Messenger-Apps: InterNixNet

Messenger-Apps der "zweiten Reihe" sollten die Grenzen zwischen ihren Sys­temen öffnen. Sie können nur ­gewinnen, wenn die Zahl der erreichbaren Nutzer wächst.

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Als wir kürzlich eine neue Küche bestellten und der Verkäuferin die Raumpläne liefern sollten, akzeptierte diese nur WhatsApp. Mein Insistieren auf E-Mail half nichts. Zum Glück hatte meine Frau noch WhatsApp. Also mit ihrem Handy den Plan verschickt und weiter gings mit meinem Experiment. Ich hatte mir nämlich vorgenommen, ohne WhatsApp auszukommen und stattdessen andere Messenger zur Kontaktpflege zu nutzen.

Meine Familie sollte an dem Experiment mehr oder weniger freiwillig teilnehmen; sie installierte die alternativen Messenger zusätzlich zu WhatsApp. Auch Freunde und Bekannte wollte ich überreden, etwas Neues zu probieren. Und für ganz harte Fälle wäre ich per SMS und E-Mail erreichbar. Doch weil die Küchenplanerin E-Mail verweigerte, musste ich schließlich WhatsApp wieder installieren, damit es mit der Planung klappte. Ich verstehe ihre Haltung ja. Schließlich bieten Messenger die bessere Usability, Nachrichten sind verschlüsselt und Spam lässt sich effektiv unterbinden. Sind Messenger also die bessere E-Mail?

Mit Slack haben sich Messenger in Unternehmen seit 2013 als schlanke Ergänzung zur E-Mail verbreitet, heute ersetzt Microsoft Teams zunehmend Mail in Unternehmen. Und OX Coi möchte Messenger- und E-Mail-Anwendung verschmelzen. Doch um E-Mail abzulösen, fehlt es den Messengern an Interoperabilität. Man stelle sich die Welt der Telefonie analog zu WhatsApp, Slack und Teams vor; dann sprächen die Kunden der jeweiligen Anbieter nur untereinander. Absurd – doch genau das ist der Alltag beim Chatten.

WhatsApp hat kein Interesse daran, diesen Zustand zu ändern, der seine Monopolstellung festigt. Aber die Messenger-Apps in der zweiten Reihe sollten die Grenzen zwischen ihren Systemen öffnen. Diese „Verlierer“ können nur gewinnen, wenn die Zahl der erreichbaren Nutzer wächst.

Auf gehts: Wire, Threema, Signal, Terminal, Ginlo und Mexs! Nehmt die Interoperabilität der Messenger untereinander in Angriff, standardisiert Protokolle und Adressen und bringt Bewegung ins Spiel! Bis zu meiner nächsten Küche sollte das doch zu schaffen sein ;-)

Dieser Artikel stammt aus c't 16/2020.

(acb)