G Suite nicht mehr gratis? Hört auf zu jammern, Google macht das beste Angebot

Google fixt an und verlangt dann Geld? Nein, vielmehr sind G-Suite-Nutzer überraschend lang kostenlos weggekommen, kommentiert Schlomo Schapiro.

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(Bild: Ascannio/Shutterstock.com)

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  • Schlomo Schapiro

Oh nein, Google nimmt mir wieder was weg! Mein erster Gedanke zur Abkündigung meiner kostenlosen, seit 2010 genutzten G-Suite-Domain ähnelt auch vielen Kommentatoren im Netz. Doch der Schein trügt, Google zwingt mich eher dazu, mich mit den wahren Kosten meiner persönlichen IT-Landschaft auseinanderzusetzen.

Ein Kommentar von Schlomo Schapiro

Schlomo Schapiro ist ein Agiler-IT- und Open-Source-Enthusiast, der sich für ein agiles Mindset und DevOps-orientierte Kultur in der IT engagiert. Er arbeitet als Principal Engineer bei Forto in Berlin, ist Autor von diversen Open-Source-Projekten, trägt auf Konferenzen vor und veröffentlicht regelmäßig Blog- und Magazinartikel.

Wir sind eine Großfamilie, für uns waren die kostenlose 10-Benutzer-Edition von G Suite die ideale Plattform für die gesamte Organisation und Kommunikation der Familie. Nachdem ich als ehemaliger IT-Consultant jahrelang die gesamte Familieninfrastruktur auf dem sprichwörtlichen Server auf Standard-Open-Source-Tools im eigenen Keller betrieben hatte, war 2010 die Zeit für die persönliche Cloud-Migration gekommen. Rückblickend war das eine goldrichtige Entscheidung, hatte ich doch eh keine Zeit mehr für den ganzen Adminkram.

Heute ist die Cloud in Form von Google Workspace nicht mehr aus dem Familienalltag wegzudenken. Bis auf meinen Linux-Desktop gibt es nur Chromebooks im Haus, ein altes Chromebook dient sogar unter Android als Familien-Dashboard in der Küche. Das IT-Ökosystem von Google funktioniert für uns sehr gut und wir verwenden die Security-Einstellungen von Google Workspace, um die Daten und Geräte der Familie abzusichern. Ausfälle oder Probleme gab es bisher keine und mein Aufwand als Familien-Administrator ist minimal.

Und alles das nimmt mir Google jetzt weg? Das ist tatsächlich ein möglicher Blickwinkel auf das Thema, aber in meinen Augen der völlig falsche Ansatz. In Wahrheit hat mir Google seit 2010 100 Prozent Rabatt auf das Produkt gegeben und in Wahrheit war mir immer schon bewusst, dass irgendwann die Zeit der kostenlosen G-Suite-Domain vorbei sein wird. In meiner persönlichen Planung war das entweder beim siebten Kind oder nach der ersten Hochzeit meiner Kinder. Nun kam der Zeitpunkt etwas früher, ich bin aber trotzdem sehr zufrieden. Denn ich habe 12 Jahre lang sehr viel Geld gespart für eine Leistung, die für mich viel mehr als die aktuellen Lizenzkosten von Google Workspace wert ist. Daher werde ich jetzt auch ohne Grummeln den Preis von 125 Euro pro Nutzer im Jahr für Business Standard ausgeben.

Im Vergleich ist der Preis auch nicht überteuert: Bei Dropbox zahle ich mindestens genauso viel, habe aber kein umfassendes Ökosystem für Kommunikation, Kollaboration und Endgeräteverwaltung. Microsoft ruft noch deutlich mehr auf und ich müsste für die Endgeräteverwaltung mindestens MS 365 Business Premium nehmen und könnte nur noch Windows und Mac verwenden, aber nicht Linux und Chromebooks. Und wieder selber bauen oder ein Stückwerk aus diversen Open-Source-Lösungen? Nein danke, dafür ist mir meine Zeit zu schade und selbst bei meiner großen Familie lohnt sich das noch nicht.

Ich finde daher, dass die aktuelle Aufregung ganz viel Jammern auf hohem Niveau ist. Außerdem ist der persönliche Account bei Google – oder Apple oder Microsoft – ein wichtiger Bestandteil der persönlichen Identität und ein Schlüssel zu vielen Dienstleistungen. Wir investieren also ständig unser Geld in Werte, die direkt von der Nutzbarkeit dieser Accounts abhängen. Gleichzeitig möchte ich möglichst viel Kontrolle über meine Daten und Konten haben. Da kommt mir das kommerzielle Angebot von Google sehr gelegen, da ich damit wenigstens eine Vertragsgrundlage für diese Geschäftsbeziehung habe. Ich bezahle für diese Leistung viel lieber mit meinem Geld, als mit der Hoffnung, dass schon nichts Schlimmes passieren wird.

Liebe Meckerer, bitte wacht auf und versteht, wie die moderne Welt mit Internet und IT funktioniert. Entweder bezahlt ihr für Leistung oder ihr seid das Produkt. Macht euch über die langfristigen Aspekte eurer Datenarchitektur Gedanken und akzeptiert die tatsächlichen Kosten von professionell betriebener IT. Die Zeiten von Bastellösungen im Keller sind für das Mitspielen auf der Weltbühne vorbei, ohne die großen Plattformen schließt man sich selber von vielem aus. Mein Tipp an die jammernden G-Suite-Nutzer ist ganz einfach: Freut euch lieber, dass ihr so günstig weitermachen könnt und genießt die neuen Features wie Shared Drives oder die erweiterten Funktionen von Google Meet. Je mehr ihr Google Workspace benutzt, desto günstiger fühlt es sich an.

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(fo)