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Überraschend gut: 3D-Drucker Idea Builder von Dremel

Was kann schon rauskommen, wenn ein Platzhirsch der Werkzeugbranche einen chinesischen 3D-Drucker abspeckt und seinen Namen draufschreibt? Im Fall von Dremel: Spitzen-Druckqualität.

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(Bild: Dremel)

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Dremel 3D Idea Builder
Dremel 3D Idea Builder ab € 582,88

Auf den ersten Blick hat der Idea Builder außer dem prominenten Namen Dremel nichts besonderes zu bieten: Andere 3D-Drucker bauen größere Objekte – hier ist bei 23 cm × 15 cm × 14 cm Schluss. Billigere Geräte gibt es auch, die Maschine hat nur einen Druckkopf und keinen beheizten Tisch und verarbeitet nur PLA. Darüber hinaus hat der Werkzeughersteller "seinen" 3D-Drucker gar nicht selbst entwickelt. Das Gerät stammt aus einer Kooperation mit dem chinesischen Hersteller Flashforge, und sieht dessen 3D-Drucker mit dem stimmungsvollen Namen Dreamer ziemlich ähnlich. Allerdings hat jener vieles, was dem Dremel-Drucker fehlt: Einen zweiten Extruder, WLAN und eine beheizte Bauplattform, die es erlaubt, auch mit ABS zu drucken.

Mit so einer Vorgeschichte läuft der Idea Builder Gefahr, als reines me-too-Produkt abgehakt zu werden. Die Überraschung folgte bei uns dann aber im Testlabor: Vom Fleck weg druckte der Dremel 3D Idea Builder unsere Probestücke in sehr guter Qualität und übertrumpfte dabei selbst die Geräte etablierter Hersteller wie Ultimaker und MakerBot. Eine ausführliche gedruckte Anleitung kommt allen entgegen, für die der Idea Builder der erste 3D-Drucker ist, mit dem sie in Berührung kommen. Auch die Software ist einsteigerfreundlich gestaltet und blendet Parameter wie die Düsentemperatur und die Schichtdicke in der Standard-Ansicht erst einmal aus – in der Regel muss man daran nicht mehr drehen, um hervorragende 3D-Objekte zu drucken. Auf den Dremel-3D-Webseiten wird noch mehr Service geboten, etwa Druckvorlagen zum Herunterladen, Projektbeschreibungen und Online-Mini-Anwendungen zum Individualisieren von Objekten wie Schlüsselanhängern.

3D-Drucker Idea Builder von Dremel (10 Bilder)

Geschlossenes Gehäuse

Der 3D-Drucker von Dremel ist passend zu den Farben der Corporate Identiy in blau und silber gehalten. Das Gehäuse ist mit Ausnahme einiger Lüftungsschlitze geschlossen. Der blaue Decke ist abnehmbar, was Wartung und Materialwechsel erleichtert.
(Bild: Dremel)

An einen Tipp aus der Anleitung sollte man sich allerdings halten: Jedesmal, wenn man die Bauplattform aus dem Drucker entnommen hat – was nur einen Handgriff braucht – muss man den Abstand zwischen Düse und Drucktisch danach wieder neu justieren. Das erledigt man auf die übliche Weise, indem man den Druckkopf vier Positionen auf dem Tisch anfahren lässt, den Abstand mit einer dazwischengeschobenen Visitenkarte prüft und gegebenenfalls mit Rändelschrauben unter der Plattform korrigiert, was insgesamt in einer Minute erledigt ist. Überspringt man diesen Schritt aber, läuft man Gefahr, dass sich der nächste Druck zum Teil von der Plattform löst und sich dadurch die Grundfläche verzieht oder schon von Anfang an keine Haftung bekommt und wiederholt werden muss.

Dremel versucht die Nutzer seines 3D-Druckers auf die sanfte Art zum Kauf des Original-Druckmaterials zu bewegen: Zwar sind in die Spulen keine Chips integriert, die Fremdmaterial ausschließen würden, und auch der Durchmesser des Plastikdrahts entspricht mit 1,75 Millimetern einem Standardmaß. Dafür müssen die Spulen genau die richtige Geometrie haben, vom Durchmesser bis zur Bohrung, damit sie in das Gehäuse des Idea Builder passen und sich auf die vorgesehene Achse ziehen lassen. Auf der anderen Seite kann man natürlich auf eine solche Originalspule auch anderes 1,75-Millimeter-Filament wickeln und von Hand die Parameter für Düsentemperatur und Materialvorschub in der Software anpassen – die entsprechenden Felder werden sichtbar, wenn man bei den Einstellungen die erweiterten Druckoptionen aktiviert.

Rundheraus hat uns der Idea Builder von Dremel durch seine hervorragende Druckqualität im Test begeistert. Man muss dafür allerdings ein geschlossenes System in Kauf nehmen: Es passen nur Originalspulen hinein, bei denen man für ein halbes Kilo PLA 30 Euro bezahlt. Die proprietäre Software mit ihren wenigen Stellschrauben scheint genau auf dieses Material optimiert zu sein, im Zusammenspiel mit der BuildTak-Beschichtung des Drucktisches aus Acrylglas. Wer mit solchen Einschränkungen leben kann, findet im Idea Builder einen zuverlässigen 3D-Drucker, der qualitativ in seiner Preisklasse alles in den Schatten stellt, was wir bisher im Testlabor hatten. Und für alle, die einfach nur drucken wollen, ist ein solches System mit perfekt aufeinander abgestimmten Komponenten vielleicht auch genau das Richtige.

Die Ergebnisse der systematischen Druckqualitätsprüfung finden Sie in unserer Online-Vergleichstabelle zu FDM-3D-Druckern. (Peter König) / (pek)