Konkurrenz für Ethanol

Ethanol, ein Standard-Biotreibstoff derzeit, hat zwei Probleme: Es lässt sich nur unter Verlusten transportieren und besitzt eine verhältnismäßig geringe Energiedichte. Philip New von BP Biofuels erläutert, warum er in Zukunft auf Butanol setzt.

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  • Kevin Bullis
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Alternative Treibstoffe wie Ethanol könnten die CO2-Emissionen senken und die Abhängigkeit von Öl-Importen reduzieren. Eines der größten Probleme bei der Marktdurchdringung mit solchen Biotreibstoffen ist allerdings ihr Vertrieb. So kann Ethanol nicht in den gleichen Pipelines wie Benzin transportiert werden. Außerdem ist die Energieausbeute geringer: Der Verbrauch steigt.

Philip New, Präsident von BP Biofuels, glaubt, eine Lösung gefunden zu haben: Butanol, ein schwererer Verwandter von Ethanol (während ein Ethanol-Molekül zwei Kohlenstoffatome hat, sind es bei Butanol vier). Der Chef der Tochterfirma des Ölgiganten sieht vor allem die größeren Ähnlichkeiten zu regulärem Benzin als Vorteil, obwohl der Alkohol ebenfalls aus Mais oder Zuckerrüben gewonnen werden kann. Butanol lässt sich außerdem über Pipelines transportieren und hat eine höhere Energiedichte.

In Zusammenarbeit mit der University of California in Berkeley will BP nun innerhalb von zehn Jahren 500 Millionen Dollar ausgeben, um Biotreibstoffe wie Butanol voranzutreiben. Im vergangenen Jahr kündigte das Unternehmen außerdem eine Partnerschaft mit der Biotechnologieabteilung von DuPont an - hier will man nun gemeinsam eine bessere Biotreibstoff-Gewinnung entwickeln. Technology Review sprach mit Philip New über die Pläne seiner Firma.

Technology Review: Herr New, warum interessiert sich BP für Biotreibstoffe, obwohl diese doch eine direkte Konkurrenz zum Hauptgeschäft Ihres Unternehmens darstellen?

Philip Now: Es könnte durchaus sein, dass Biotreibstoffe künftig einen wichtigen Anteil an den Energieträgern haben wird, die für Verkehrszwecke verwendet werden - insbesondere angesichts des Klimawandels und der zunehmenden Bedenken in Sachen Energiesicherheit.

Ich denke, dass wir hier als BP eine Wahl haben. Entweder versuchen wir, die Sache unter den Teppich zu kehren oder wir können diese Entwicklung positiv aufgreifen und sie zu unserem Geschäft machen. Für letzteres hat sich BP definitiv entschieden.

TR: Sie konzentrieren sich auf einen bislang recht obskuren Treibstoff: Butanol. Warum Butanol statt dem bekannteren Ethanol?

Now: Ethanol ist ein guter Anfang. Aber es ist nie dafür entwickelt worden, ein wirklicher Treibstoff zu sein. Niemand hat sich damals hingesetzt und sagte: "Lasst uns doch mal ein Biomolekül schaffen, das eines Tages Motoren antreiben wird." Stattdessen wurde einfach festgestellt, dass Ethanol in Motoren laufen kann. Vielen Leuten wird inzwischen klar, dass Ethanol zwar ein ordentlicher Treibstoff ist, er aber auch deutliche Nachteile hat. Butanol ist unserer Meinung nach die Innovation, die viele dieser Nachteile aufheben könnte.

Man sollte Butanol außerdem nicht als direkten Konkurrenten von Ethanol sehen. Eine Ethanol-Fabrik kann sich zu einer Butanol-Fabrik weiterentwickeln. Man kann Ethanol und Butanol auch mischen. So lässt sich mehr Ethanol nutzen.

TR: Warum halten Sie Butanol für besser?

Now: Der Hauptvorteil ist die höhere Energiedichte. Bei Ethanol liegt sie nur bei zwei Dritteln von Benzin, bei Butanol bei knapp unter 90 Prozent.

Außerdem ist Butanol weniger flüchtig als Ethanol. Es ist nicht korrodierend, so dass es nicht bei höheren Konzentrationen damit beginnt, Alu- und Polymer-Komponenten in Treibstoff- und Verteilsystemen anzugreifen. Es zieht im Gegensatz zu Ethanol zudem kein Wasser an, was dort bei zu geringen Konzentrationen gerne passiert. Also können wir es durch Pipelines schicken.

TR: Warum ist dort Wasser ein Problem?

Now: Bei jedem Treibstoffsystem gelangt auch Wasser in die Rohre. Bei Benzin bleibt es am Boden. Ethanol vermischt sich hingegen mit Wasser. Das heißt: Plötzlich landet H2O im Treibstoff. Will man dann durch die gleiche Pipeline Flugbenzin schicken, kann es passieren, dass dieses mit Wasser verunreinigt wird. Und das wäre sehr schlecht.