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Technik kapert die Mode-Woche: Wearables werden Teil der Fashion Week Berlin

Die Berlin Fashion Week zog vom 6. bis 10. Juli internationale Modestars und Designer in die Hauptstadt. Mit von der Partie: Wearables, Computertechnik zum Anziehen, Thema der Begleitveranstaltung namens FashionTech.

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(Bild: Bild: René Bohne)

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Fashion Week, Fashion Tech – leuchtende Designerkleider und 3D-gedruckter Schmuck für Menschen, die sonst schon alles im Kleiderschrank haben? Für Maker ist da wenig dabei, könnte man denken. Doch in Wirklichkeit haben viele Wearables noch den Charme eines Prototypen. Hier gibt es noch Handarbeit in einer Branche, die längst in der industriellen Massenproduktion aufgegangen ist.

Allerdings nehmen die Kreativen aus der Fashion-Tech-Branche genauso oft den Lötkolben in die Hand wie die Nähnadel. Dabei haben sie mit denselben Problemen zu kämpfen, die die Wearable-Pioniere aus der Maker Community schon seit mehr als sechs Jahren kennen. Waschen kann man die elektrischen Verbindungen nur schlecht und beim Tragen entstehen mechanische Spannungen, die an den Garnen und Geweben zerren, was irgendwann zu Wackelkontakten führt.

FashionTech auf der Berlin Fashion Week 2015 (11 Bilder)

Elektrocoutoure bei Premium Exhibitions

Schmuck und Elektronik verschmelzen bei den Stücken von Elektrocouture.
(Bild: René Bohne)

Eines der größeren Events der Fashion Week veranstaltet die Messe Premium Exhibitions. Dabei dominierten vor allem die leuchtenden Mäntel und aufwändigen LED-Schmuckstücke des Berliner Studios Elektrocouture die Szene im vierten Stock des Kühlhauses am Gleisdreieck.

Mode trifft Elektronik

Es muss nicht immer der Lötkolben sein: Auch mit einer Nähnadel lassen sich Schaltkreise bauen. Mit etwas Elektronik wird Kleidung interaktiv.

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Gemeinsam mit Microsoft hat der Berliner Senat den Wearable IT Fashion Tech Berlin Award vergeben. Die Bandbreite der Einreichungen wird klar, wenn man sich die beiden Gewinner anschaut: Der Datenhandschuh Mi.Mu der Pionierin für selbstgebaute Wearables Hannah Perner-Wilson teilt sich den Preis mit einer App, die als Assistenzsystem für Demenzkranke vom Team um Julia Danckwerth entwickelt wurde. Eine weitere App, die an dem Wettbewerb teilgenommen hat, soll Migräneanfälle vorhersagen, während die nächste den Blutzucker im Auge behält.

Damit werden die Begriffe Wearable IT und Fashion Tech sehr breit gefasst. Andere Teilnehmer haben an neuen Stoffen geforscht, die in Zukunft ein textiles Display Wirklichkeit werden lassen sollen. Fabian Hemmert, der vor allem durch seinen TED Talk über Mobiltelefone der Zukunft bekannt ist, zeigte durch seinen Beitrag, dass auch Interaktionsmöglichkeiten für den Erfolg von Wearables wichtig sind. Seine elektronischen Ringe können dazu verwendet werden, um Gesten zu erkennen und damit als Eingabeschnittstelle für intelligente Kleidung dienen.

Ebenfalls bei Microsoft fand das Wearable Tech Meetup statt, das Thomas Gnahm von der Gruppe Trafopop regelmäßig organisiert. Nach vier Vorträgen machte sich das Publikum auf den Weg zu einer Fashion-Tech-Modenschau in der Platoon Kunsthalle.

Auf dem Catwalk präsentierten die Modells vor allem leuchtende, interaktive oder 3D-gedruckte Wearables. Untermalt wurde die Show durch den Künster WillPower, der in Processing ein eigenes Set für die Veranstaltung programmiert hatte. Eine umfangreiche Ausstellung begleitete die Veranstaltung, die unter anderem Kollektionen von Studierenden und Absolventen der Modeschule ESMOD, von Trafopop und Wear-LEDs zeigte.

Das reizvolle an dieser Veranstaltung: Sie war öffentlich zugänglich und kostete keinen Eintritt. Viele Maker aus Berlin waren vor Ort und so fand ein reger Austausch über selbstgebaute Wearables statt. Veranstalter war der Pop Up Fashion Store Berlin, der noch bis zum 30. August in der Brunnenstrasse 190 eine Bleibe gefunden hat. Wer die Show verpasst hat und sich für Fashion Tech oder frische Mode-Ideen generell interessiert, kann dort bis Ende August noch vorbeischauen.

Ob Berlin jetzt Deutschlands Fashion-Tech-Hauptstadt ist und wann Wearables bei den großen Modelabels auf dem Laufsteg ankommen oder gar in die Geschäfte gelangen, muss die nächste Berlin Fashion Week zeigen. Zumindest bekommen Wearables mittlerweile viel Aufmerksamkeit, nicht zuletzt, seitdem Google mit dem Projekt Jaquard das Thema in die breite Öffentlichkeit getragen hat.

(René Bohne) / (pek)