Kommentar: Apples neues MacBook Pro erfüllt viele Wünsche – bis auf einen

Viel Power, 14 und 16 Zoll mit tollem Display, keine Touch Bar mehr, dafür Ports und die Rückkehr von MagSafe – die neuen MacBooks bestechen. Doch es fehlt was.

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Heiße Luft wird ventiliert – was man halt so erwartet von einer Keynote.

(Bild: Apple)

Von
  • Ben Schwan

Eine angenehmere Keynote von Apple hätte man sich kaum vorstellen können: Kein langes Gelaber, knackige 50 Minuten lang und spannende Produktvorstellungen. Nachdem die Musikprodukte – verbilligtes Apple-Music-Abo nur mit Siri, HomePod mini in mehr Farben, AirPods 3 – aus dem Weg geräumt waren, ging es Schlag auf Schlag: Apple hat seinen M1-Prozessor, der sowieso schon als rasanter Chip galt, in Form von M1 Pro und M1 Max weiter verbessert.

Ein Kommentar von Ben Schwan

Ben Schwan lebt als Journalist und Autor in Berlin, schreibt seit 25 Jahren über Forschungs- und Wissenschaftsthemen und lässt sich seine Begeisterung für Neues weder durch sich ständig wiederholende Hype-Zyklen, amoklaufende Sicherheitspolitiker noch technische Unzulänglichkeiten nehmen.

Und wie: Die dann vorgestellten MacBook-Pro-Modelle mit 14,2 und 16,2 Zoll sollen mehr leisten als mancher Desktop, holen laut Apple Workflows vom Mac Pro in den mobilen Akkubetrieb. Ich werde hier nicht auseinandersetzen, was so cool ist an den neuen Apple-Silicon-Chips, das macht der Kollege Mark Mantel hier im Detail. Klar ist: Die Kombination aus bis zu 10 CPU-Kernen und massig GPU-Leistung in einem SoC ist bislang einzigartig. Hinzu kommt der kombinierte Speicher, der der Grafik mehr RAM in einem Notebook bereitstellt als je zuvor, behauptet Apple. All das werden natürlich erst ausführliche Tests von Mac & i und c't belegen müssen.

Doch die – mutmaßlich hervorragende – Systemleistung ist nur das eine. Das andere sind die anderen Hardware-Verbesserungen, auf die Nutzer wirklich seit einer kleinen Ewigkeit gewartet hatten. Im vergangenen Jahr gab es zwar die ersten Macs mit Apple Silicon. Doch die waren schlicht Intel-Macs mit neuem Innenleben. Keine neuen Ports, die alten Bildschirme, selbst die Webcams blieben die (Ur-)Alten.

Nun haben wir es endlich mit komplett neuer Hardware zu tun. Die Geräte sehen zwar aus wie MacBook Pros, doch sind sie anders aufgebaut – in allen Bereichen. Zuerst die Ports: Dreimal USB-C, einmal Kopfhörer (sogar für hochohmige Profi-Modelle geeignet), erstmals wieder HDMI plus SD-Kartenslot. Und dann ist MagSafe wieder da – in Form der neuen Variante MagSafe 3. Die kombiniert das beste der alten Schnittstelle, die Fallunfälle vermeiden hilft und von vielen Nutzern sehr geliebt wurde, mit USB-C an der anderen Seite. Außerdem kann man sowohl per USB-C als auch per MagSafe 3 laden – tolle Sache.

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Dann gibt's eine verbesserte Tastatur, die etwas weglässt, was vielen Usern wohl kaum fehlen wird: Apples zunehmend deplatzierte Touch Bar. Die OLED-Leiste war schon teilweise im vergangenen Jahr beerdigt worden mit der Mitlieferung eines Escape-Knopfs. Nun ist sie ganz weg und es gibt wieder physische Funktionstasten. Nie mehr danebentippen, nie mehr nervige Umschaltereien, die man nicht wollte: Sweet. Und F-Tasten kann man bekanntlich nie genug haben! Touch ID ist natürlich noch da.

Spannend sind auch das neue Display mit Mini-LED-Technik und HDR-Fähigkeit plus 120 Hertz Bildwechselfrequenz. (Schon das an sich wäre für manchen Bildbearbeiter und Videoexperten ein Kaufargument. Ich bin gespannt auf erste Tests.) Und Apple hat es erstmals geschafft, eine 1080p-Webcam in ein Notebook einzubauen, yay!

Bin ich also wunschlos glücklich? Leider nein. Apple hat bei den neuen Macs mal wieder die unverschämtesten Preise der Branche. Schon zuvor zahlte man für die Apple-Silicon-Macs Premium-Tarife. Doch nun langt Apple nochmal extra zu. Ab 2250 Euro (14 Zoll, Einstieg) geht es los, bei 6840 Euro hört es auf (16 Zoll, Topmodell).

Wie üblich zahlt man heftige Aufpreise (hier gerechnet vom Einstiegsmodell). Zwei CPU-Kerne mehr: 230 Euro. Es soll ein M1 Max sein? 500 Euro mehr. 32 GByte Speicher statt 16 GByte? 460 Euro. Für 8 TByte SSD – einzeln im Handel als M.2-Modul schon für unter 1500 Euro zu haben – löhnt man mehr als für ein ganzes MacBook Pro mit M1 Pro (2760 Euro). Aufrüstbarkeit? Fehlanzeige in jeder Hinsicht.

Das alles zusammengenommen heißt: Apple macht durchaus wunderbare neue Profi-Rechner, doch die sind auch tatsächlich nur für Menschen mit entsprechendem Geldbeutel geeignet. Der engagierte Amateur wird nicht zu Apple gehen, außer er pumpt seine Eltern oder seine Oma an oder hat eine kleine Erbschaft gemacht. Das will Apple offenbar so. Eventuelle Preisvorteile durch die Produktion eigener Prozessoren – die jetzt komplett TSMC fertigt – werden nicht an die Kunden weitergegeben. Apple ist auch weniger von der Chip-Krise betroffen als andere Hersteller, weil der Konzern enorme Mengen kauft.

Aber nein: Wer vergleichsweise preiswerte M1-Technik möchte, muss bei den Modellen von 2020 bleiben. Auch das MacBook Air wird wohl kaum in diesem Jahr nochmals angepasst, vor 2022 wird es, hört man aus der Gerüchteküche, kein Redesign (hoffentlich mit mehr Ports!) geben.

Aber ein superschneller Mac zum fairen Preis wäre wohl auch ein bisschen viel der Wünsche.

(bsc)