De-Mail: Rückkehr der Postillione

Die De-Mail hat ausgedient: Dabei hätte sie für Verbraucher große Vorteile – aber eben nicht für die Konzerne, die an ihnen verdienen wollen.

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Von
  • Tim Gerber

Suchen Sie noch nach einer guten Möglichkeit, Ihr sauer Erspartes vor der Inflation zu retten? Da hätte ich einen Tipp: Kaufen Sie sich eine Postkutsche. Denn so, wie die Ampel-Regierung ihre Chefsache Digitalisierung betreibt, werden die Gefährten aus der Zeit derer von Thurn und Taxis künftig wieder wichtig.

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Seit dem 1. September, als die Telekom ihren De-Mail-Dienst einstellte, sind nahezu alle Bundesministerien einschließlich Kanzleramt und jenem für Digitalisierung nicht mehr rechtssicher elektronisch erreichbar. Die hohen Damen und Herren haben es nicht vermocht, den Wechsel zu einem anderen Provider rechtzeitig zu vollziehen. "Das Postfach ist geschlossen", schreibt die Telekom in ihrer Fehlermeldung, wenn man Scholz & Co. ein elektronisches Einschreiben zukommen lassen will. Dass der Umstieg von der Telekom für Privatanwender beschwerlich würde, war abzusehen. Aber die Bundesregierung sollte so etwas hinbekommen. Sie hat schließlich einen entscheidenden Vorteil: Macht.

Falls Sie meinen, De-Mail sei überflüssig: Haben Sie mal versucht, einem widerspenstigen Provider, Energieversorger, einer Bank oder Versicherung nachweisbar eine Kündigung zuzustellen? Das wäre per De-Mail für 78 Cent zu haben. Der Zustellnachweis kommt sofort und sein Beweiswert ist gesetzlich verbrieft. Doch weil der Gesetzgeber es unterlassen hat, die De-Mail wenigstens für einige von Marktriesen beherrschten Branchen verbindlich vorzuschreiben, geht so etwas nur per Postkutsche und kostet dann an die sechs Euro. Der angeforderte Rückschein kommt oft ohne Unterschrift oder gar nicht zurück. De-Mail hätte für Verbraucher große Vorteile – aber eben nicht für die Konzerne, die an ihnen verdienen wollen.

Der viel geschmähte Dienst könnte ohne großen Aufwand das Land ein gutes Stück bei der Digitalisierung voranbringen. Schriebe der Gesetzgeber nur ein paar wenige Sätze in bereits vorhandene Regularien über Banken, Versicherungen, Energieversorger und Kommunikationsanbieter, würden die Karten neu gemischt. Die Bundesregierung scheint sich aber eher nach der guten alten Postkutsche zu sehnen. Also legen Sie ihr Geld lieber dort an, statt in digitale Dienste zu investieren.

c't Ausgabe 25/2022

(Bild: 

c't 24/2022

)

In der c't 25/2022 haben wir uns Smartphones von 50 Euro bis 2000 Euro angeschaut und erklären, was Käufer von Einsteiger-, Mittelklasse- und High-End-Geräten erwarten dürfen. Es muss auch nicht immer neu sein: Mit unseren Tipps verlängern Sie das Leben Ihres aktuellen Smartphones. KI-Bildgeneratoren sind zurzeit in aller Munde. c't zeigt, was die künstlichen Künstler leisten und wie man Ihnen prächtige Bilder entlockt. Dazu widmen wir uns den rechtlichen und moralischen Fragen. Außerdem installieren wir Linux auf Macs mit Apple-Chips, zocken Retro-Games auf dem Steam Deck und das c't-Labor hat einen neuen Rekord zu vermelden. Das alles und noch mehr lesen Sie in c't 25/2022.

(tig)