Pro & Contra: Fehlt Apple der Mut?

Apple ist so erfolgreich wie nie – doch Kritiker vermissen bei den Geräten Innovation.

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Von
  • Leo Becker
  • Ben Schwan

Leo Becker meint, dass Apple mehr Design-Innovation gut zu Gesicht stünde.

Mit den hauseigenen Chips und Sensoren befindet sich Apple zwar auf der Überholspur: Vom A14 respektive M1 über Lidar-Sensoren bis hin zum Ultrabreitbandchip marschieren iPhones, iPads und Macs schnurstracks in die Zukunft.

Im umso auffälligeren Kontrast steht aber das Hardware-Design, das in der Vergangenheit steckengeblieben ist: Die M1-MacBooks unterscheiden sich äußerlich kaum von den über zehn Jahre alten Vorläufern. iPhone-Selbstverständlichkeiten wie Face ID, Mobilfunk-Support und Touchscreen bleiben beim Mac Fehlanzeige, mal ganz abgesehen von neuen Formfaktoren.

Liegt die Gerüchteküche richtig, bringt das kommende MacBook Pro Schnittstellen wie HDMI, SD-Kartensteckplatz und MagSafe zurück. Das freut mich als Nutzer, ist aber nicht gerade ein gewagter Schritt nach vorne.

Während der erste iMac mit seinem farbigen Plastikgehäuse eine ganze Branche auf den Kopf stellte, bleibt die 2021er Neuauflage selbst bei der Farbwahl – Apples Regenbogen-Logo lässt grüßen – konservativ. Zwar ist der neue 24" iMac jetzt so dünn wie das erste iPhone, doch an der Basisform hat sich seit geschlagenen 17 Jahren nichts geändert. Selbst naheliegende Verbesserungen wie einen höhenverstellbaren Fuß sucht man vergeblich. Was für ein Unterschied zu den Jahren 1998 bis 2004, in denen der iMac gleich dreimal die Gestalt änderte – und zwar jeweils in spektakulärer Weise.

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Diesen Mut zu radikalen Neugestaltungen wünsche ich mir zurück, nicht nur beim Mac, sondern für alle Geräte vom iPhone bis hin zur Apple Watch, die immer noch aussieht wie 2015. Spätestens mit ganz neuen Produktkategorien – seien es AR-Brille oder Auto – wird Apple in den nächsten Jahren unter Beweis stellen müssen, dass es wirklich ohne Steve Jobs und Jony Ive geht. (lbe)

Ben Schwan findet, dass Apple auch unter Tim Cook seinen Erfindermut nicht verloren hat.

Ich gebe zu: Als Steve Jobs im Oktober 2011 verstarb und Jony Ive 2019 Apple verließ, hatte ich Angst um die Firma.

Würde Apple auch künftig noch mutig in die Zukunft schreiten, dabei stets seinen Kurs halten und im Sinne der User entscheiden? Deshalb waren wir ja schließlich Apple-Kunden – weil der Konzern vieles einfach besser machte als andere.

Dass Apple weiterhin auf einer mutigen Innovationswelle surft, zeigen die Produkte des Jahres 2020. Der Konzern hat zum wiederholten Mal beim Mac die Plattform gewechselt – und das in einer Radikalität und Breite, wie das nur Apple kann. Seit einem halben Jahr arbeiten in den Rechnern keine heißlaufenden Intel-Chips mehr. Apple Silicon beschleunigt dank eigener ARM-Technik die Hardware auf ungekannte Höhen. Und man kann iOS- und iPadOS-Apps auf Macs nutzen.

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Klar: iPhones sind mittlerweile schon etwas langweilig geworden, echte Umkrempelungen der Hardware darf man erst mit falt- oder rollbaren Displays in einigen Jahren erwarten. Apple lässt hier im Gegensatz zu Samsung & Co neue Komponenten nun mal nicht beim Kunden reifen. Doch gleichzeitig geht die Entwicklung bahnbrechender Augmented-Reality-Technik weiter, die zu ganz neuen digitalen Erfahrungen führen wird. Das Apple Car kommt langsam, aber stetig voran. Parallel baut Apple mit den AirTags mal eben sein eigenes weltweites Mini-Internet auf, das auf die Nutzung vorhandener Geräte setzt und die Konkurrenz das Fürchten lehrt.

Natürlich könnte vieles schneller gehen. Aber bei Apple ging es nie darum, einfach nur Erster zu sein, sondern darum, es gleich richtig zu machen. Genau das erfordert Mut: Märkte, die sehnsüchtig auf das "next big thing" hoffen, noch etwas warten zu lassen. (bsc)

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(lbe)