Flugreisen: Mehr Simulation wagen

Mit dem Release des neuen Flugsimulators sind digitale Erlebnisse wieder groß im Gespräch und realitätsnahe Erfahrungen werden möglich.

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Von
  • Tim Gerber

Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass Corona von Bill Gates gesteuert wird, sollten mit der Veröffentlichung des neuen Flugsimulators aus Redmond die letzten Zweifel beseitigt sein: Wie sonst konnte die Softwareschmiede wissen, dass ich gerade jetzt nichts dringender gebraucht habe als simuliertes Fliegen am PC?

Ohne das Haus verlassen zu müssen, entfliehe ich der Verödung des Homeoffice. Wer wollte sich da noch in ein echtes Flugzeug quetschen? Okay, der markante Schornstein der Alfelder Papierfabrik fehlt und auch das Welfenschloss Marienburg gibt es nur rudimentär. Aber sonst ist das malerische Leinetal wirklich verdammt gut getroffen. Rundflüge über Malle mit dem Simulator sind bestimmt auch ganz zauberhaft und garantiert so virenfrei wie das eigene Wohnzimmer.

Könnte man nicht auch viele andere Freizeitaktivitäten in die virtuelle Welt verlegen? Alles, was lärmt und nervt und dem Klima schadet? Etwa all die Motorräder, die sich an schönen Wochenenden lautstark und stinkend durchs Leinebergland schlängeln. Die Vibrationen des Motors, die Biker so lieben, ließen sich mit moderner Beschallungstechnik ohne Weiteres auf einen entsprechenden Sitz übertragen.

Der Nervenkitzel käme dabei ebenfalls nicht zu kurz. Schließlich bekommt die KI des Flugsimulators ganz autonom die eine oder andere Bruchlandung hin. Warum sollte es da beim simulierten Formel-1- oder MotoGP nicht auch zu atemberaubenden Crashs und spektakulären Stürzen kommen? Ohne Risiko und absolut hygienisch. Wie schön könnte die Welt doch sein, wenn man mehr simulieren würde. Keine Staus mehr im Winter Richtung Alpen und keine mit Bettenburgen zubetonierten Täler mehr.

Für solche Vergnügungen am PC könnte man – Versorgung der Rechenzentren mit erneuerbarer Energie vorausgesetzt – selbst Greta Thunberg begeistern. Die hat doch bestimmt gemeinsam mit Gates auch die Fertigstellung des Berliner Flughafens hinausgezögert, den man in der Simulation wie real vermisst. So kann Microsoft uns die detailgetreue Nachbildung später als Add-on verkaufen. Aber egal, was es kostet, ich werde bei der Eröffnung live dabei sein. Im Simulator, versteht sich.

Tim Gerber

Dieser Artikel stammt aus c't 20/2020.

(tig)