dimension 1200es und Elite sowie den Fortus-Geräten besteht. Bis zur kleinsten Fortus 250 arbeiten all diese Drucker mit demselben ABSplus-Material P430, erst die ganz großen Geräte bieten eine breitere Auswahl. ABSplus ist in den Farben Elfenbein, Weiß, Schwarz, Dunkelgrau, Rot, Blau, Oliv, Nektarine und Neongelb verfügbar. Zudem arbeiten die Geräte mit einem wasserlöslichen Stützmaterial, das nach dem Druck weggespült wird.

Mit 12,7 cm × 12,7 cm × 12,7 cm ist der Bauraum für ein solch großes Gerät erstaunlich klein – der Grund wird klar, wenn man den Deckel hebt. Links und rechts neben dem Bauraum finden die beiden Materialspulen Platz, dahinter die Elektronik. Dann sind die Wände des Bauraums sechs Zentimeter dick, wahrscheinlich befindet sich dort eine Isolierung, denn der Druckraum wird während des Drucks auf über 80 Grad geheizt, um das berüchtigte Warping, also das Verziehen des ABS-Druckmaterials, zu verhindern. Nach oben ist der Druckraum mit einer Jalousie abgeschlossen, die dem Druckkopf seine Bewegungen in XY-Richtung ermöglicht. In Z-Richtung bewegt sich der Drucktisch, neben dem übrigens noch zwei Behälter stehen, in die während der Druckkopfreinigung Materialreste fallen.

3D-Drucker Statasys Mojo (11 Bilder)

Mit der Software namens Print Wizard lassen sich STL-Dateien zwar laden, in deren automatische Positionierung kann man jedoch nicht selbst eingreifen.

Am Ende bleibt also eine Druckfläche von 12,7 cm × 12,7 cm übrig. Auf dem stählernen Drucktisch wird vor dem Druck eine Bauplattform eingeklickt, die aus ABS besteht und nach jedem Druck weggeworfen wird. Die mannigfaltigen Probleme, die preiswertere Drucker mit der Haftung der Druckobjekte auf der Bauplattform haben, kennt der Mojo damit nicht.

Die Software des Mojo besteht aus zwei Teilen, dem "Print Wizard" und dem "Mojo Control Panel". Startet man den Print Wizard, öffnet sich zunächst ein Fenster, in dem man das zu druckende STL-Modell auswählt. Weitere Modelle kann man dann in der Programmoberfläche hinzufügen. Die Software des Mojo erlaubt – im Gegensatz zu derjenigen der größeren Schwestermodelle – kein manuelles Positionieren der Objekte, sondern ordnet diese selbst an. Damit kann keine gebrauchte Plattform nochmals nutzen, indem man den schon benutzten Bereich freilässt.

Allerdings lassen sich die Modelle drehen, vervielfältigen und skalieren. Passt ein Modell nicht in den Bauraum, skaliert die Software das Teil selbständig. Auch die weiteren Auswahlmöglichkeiten sind nicht gerade umfangreich. Die Schichtdicke ist auf 0,178 Millimeter festgelegt, der Benutzer darf entscheiden, ob das Modell massiv oder mit geringer Dichte – geschätzt 40 Prozent – erstellt wird. Beim Stützmaterial gibt es die Auswahl zwischen "Smart", "Basic" und "Surround" – minimaler Materialverbrauch, dichter Innenbereich und komplette Verhüllung des Modells. Ich habe stets Smart gewählt, und auch in dieser Einstellung sparte der Drucker nicht am Stützmaterial und baute beispielsweise bei jedem waagerechten Loch oder bei Schrift in senkrechten Wänden eine Pyramide am Bauteil entlang hoch. Die Nutzung von Stützmaterial kann übrigens nicht abgeschaltet werden: Sogar an Bauteilen, die auf anderen Druckern definitiv ohne Stützen gedruckt werden, fand die Mojo-Software noch Möglichkeiten, Stützmaterial anzubringen.

Ein Schwachpunkt der Software ist, dass Druckplatten, also komplette druckbereite Teilesammlungen, nicht gespeichert werden können. Drückt man im Print Wizard auf "Drucken", werden die Druckdateien erzeugt und auf dem Mojo übertragen. Ist dieser zu diesem Zeitpunkt versehentlich ausgeschaltet, landen die Druckdateien im Nirwana und man beginnt wieder bei einer leeren Druckplattform.

Der Mojo ist als CoreXY-Drucker aufgebaut; diese Technologie erlaubt es, den Druckkopf mit zwei stationären Motoren in einer Ebene zu bewegen. Von Vorteil gegenüber seriellen Anordnungen – ein Motor bewegt den nächsten mit – sind die geringen bewegten Massen, die es ermöglichen, den leichten Druckkopf schnell, präzise und ohne Vibrationen zu positionieren. Die massive Bauweise beeindruckt, die unter dem Deckel des Mojo zum Vorschein kommt. Da sieht man schnell, wo die hohe Druckqualität herrührt.

