Pro & Contra: NFC-Zahlungen im iPhone öffnen?

iPhone-Besitzer dürfen bislang nur mit Apple Pay an NFC-Kassen zahlen, NFC-Wallets anderer Anbieter gibt es nicht. Sollte sich das ändern?

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Von
  • Ben Schwan
  • Leo Becker

Apple kontrolliert die Bezahlfunktionen des iPhone ganz genau: So gibt es mit Apple Pay genau einen zugelassenen Dienst, der die seit Jahren in den Geräten verbaute NFC-Schnittstelle fürs kontaktlose Payment nutzen darf. Allerdings wächst der Druck von außen: So fordern Banken seit längerem, NFC-Bezahlungen in ihren eigenen Apps nutzen zu können, damit es keinen Zwang zu Apple Pay mehr gibt. Hierzu laufen sogar erste Klagen und auch die EU-Kommission schaut sich das Thema genau an.

Währenddessen beginnt Apple, eine "Tap to Pay"-Funktion umzusetzen, mit der das iPhone zum NFC-Bezahlterminal wird – interessanterweise in Kooperation mit Drittanbietern. Ist es also an der Zeit, die NFC-Schnittstelle in Apple-Geräten für Bezahlangebote uneingeschränkt freizugeben? Das hätte Vor- und Nachteile, wie unser Pro & Contra zeigt.

Leo Becker meint, dass iPhone-Nutzer über ihr NFC-Wallet selbst bestimmen sollten.

Apple Pay muss sich wahrlich nicht verstecken – vor allem nicht hinter einer willkürlichen Hardware-Beschränkung, die Konkurrenz aussperrt. Wenn mir eine Banking-App nicht passt, kann ich schließlich zu einer anderen Bank mit einer besseren App wechseln, das sollte für NFC-Wallets und mobile Bezahldienste ebenso gelten. Auf meinem iPhone möchte ich selbst bestimmen, welches Wallet mit der NFC-Schnittstelle spricht. Und man sollte meinen, dass iPhone-Besitzer mündig genug sind, um zu entscheiden, wem sie ihre Kreditkartendaten anvertrauen und welches Wallet sie verwenden.

Dass Apple mir das vorenthält, ist übergriffig. Die Begründung, dahinter steckten Sicherheitsbedenken und Kundenschutz, zieht bei mir nicht: In erster Linie schützt Apple damit den eigenen Geldbeutel, schließlich verdient der Konzern an jeder Apple-Pay-Transaktion mit. Dem Kunden ist durch die Beschränkung nicht gedient. Spannende neue NFC-Wallets und Bezahldienste können so gar nicht erst entstehen, schließlich bleibt ihnen der Milliardenmarkt an iPhone-Nutzern versperrt. Der NFC-Controller des iPhones spricht für Zahlungen mit einem branchenüblichen "Secure Element", das die Zahlung über Java-Card-Applets durchführt.

Dass sich dies für andere Finanzdienstleister in sicherer Form öffnen lässt, demonstriert Apple selbst bei anderer Gelegenheit: Nehmen iPhones nämlich als NFC-Kassenterminal Zahlungen entgegen ("Tap to pay on iPhone"), dürfen fremde Dienste die Abwicklung übernehmen. Warum geht dann das Bezahlen mit dem iPhone darüber nicht? Bevor Gesetze wie der Digital Markets Act den Konzern dazu zwingen, sollte Apple selbst vorpreschen und die NFC-Schnittstelle öffnen. Das wäre nicht nur gut für den Markt, sondern auch für alle iPhone-Besitzer, die so mehr Auswahl bekommen – zusätzlich zu Apple Pay. (lbe)

Gefunden in Mac & i 4/2022

Ben Schwan findet, dass iPhone-Bezahlfunktionen geschützt bleiben sollten.

Ich bin mit Apple Pay seit langem sehr zufrieden. Die Technik ist so, wie man sich das wünscht: Sie funktioniert einfach, egal, ob ich nun mit meinem iPhone kontaktlos bezahlen will oder – noch bequemer – mit meiner Apple Watch. Der Grund für diese Perfektion ist, dass Apple hier alles sehr genau kontrolliert und steuert. Nutzerinnen und Nutzer sind nicht darauf angewiesen, irgendeine mehr schlecht als recht funktionierende App ihrer Bank zu verwenden, das Bezahlsystem steckt direkt in iOS und watchOS. Natürlich kann man verstehen, dass die Geldinstitute eifersüchtig auf Apple Pay schauen – und daher gerne die NFC-Schnittstelle in iPhone und Apple Watch geöffnet hätten.

Dann könnten sie Apples Gebühren bei Apple Pay nämlich umgehen und einfach selbst Zahlungen über ihre Apps abwickeln. Ich fürchte allerdings, dass das für den Nutzer keineswegs nur Vorteile hätte. Nicht nur drohte dann wesentlich schrottigere Software als Apple Pay selbst, die Banken hätten auch mehr Zugriff auf Bezahldaten, die Apple ihnen dank Privatsphärenschutz bislang verweigert. Wie diese "offene" Zukunft aussehen könnte, sieht man auf Android-Geräten, wo das Chaos groß ist. Jeder dahergelaufene Payment-Anbieter kommt mit seiner eigenen App, die mal funktioniert und mal nicht.

Entsprechend leidet auch potenziell die Sicherheit: Nur wenn man weiß, was mit dem eigenen Geld passiert, behält man auch die Kontrolle. Statt das iPhone für andere NFC-Bezahlsysteme zu öffnen, sollte Apple lieber sein eigenes weiter verbessern. Die Banken, die sich Apple Pay bislang verweigern, könnten etwa mit niedrigeren Gebühren angelockt werden. Auch die Akzeptanz besonderer lokaler Kartenlösungen wie der Girocard kann helfen, was deren Start in Deutschland belegt hat. Um also dem NFC-Öffnungszwang zu entgehen, müsste Apple einfach nur noch ein Stückchen besser werden. Und das hilft uns doch allen, oder? (bsc)

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(bsc)