Pro & Contra: Sollte Apple am Zubehör sparen?

Bei iPhone & Co hat Apple Netzteil und Kopfhörer aus dem Lieferumfang gestrichen. Der Hersteller argumentiert, das diene der Umwelt.

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Von
  • Sebastian Trepesch
  • Thomas Kaltschmidt

Artikel aus Mac & i Heft 6/2020, Seite 7.

Sebastian Trepesch hält beiliegendes iPhone-Zubehör für Ressourcen- und Geldverschwendung.

Wie für ein paar Schuhe gilt für einen Kopfhörer: Er muss gut sein und passen. Nicht jeder Interessent wird mit jedem Modell glücklich. Gerade bei den Käufern eines Premium-Smartphones wie dem iPhone 11 Pro dürften die mäßigen EarPods in der Packung verkümmern: Die einen Besitzer kommen mit der Form nicht klar, die anderen möchten eine andere Farbe, die meisten stört das Kabel. Je nach Geschmack bevorzugen Musikhörer ein spezielles Soundprofil, einen bestimmten Kopfhörertyp und auf jeden Fall eine bessere Audioqualität. Meinem generalüberholt gekauften iPhone lag der „Hygieneartikel“ schon im letzten Jahr nicht bei – gut so! Ich brauche ihn nicht, besitze ich doch Kopfhörer, die ich mir gezielt ausgesucht habe.

Sollte auch nur ein Viertel der Apple-Kunden die EarPods nicht nutzen, hätte der Hersteller in den letzten vier Jahren 175 Millionen Exemplare für die Tonne produziert. Denn laut eigenen Angaben lieferte Apple 700 Millionen Lightning-Kopfhörer aus. Das war Ressourcen- und Geldverschwendung. Ähnliches gilt für die Netzteile: Zwei Milliarden Stück sind laut Hersteller im Umlauf. Auf die leistungsschwachen Typen, die Apple den iPhones in den meisten Jahren beigelegt hat, verzichte ich gerne. Stattdessen bevorzuge ich auch hier bessere Produkte von anderen Herstellern: zu Hause eine Tankstation für mehrere Geräte, unterwegs einen kleinen, leistungsfähigen Stecker, der unterschiedliche Ladeprotokolle unterstützt.

Gut, dass Apple das Zubehör aus dem iPhone-Lieferumfang gestrichen hat, selbst wenn die größere Gewinnmarge und nicht der Umweltgedanke den Ausschlag für die Entscheidung gegeben haben sollte. Freilich, ein Preisnachlass für die iPhones ohne Kopfhörer und Netzteil in der Packung hätte der Idee geholfen: Jeder sollte sich nur kaufen, was ihm gefällt und was er braucht! (tre)

Thomas Kaltschmidt meint: Apple schiebt beim Weglassen des Zubehörs die Umwelt nur vor.

Klar, etwas für die Umwelt tun, das klingt immer gut. Und tatsächlich kann Apple in diesem Punkt einige Ambitionen vorweisen, etwa bei erneuerbaren Energien oder recycelten Materialien. Bei den neuen iPhones nun Netzteil und Kopfhörer ohne Preisnachlass wegzulassen, damit weniger Containerschiffe über die Weltmeere schippern und so jede Menge CO2 einsparen, klingt für mich aber weit hergeholt.

Was ist mit den zusätzlichen Verpackungen und Ressourcen für Netzteile, die Apple und andere nun produzieren, transportieren und versenden müssen? Sind die in der Umweltrechnung berücksichtigt?

Leider haben die meisten Anwender die Schubladen ja nicht voll mit den neuen, leistungsstarken 20-Watt-Netzteilen – die waren bei den iPhones noch nie dabei! – sondern mit den alten 5-Watt-Ladegeräten. Wer das Feature zum schnellen Laden nutzen oder mehrere Geräte gleichzeitig laden möchte, muss also zwingend nachkaufen – was wenig nachhaltig ist. Wenn Sie mich fragen, schiebt Apple hier die Umwelt nur vor: Tatsächlich handelt es sich um eine versteckte Preiserhöhung, eine angesichts von Mondpreisen für etwas mehr Speicher bei iPhones ziemlich freche sogar. Dass Apple noch einmal 25 Euro für das 20-Watt-Netzteil verlangt, halte ich für unverschämt.

So mancher iPhone-Nutzer dürfte in diesem Punkt auf Billig-Teile aus China ausweichen, doch das kann kaum in Apples Interesse sein. Schließlich haben die häufig kein CE-Zeichen und schaden dem teuren iPhone vielleicht sogar. Mag sein, dass einige Anwender Kopfhörer und Netzteil wirklich nicht brauchen. Spätestens, wenn sie ihr Gerät wieder verkaufen wollen, sind sie aber froh, wenn sie einen vollständigen Lieferumfang haben. Das erleichtert das Finden eines neuen Käufers nämlich ungemein und schenkt dem iPhone so ein längeres Leben. (thk)

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(thk)