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Das Gute sehen – und zahlen

Der christliche Streaming-Anbieter Yesflix hat seine Ausgießung-… äh, Verbreitungswege erweitert.

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"Das Gute sehen" lässt sich nun auch mit Apps für Fire TV und Apple TV.

(Bild: Yesflix)

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Sind Sie es leid, von ihrem Streaminganbieter dauernd mit einer negativen Einstellung zum Leben berieselt zu werden? Wollen Sie nicht mehr mit Intoleranz, Nächstenhass und Unerbittlichkeit bombardiert werden? Dann könnten Sie Yesflix schauen, denn dort sind 700 Sendungen zu sehen, in denen es vor allem um den respektvollen und empathischen Umgang zwischen Menschen geht; Liebe, Partnerschaft, Familie – von Christen gerne hochgehalten.

Was ehedem aus dem Munde des Propheten Joel "den Geist ausgießen" hieß, ist hierzulande seit 2019 das "christliche Streaming". Seinerzeit ging diese Nachricht an uns vorbei, nun haben wir einen Anlass gefunden, um diese Form der Missionierung in diese Öffentlichkeit hier zu rücken: Es gibt jetzt auch eine App für Amazon Fire TV und eine fürs Apple TV.

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Das Internet ist voll von heißen IT-News und abgestandenem Pr0n. Dazwischen finden sich auch immer wieder Perlen, die zu schade sind für /dev/null.

Yesflix bietet nach dem selbstgesetzten Slogan "das Gute sehen" Dramen, Romantik und Komödien, Dokumentationen und Kinderprogramme, darunter Titel wie "Adventurers – Mission Zeitreise", "Babaloos", "Circle of Life – Baby Planet", "Der kleine Bär", "Der Drachenjäger", "Cedar Cove – das Gesetz des Herzens", "Die Robinsons – Aufbruch ins Ungewisse" und die Jeannette-Oke-Reihe. Natürlich darf das frühere Bonanza-Nesthäkchen als "Ein Engel auf Erden" nicht fehlen.

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Hinter Yesflix-Betreiber Bibel TV versammelt sich ein bunter Strauß christlicher Gesellschafter, darunter die Deutsche Bibelgesellschaft, die Vereinigung Evangelischer Freikirchen und die Beteiligungsgesellschaft Astratel, die die römisch-katholischen Medienaktivitäten bündelt. Die beiden größten deutschen Kirchen sind zu jeweils 12,75 Prozent an Bibel TV beteiligt.

Da wäre es zu erwarten, dass Yesflix wie das Bibel TV uns verlorenen, zu bekehrenden Schafen nichts kosten sollte, ebenso wie der Gottesdienstbesuch und die kleinen Bibeln in den Nachttischchen der Hotelzimmer, in denen wir auf Reisen schmökern. Nichts da, Yesflixens frohe Botschaft kostet monatlich 7,99 Euro. Dann können "die Töchter weissagen, die Alten Träume haben, eure Jünglinge sollen Gesichte sehen", wie Prophet Joel es ausdrückt – und die Kirchen schwindende Steuereinnahmen auszugleichen versuchen.

(anw)