Klartext: Die Ladestation der Zukunft

Ein Auto laden dauert länger als ein Auto tanken. Wie sollte ein optimaler Ladepark aussehen? Oder reicht es nicht doch, wenn man im Auto Smartphone daddelt?

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Von
  • Clemens Gleich
Inhaltsverzeichnis

Wie sähe eine optimale Ladestation aus? Das überlegten sich in den vergangenen Jahren viele. Während meiner Taycan-Tour fuhr ich einen Abstecher zum Ladepark "Seed & Greet" bei Hilden, dessen Idee mir sehr gut gefiel. Bei meiner persönlichen Überlegung von vor einigen Jahren dachte ich nämlich an Konferenzräume, Lounges, Bistros, vielleicht sogar eine kleine Schlafecke nicht nur für Spediteure. Doch diesen Text hier tippe ich im hinteren Teppichwohnzimmer eines Mercedes EQV. Elektro-Vielfahrer ahnen damit bereits, worauf dieser Text hinausläuft.

Doch zuerst zum Ladepark "Seed & Greet": ein wunderbares Projekt! Eine große Anzahl überdachter Ladeplätze laden Autos innerhalb eines Geländes, das die Eigner schrittweise verschönern. Auf den Dächern liegen flächendeckend Photovoltaik-Platten. Zwischen Teslas Superchargern und den allgemeinen Fastned-Stationen steht eine Bäckerei, die auch Pizza und Salat anbietet. Doch was den Ort für BEV-Besitzer am interessantesten macht, sind die anderen Menschen. Hier treffen sich Elektropioniere, die schon Elektroauto fuhren, als wir noch über den Mitsubishi i-MieV fluchten. Es ist die Außenstelle des bundesweit bekannt gewordenen Bäckereitreffs Schüren. Beide Orte kann ich Elektro-Interessierten ans Herz legen als Stopps. Es gibt eine Elektro-Szene. Dort trifft sie sich.

Als ich am Seed & Greet ankam, war gerade kaum Betrieb. Ich hatte mich mit einem BMW-i3-Fahrer verabredet, mit dem ich etwas quakte, während der Taycan lud. Es war daher ein eher kurzes Gespräch. Ein anderer Gast gesellte sich kurz dazu, mit Peugeot iOn glaube ich. Ich trank grünen Tee und aß dazu Anisplätzchen. Schöne kleine Pause. Doch um zu klären, was an einer Ladestation wichtig ist, fehlt der Kontrast.

Seed & Greet (3 Bilder)

Leckere Salate, Pizzas und Bäckereiwaren im Angebot zwischen Hochleistungs-Ladegeräten.
(Bild: Clemens Gleich)

Als den größten Kontrast zu diesem Treff auf der Taycan-Tour empfand ich eine Shell-Tankstelle mit Alpitronic-Schnelllader ("Shell Recharge" in Kooperation mit der EnBW). Die Gastro-Angebote des umliegenden Gewerbegebiets hatten alle dicht. Es gab die üblichen Kleinigkeiten der Tankstelle. Es gab kein Dach. Die Ladestation stand in einer hässlichen Ecke, in der es wahrscheinlich beim Bau am einfachsten Platz und Starkstrom gab. Dafür gab es WLAN.

Also tat ich das, was immer mehr Elektrofahrer tun: Ich saß im Auto, las Emails, postete Quatsch auf Facebook und überprüfte meine Routenplanung an die Küste. Es gab keine Elektroauto-Runde, die sich zum Strom reden traf. Es gab nur einen Ioniq-Fahrer, der schmerzlich feststellen musste, dass die Ladestation trotz zweier installierter Ladepunkte nur ein Auto mit Strom versorgte. Vielleicht war auch der Taycan schuld mit seiner Leistungsgier. Und wissen Sie was? Das hat mir als Pausenkonstellation vollkommen gereicht.

Shell Recharge direkt an der Tankstelle. Hässliches Gewerbegebiet, aber schöne Kabine. Hauptsache, es lädt schnell. Mit WLAN!

(Bild: Clemens Gleich)