Energiewende: Selbstversorgung mit Hindernissen

Jeder sollte eigenen Strom erzeugen können. Doch bürokratische Hürden, technische Überanforderungen und Lobbyisten stehen dem hierzulande viel zu häufig im Weg.

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  • Georg Schnurer

Wenn wir unsere Energieversorgung nicht konsequent auf Erneuerbare ausrichten, wird das nichts mit dem Überleben der Menschheit. Was also läge näher, als mit anzupacken und Teile des eigenen Energiebedarfs selbst zu erzeugen? Die Technik dafür ist längst da.

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Doch wo kämen wir da hin, wenn einfach jeder seinen eigenen Strom produziert? Energieversorgern droht damit die kalte Enteignung: Weniger Energiebedarf aus dem Netz schmälert ihre Gewinne und verringert die Abhängigkeit der Konsumenten. Das darf nicht sein, raunt der Lobbyist dem Bürokraten seit Jahrzehnten zu und so pflastert eine Flut technischer und bürokratischer Hürden den Weg all jener, die von einer Energiewende in Bürgerregie träumen.

Da werden für Kleinstkraftwerke am Balkon unsinnig teure Elektroinstallationen und Stecker gefordert, und will eine Mietergemeinschaft eine PV-Anlage für den Eigenverbrauch installieren, kommen zu den technischen Hürden auch noch fiskalische: Das Finanzamt erzwingt einen überbordenden Abrechnungs- und Dokumentationsaufwand. Kein Wunder also, dass Vermieter die von der Dach-PV erzeugte Energie lieber komplett an den Energieversorger verkaufen, als sie mit den Mietern zu teilen – wenn der Vermieter denn überhaupt bereit ist, in eine PV-Anlage zu investieren.

Deutsche Städte bieten viele Dachflächen. Doch solange es vor allem Enthusiasmus und Leidensfähigkeit bedarf, um dort Sonnenkraftwerke zu errichten, werden sich da keine PV-Module materialisieren. Was wir brauchen, ist eine entschlossene Politik, die bürokratische Hürden abbaut, technische Überanforderungen zurechtstutzt und endlich den Mut aufbringt, sich gegen die ständigen Einflüsterungen der Energie-Lobbyisten und mitunter auch gegen den kleinen Koalitionspartner durchzusetzen.

Bis dahin sind es vor allem Idealisten, die die Energiewende voranbringen und damit nicht nur die Umwelt schützen, sondern Deutschland auch unabhängiger von Despoten und durchgeknallten Machtstrategen machen.

c't Ausgabe 21/2022

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(gs)