Kommentar: Die Hardware-Anforderungen von Windows 11 sind das falsche Signal

Microsoft verlangt für Windows 11 relativ junge Hardware: Ein Fehler in Zeiten von Chipmangel und Klimawandel.

Lesezeit: 4 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 949 Beiträge
Stand:
Von
  • Christof Windeck

Nach Windows 10 kommt Windows 11 – daran könnte man sich gewöhnen. Unsensibel, ungeschickt und unökologisch sind jedoch die Mindestanforderungen an die Computer-Hardware, die Microsoft für Windows 11 vorschreibt. Denn dafür ist ein Prozessor nötig, der nicht älter als vier Jahre sein darf – wenige Ausnahmen bestätigen die Regel.

Das ist ein völlig unzeitgemäßes Signal eines weltweit führenden Unternehmens: Erstens kämpft die IT-Branche mit Lieferengpässen, zweitens mahnt der Klimawandel zu schonendem Umgang mit Ressourcen. Microsofts Festlegung führt jedoch unweigerlich dazu, dass Millionen Notebooks, Desktop-PCs, Tablets und Workstations früher auf dem Elektroschrott landen als nötig. Das widerspricht auch den laut herausposaunten Öko-Zielen von Microsoft, nämlich bis 2030 "CO₂-neutral" zu sein.

Ältere Windows-Computer sind zwar nicht sofort von Updates abgeschnitten, weil Microsoft noch bis zum Oktober 2025 Sicherheits-Updates für Windows 10 veröffentlichen will. Dann sind Computer aus dem Jahr 2016, die sich nicht mehr sinnvoll auf Windows 11 upgraden lassen, immerhin neun Jahre alt. Doch manche der Prozessoren, die nicht auf der AMD- oder Intel-Kompatibilitätsliste für Windows 11 stehen, wurden auch lange nach 2017 noch in neuen Geräten verkauft.

Ein böses Erwachen droht etwa manchen Leuten, die in den vergangenen Jahren ein Schnäppchen mit älterer Technik kauften. So verramschte etwa MediaMarktSaturn noch im Juni einen PC mit Intel Core i7-6560U (Skylake), der sich laut Microsoft nicht für Windows 11 eignet. Billignotebooks mit Intels „Apollo Lake“-Celerons wie dem Celeron N3350 sind aktuell noch zu haben (siehe ). Und auch Mini-PCs mit AMD Ryzen Embedded V1000 und V2000 sind zwar eher für Industriekunden gedacht, werden aber noch verkauft. Solche Angebote brauchen dann zumindest deutliche Warnhinweise „ungeeignet für Windows 11“.

Ein Kommentar von Christof Windeck

Christof Windeck ist leitender Redakteur im Hardware-Ressort von c’t. Der Elektrotechniker schreibt seit 1999 über Prozessoren, PC-Komponenten, Server, Rechenzentren, Embedded Systems, Firmware und Security. Christof Windeck (Kürzel ciw) betreut auch die c’t-Kolume Bit-Rauschen und den zugehörigen Podcast.

Einerseits ist es vernünftig, dass Microsoft Mindestanforderungen an die Hardware stellt: Einen Doppelkernprozessor, 4 GByte RAM und 64 GByte Flash-Speicher haben mittlerweile schon 120-Euro-Smartphones. UEFI Secure Boot und Virtualisierungsfunktionen für höhere Sicherheit bieten schon acht Jahre alte Rechner, eine DirectX-12-kompatible Grafikkarte ließe sich oft leicht nachrüsten.

Der PC-Bauvorschlag "Ryzen-Allrounder" aus c’t 26/2017 taugt laut Microsoft nicht für Windows 11 - trotz starkem Achtkern-Ryzen und DirectX-12-Grafikkarte.

Doch Microsoft beharrt für Windows 11 auf ganz bestimmten CPU-Generationen von AMD und Intel (Links zu Kompatibilitätslisten unten) und verrät dabei nicht genau, welche technischen Eigenschaften über Kompatibilität oder Inkompatibilität entscheiden. Wieso darf es für Windows 11 kein AMD Ryzen 5 1600 mehr sein, der erst im April 2017 vorgestellt wurde und von dem es sogar eine jüngere Auflage mit 12-Nanometer-Technik aus dem Jahr 2020 gibt? Und wieso ist ein AMD Athlon 3000G erlaubt, in dem zumindest laut allen öffentlichen Angaben von AMD dieselbe 14-Nanometer-Technik steckt wie im ursprünglichen Ryzen 5 1600?

Außer Microsoft könnten aber auch AMD und Intel für Transparenz bei Windows-11-kompatiblen Prozessoren sorgen. So betonte Microsoft kürzlich in einem Blog-Eintrag, man habe „in Kooperation mit AMD sorgfältig die erste Generation der Zen-Prozessoren analysiert“ und könne sie aber trotzdem nicht für Windows 11 freigeben. Was also weiß AMD? Und wieso stellte AMD 2019 seine letzten neuen Bulldozer-Chips A4-9120C und A6-9220C nur für Chrome OS vor, vorsichtshalber gleich mit einem „C“ in den Typenbezeichnungen? Bei Intel ist man vermutlich froh, mit Windows 11 einen Grund jenseits der Sicherheitslücken Spectre und Meltdown zu haben, um vom Einsatz alter Prozessoren abzuraten.

Auch wenn klar ist, dass nicht jeder beliebige Uralt-PC noch ein Update auf Windows 11 bekommen muss: Willkürlich wirkender Ausschluss funktionstüchtiger Hardware ist ein Fehler.

Mehr von c't Magazin Mehr von c't Magazin

Siehe dazu auch:

  • WhyNotWin11: Kompatibilitäts-Test für Windows 11 bei heise Download

(ciw)