Edit Policy: GitHubs KI Copilot ist keine Urheberrechtsverletzung

Der Output einer Maschine ist urheberrechtlich nicht schutzfähig – er ist gemeinfrei. Das ist für den Zugang zu Wissen und Kultur wichtig, erklärt Julia Reda.

Lesezeit: 10 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 38 Beiträge

(Bild: VideoFlow/Shutterstock.com)

Von
  • Felix Reda
Inhaltsverzeichnis

GitHub sorgt mit seinem Programm Copilot aktuell für viel Aufregung in der Freie Software-Szene. Copilot ist eine auf Grundlage von öffentlich verfügbarem Quellcode und Texten trainierte künstliche Intelligenz, die beim Programmieren in Echtzeit Codevorschläge produziert. Da sich Copilot dabei auch der zahlreichen GitHub-Repositories unter Copyleft-Lizenzen wie der GPL als Trainingsmaterial bedient, sehen einige Kommentator:innen in Copilot eine Urheberrechtsverletzung, denn Copilot steht seinerseits nicht unter einer Copyleft-Lizenz, sondern soll nach einer Testphase als kostenpflichtige Dienstleistung angeboten werden.

Die Kontroverse berührt gleich mehrere urheberrechtliche Aufregerthemen. Erstaunlich an der aktuellen Debatte ist, dass die Rufe nach einer möglichst weiten Auslegung des Urheberrechts nun ausgerechnet aus der Mitte der Freie Software-Community kommen.

Copyleft-Lizenzen sind eine geniale Erfindung, mit der sich die Freie Software-Szene das Urheberrecht als scharfes Schwert der Inhalteindustrie zunutze gemacht hat, um den freien Austausch von Kultur und Innovation zu fördern. Unter Copyleft lizenzierte Werke dürfen von allen kopiert, geändert und verbreitet werden, solange alle Kopien oder abgeleiteten Werke ihrerseits unter denselben Bedingungen weiterverwendet werden dürfen. Auf diese Weise entsteht eine positive Dynamik, dank der immer mehr Innovationen der Allgemeinheit offenstehen. Das Urheberrecht, das eigentlich dazu konzipiert war, Exklusivität über Schöpfungen zu garantieren, wird hier genutzt, um zu verhindern, dass der Zugang zu abgeleiteten Werken beschränkt wird.

Klar ist aber auch, dass es gar keine Copyleft-Lizenzen geben müsste, wenn das Urheberrecht nicht grundsätzlich ein so hohes Maß an exklusiver Kontrolle über geistige Schöpfungen garantieren würde. Wenn es nicht möglich wäre, mittels des Urheberrechts die Nutzung und Modifizierung von Software-Code zu verbieten, dann bräuchte es auch keine Lizenzen, die verhindern, dass Entwickler:innen von diesen Verbotsrechten Gebrauch machen. Deshalb ist es so widersinnig, wenn sich Copyleft-Enthusiast:innen für eine Ausweitung des Urheberrechts stark machen. Denn sie müssen bedenken: Diese Ausweitung von Verbotsrechten stärkt nicht nur die Durchsetzung von Copyleft-Lizenzen, sondern auch die sehr viel verbreiteteren Copyright-Lizenzen, die genau das Gegenteil bezwecken.

Genau das passiert aber in der aktuellen Debatte um GitHubs Copilot. Weil hier ein großes Unternehmen – GitHubs Mutterkonzern Microsoft – von der Existenz freier Software profitiert und eine kommerzielle Dienstleistung darauf aufbaut, mag die Idee naheliegen, das Urheberrecht zu nutzen, um Microsoft diese Entwicklung zu verbieten. Die Copyleft-Szene läuft hier aber Gefahr, eine Ausweitung des Urheberrechts auf Handlungen zu fordern, die bisher aus gutem Grund nicht unter das Urheberrecht fallen. Diese Ausweitungen hätten jedoch fatale Folgen für den freien Zugang zu Wissen und Kultur, den Copyleft-Lizenzen eigentlich fördern wollen.

Kolumne: Edit Policy

(Bild: 

Volker Conradus, CC BY 4.0

)

In der Kolumne Edit Policy kommentiert der ehemalige Europaabgeordnete Felix Reda Entwicklungen in der europäischen und globalen Digitalpolitik. Dabei möchte er aufzeigen, dass europäische und globale netzpolitische Entwicklungen veränderbar sind, und zum politischen Engagement anregen.

Es kursieren zwei Varianten der Kritik an GitHubs Copilot. Einerseits wird bereits die Verwendung von Freier Software als Ausgangsmaterial für die KI-Anwendung kritisiert, andererseits die Möglichkeit von Copilot, selbst Outputs zu erzeugen, die auf den Trainingsdaten basieren (und die Kommerzialisierung dieser Funktionalität). Beides mag man ethisch verwerflich finden, doch das Urheberrecht wird dabei nicht verletzt.