Kommentar: Alles Gute zum Geburtstag, liebes Smartphone – und jetzt?

Nimmt man den legendären Nokia Communicator als Startpunkt, feiert das Smartphone 25. Geburtstag. Wir gratulieren, fragen aber auch: Was kommt als nächstes?

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Samsung Galaxy Z Fold3 5G

(Bild: c't Magazin (sht))

Von
  • Steffen Herget

Am 15. August 1996 kam mit dem Nokia 9000 Communicator das erste smarte Telefon auf den Markt, zumindest in der Hinsicht, was man damit alles anstellen konnte. Das Klapp-Handy konnte auf das mobile Internet zugreifen, hatte einen Browser zum Surfen und eine richtige QWERTZ-Tastatur, wenn auch im Miniaturformat. Ich kenne eine ganze Reihe von Kolleginnen und Kollegen aus der Technikpresse, die ganze Artikel auf dem Communicator getippt haben und heute noch feuchte Augen bekommen, wenn man über diese frühe Ära der Smartphones redet.

Ein Kommentar von Steffen Herget

Steffen Herget schreibt für c't und heise online über Smartphones, Tablets und Gadgets aller Art. Hängt er nicht vor dem Bildschirm, sitzt er auf dem Rad, geht zu Fuß oder liest ein Buch – ganz analog.

Nach dem Communicator kamen eine ganze Reihe Smartphones heraus, die immer weniger Mini-Laptop und immer mehr modernes Eines-für-alles-Gerät wurden. Spätestens mit dem ersten Apple iPhone 2007 brach der Siegeszug der Smartphones an, und er ist unaufhaltsam. Man trifft kaum noch Menschen ohne Smartphone, alle starren in Bus und Bahn auf das Fenster ins Netz, das in der Tasche und in der Hand problemlos Platz hat. Die Modelle werden Jahr für Jahr neu aufgelegt, auch wenn sie eigentlich immer länger halten und mittlerweile auch zumindest zwei Jahre, oft länger mit Updates versorgt werden. Man muss auch keine Unsummen ausgeben, schon rund um 250 Euro gibt es Smartphones, die eigentlich alles können, was die Kundschaft verlangt.

Gleichzeitig hat sich eine gewisse Langeweile eingeschlichen, denn Smartphones sehen erstens im Großen und Ganzen seit Jahren gleich aus – flache Glas- oder Plastikflundern – und zweitens halten sich die auf den ersten Blick sichtbaren technischen Fortschritte in Grenzen. Klar, Displays und Kameras wurden immer größer, besser und schärfer, die Dinger rechnen und funken schneller, aber der Akku ist trotzdem meistens abends leer. Verglichen mit den schrägen Handys mit den seltsamsten Mechanismen zum Drehen, Klappen oder Schieben, die in der Übergangsphase zum Smartphone im Angebot waren, ist das schon ein ziemlicher Einheitsbrei geworden. Einige Hersteller, allen voran Samsung, versuchen Falt-Smartphones salonfähig zu machen. Deren Mehrwert muss sich aber noch zeigen.

Und wo die Langeweile langsam um sich greift, stellt sich unweigerlich die Frage: What’s next? Wohin geht die Reise? Was kommt nach dem Smartphone, falls es tatsächlich verschwinden sollte? Da gibt es allerlei Ideen und Konzepte, die meist auf Technik basieren, die am Körper getragen wird. Smartwatches, Datenbrillen, kleine Sensoren zum Umschnallen, da wird immer wieder ein Hype zu erzeugen versucht, um die Illusion zu kreieren, das Smartphone bald ablösen zu können.

Schaut man sich aber einmal an, wie das Smartphone dahin gelangt ist, wo es jetzt steht, kommt mir ein Filmtitel in den Sinn: Leichen pflastern seinen Weg. Wie Klaus Kinski als Kopfgeldjäger Loco in dem Corbucci-Western die Gegner reihenweise aus dem Weg räumt, so hat das Smartphone viele Geräte überflüssig werden lassen, die uns jahrelang begleitet haben: Fotoapparat, Videokamera, Notizblock, Navi, Walkman, Multimedia-Player, teils sogar Notebook oder Tablet, zuletzt Impfpass und Personalausweis, und dabei habe ich bestimmt noch etwas vergessen. Alles oder fast alles, was diese Gerätschaften können, macht jetzt das Smartphone.

Möchte man dieses ersetzen, muss die nächste Generation das auch alles beherrschen – und noch mehr, und am besten noch mit viel längerer Akkulaufzeit. Dass das gelingen kann, zeichnet sich derzeit nicht gerade am Horizont ab. Die technische Entwicklung geht zwar häufig schneller als gedacht und in unerwartete Richtungen, aber ich könnte mir zumindest vorstellen, dass wir dem Smartphone irgendwann auch noch zum 50. Geburtstag gratulieren, auch wenn es dann hoffentlich anders aussehen wird als ein langweiliger schwarzer Flachmann. Bis dahin: Alles Gute, altes Haus – aber bleib bitte nicht genau so, wie du bist.

(sht)