Etwas enttäuschend ist, dass solch ein teurer Drucker nicht autark drucken kann – der Mojo empfängt die Druckdaten kontinuierlich von einem über USB angeschlossenen PC. Die Enttäuschung hat nicht nur Gründe, die mit dem Energieverbrauch des mitlaufenden Rechners zu tun haben; dieser PC beziehungsweise die darauf laufende Software bilden eine zusätzliche Fehlerquelle. Der einzige Fehldruck im Test rührte von einem Absturz meines Laptop her. Man sollte am besten dem Mojo einen PC zuordnen, auf dem außer Betriebssystem und Druckersoftware keine weiteren Programme laufen. Ein dedizierter Mini-Rechner, der in den Mojo eingebaut ist, wäre schöner. Die größeren Schwestermodelle des Mojo arbeiten übrigens alle autark.

Aus dem Make-Testlabor

Die Make-Redaktion probiert viel mehr aus, als ins alle zwei Monate erscheinende Heft passt. Deshalb veröffentlichen wir auf unserer Webseite in loser Folge weitere Testberichte.

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Die Druckergebnisse, die der Mojo präsentiert, sind in jeder Beziehung hervorragend. Der Drucker benötigt keinerlei Einstellarbeit, man stellt ihn auf, installiert die Software und kann loslegen. Die erzeugten Bauteile sind maßgenau und sauber gedruckt. Die zeigt sich nicht nur an allen Oberflächen, sondern auch an den scharfen Kanten und Ecken. Die Oberflächen sind gleichmäßig und so glatt, wie das bei einem Schichtaufbau möglich ist. Auch die Gelenke des Make-Testroboters sind problemlos zu bewegen. Der Mojo dürfte ein Referenzmodell des FDM-Drucks darstellen, wenn es um Druckqualität geht. Allerdings hat er gegenüber seinen unvergleichlich günstigeren Mitbewerbern den Vorteil, dass er seine Objekte gezwungenermaßen mit Stützen druckt. Die anderen FDM-Drucker in unseren Tests müssen sich an den Teststücken stets ohne Stützen versuchen.

Diese Qualität und Zuverlässigkeit geht, wie erwähnt, mit nicht gerade geringen Druckkosten einher. Man hat den Eindruck, dass Stratasys alle potentiellen Probleme mit Geldeinsatz umschifft: Probleme mit der Haftung auf der Bauplattform? Kein Problem: man nehme für jeden Druck eine neue, Kostenpunkt 2,40 Euro, sowie ein Raft aus Stützmaterial. Probleme mit Überhängen? Kein Problem, immer massiv mit Stützmaterial arbeiten. Auch wenn das bedeutet, dass jeder Druck einige Stunden in der 750 Euro teuren, optionalen Waschstation gekocht werden muss, damit sich das Stützmaterial auflöst – Kostenpunkt neben den Stromkosten 3,75 Euro pro Waschvorgang für die Waschmitteltablette. Qualitätsprobleme beim Material, verstopfte Druckköpfe? Kein Problem, der Mojo nimmt nur sein eigenes Material, bei dem der Druckkopf mitgewechselt wird. Kostenpunkt pro 1311 cm³: 325 Euro. Das Stützmaterial kostet dasselbe wie das Druckmaterial.

Gerät Mojo
Hersteller Stratasys
Bauraum 12,7 cm × 12,7 cm × 12,7 cm
Drucktisch
ABS-Platte (Einweg)
Software Print Wizard / Mojo Control Panel (Windows XP/7)
Material ABSplus (proprietär)
Druck über ... USB
Druckqualität sehr gut
Preis ab 7000 € (ohne Waschstation)

Das Drucken von ABSplus und das Kochen der Bauteile ist mit Geruch verbunden, man sollte den Drucker nicht am Schreibtisch betreiben, sondern in einem eigenen Raum unterbringen. Nach Auskunft eines Spezialisten des Systemhauses Solidpro, das den Drucker zum Test zur Verfügung stellte, ist die Geruchsbelastung bei den größeren Stratasys-Gerätem geringer. Die Geräuschentwicklung hält sich dagegen in Grenzen – hier helfen die massive und geschlossene Bauweise.

Wenn es wirklich um höchste Druckqualität und reibungsloses Drucken geht, ist der Mojo im FDM-Bereich kaum zu schlagen – außer durch seine größeren Schwestern und Brüder. Allerdings hat Stratasys – wohl um die Verkäufe der größeren Modelle nicht zu gefährden – dem Mojo einige Einschnitte mitgegeben, beispielsweise die Software ohne eigene Positioniermöglichkeiten und der vom PC aus gesteuerte Druck, die schnell Sehnsucht nach den größeren Modellen aufkommen lassen. (Ralf Steck) / (pek)