Linux: Sorgenfrei und unkompliziert

Linux ist schon lange nicht mehr kompliziert und inkompa­tibel. Mehr noch: Mit Linux lebt man unter Umständen sogar sorgen­freier als mit Windows.

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  • Keywan Tonekaboni

Hin und wieder ziehen mich die Windows-Kollegen vom Büro nebenan auf, warum ich mir dieses "Linux-Gefrickel" antue. Kompliziert, inkompatibel, Konsolentipperei, heißt es dann. Solche Neckereien lasse ich an mir abperlen. Die Vorurteile sind alt wie überholt. Mehr noch: Mit Linux lebt man unter Umständen sogar sorgenfreier als mit Windows.

Vor einiger Zeit bat mich eine Nachbarin mit geringen Computerkenntnissen um Hilfe. Offenbar war ein Windows-8-Update derart schiefgegangen, dass ihr Notebook nur noch im abgesicherten Modus bootete. Statt das Desaster in stundenlanger Arbeit zu reparieren, installierte ich kurzerhand parallel Linux. Das größte Problem, das sie bisher hatte: Der Button zum Herunterfahren war an einer ungewohnten Position.

Kein Wunder: Wer umsteigt, muss sich kaum umgewöhnen. Das meiste passiert sowieso im Web und viele unter Linux verwendete Open-Source-Programme sind auch unter Windows-Nutzern bekannt: Firefox, GIMP, LibreOffice oder VLC, um nur einige zu nennen.

Und selbst wenn manch ein Open-Source-Purist die Nase rümpft: Auch beliebte proprietäre Apps sind mit wenigen Klicks installiert. Ich bevorzuge eigentlich freie Software wie Jitsi für Videokonferenzen. Aber wenn Kollegen oder Freunde Microsoft Teams oder Zoom vorziehen, ist das für mich kein Problem. Auf der Festplatte ist genug Platz für alle Apps.

Die Linux-Community erfindet seit Jahren das freie Betriebssystem neu und vereinfacht die Bedienung deutlich. Dabei bleibt das größte Feature erhalten, die Freiheit. Wem das moderne Bedienkonzept von Gnome nicht zusagt, verwendet den klassischen Desktop von Cinnamon oder KDE. Und kleine, kreative Erweiterungen verleihen dem System einen individuellen Schliff.

Wer beim Hardwarekauf ein wenig auf Kompatibilität achtet, erhält mit Linux ein für den Alltag sorgenfreies Betriebssystem. Weder muss ich Lizenzschlüssel eingeben, noch irgendeine Software aktivieren. Die Updates für das Betriebssystem und alle Programme kommen komfortabel aus der zentralen Software-Verwaltung, wie man es auch vom Smartphone gewöhnt ist. Außerdem sind die Datenschutzeinstellungen übersichtlich und transparent.

Sollen die Kollegen doch Spaß mit ihren Linux-Sprüchen haben. Ich bin da ganz entspannt und freue mich, dass sie nach dem nächsten hakeligen Windows-Update bestimmt wieder genügend Material für einen neuen Praxisartikel haben.

Keywan Tonekaboni

Dieser Artikel stammt aus c't 21/2020.

(ktn)