Kommentar zur Office-Zählung: Angst vor Microsoft-Nagware aus gutem Grund

Microsoft will die Nutzerbasis von Office 2013 und älter feststellen. Dass sie bald ein 365-Angebot erhält, das sie nicht ablehnen kann, liegt leider nahe.

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Vielleicht sorgt sich Microsoft nur um die Sicherheit seiner Nutzer – aber ein anderer Verdacht liegt nahe.

Wollen Sie beim Verbessern des Produkts mithelfen? Solche und ähnliche Fragen gehören seit drei Jahrzehnten zum Alltag jedes PC-Nutzers. Dass Entwickler und Anbieter mehr Einsichten gewinnen wollen, wie Anwender ihre Applikationen verwenden, ist also normal. Wenn Microsoft das jetzt aber still und heimlich tun will, ist das ein Vertrauensbruch.

Ein Kommentar von Moritz Förster

Moritz Förster schreibt seit 2012 für die iX und heise online. Er betreut neben dem iX-Channel die Bereiche Arbeitsplatz und Server.

Nimmt man die besten Absichten an, will der Konzern schlicht feststellen, in wie vielen Unternehmen noch ein gutes altes Office den Dienst verrichtet. Immerhin gibt es mittlerweile selten einen Grund zum unmittelbaren Upgrade auf eine neue Version, Office ist für viele Nutzer schlicht Feature-Complete. Aber: Kein Support und viele Sicherheitslücken sind eben keine gewinnbringende Situation.

In diesem Fall bleibt, dass die meisten Anwender dann doch ganz gerne vor der PC-Hausbesichtigung um Einverständnis gefragt würden – wie es ja auch üblich ist. Und die völlige Unklarheit darüber, welche Daten genau Microsoft da abfragt – und ob sie einen Personenbezug aufweisen, das wüsste man doch auch gerne. Angaben zur Anonymisierung der Informationen? Fehlanzeige.

Aber ist das beste Szenario wahrscheinlich? Nein, denn schon zu oft wurden Microsoft-Kunden als Zaster-Mastvieh missbraucht. Und in den letzten Jahren häufen sich solche Nagware-Vorkommnisse nicht nur, Microsoft geniert sich ihrer nicht einmal mehr. Bestes Beispiel: Mit Drückermethoden sollten Anwender zum Umstieg Windows 10 genötigt werden – und Version 11 forciert den Cloud-Kontozwang.

Ohnehin ist Office Microsoft ein Dorn im Auge: Das klassische Paket kaufen Kunden nur einmal, das ist in Zeiten der Software-Abonnements nicht mehr akzeptabel! Wenigstens jährlich, aber besser monatlich sollen Nutzer für die Gunst berappen, die Programme verwenden zu dürfen. Und gerade für Unternehmen hat Microsoft ganz besonders tolle Premium-Features vorbereitet.

Office soll ja noch nicht einmal mehr so heißen, Microsoft 365 ist klar die Zukunft. Entsprechend still und heimlich kam Version 2021 dann doch noch auf den Markt – das letzte seiner Art. Erwartet wirklich jemand, dass Nutzern von Office 2013 oder älter ab April dann ein Gratis-Upgrade auf 2021 angeboten wird? So wäre ja zumindest die miese Kommunikation zu verschmerzen.

Doch das Bauchgefühl irrt selten beim Thema Microsoft: Ist sie erst einmal festgestellt, funkelt die vermutlich hohe Zahl der Support-losen Nutzer golden in den Augen des Vertriebs – wer schon einmal Office gekauft hat, hat doch sicher wenig gegen ein Abonnement einzuwenden? Einen perfekteren Zeitpunkt gibt es nicht, um die Masse an IT-faulen KMUs auf ewig zu binden.

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(fo)